Beim "Supertalent" sass er etwas verloren herum, mit Günther Jauch stemmte er erfolgreich die Riesenshow "Die 2". Jetzt bekommt Thomas Gottschalk eine Solo-Show bei RTL – und in der darf der Showmaster machen, was er am besten kann. In der ersten Folge von "Back to School – Gottschalks grosses Klassentreffen" stahl dem ausgebildeten Lehrer dennoch jemand die Show.

Schüchterne Küsse, vergeigte Schularbeiten und das erste Musikalbum – bei Thomas Gottschalks "Klassentreffen" kommen die bewegendsten Themen der Jugend zur Sprache. In nostalgischen Gefühlen und Erinnerungen an die 90er-Jahre badete der Showmaster aber nicht alleine. Ihm gegenüber auf dem Sofa sassen die beiden Schauspieler Matthias Schweighöfer und Tom Beck, die nicht nur bereitwillig Auskunft gaben über Schwärmereien für Lehrerinnen und Promiposter im Kinderzimmer, sondern auch noch mit den fraglichen Damen konfrontiert wurden – so durfte dann nicht nur Schweighöfers Lehrerin, sondern auch "Baywatch"-Babe Erika Eleniak der RTL-Bühne einen kurzen Besuch abstatten. Das trieb sogar dem routinierten "Alarm für Cobra 11"-Actiondarsteller die Schweissperlen auf die Stirn wie wohl zuletzt in der Oberstufe.

Mit dem Schwelgen in Erinnerungen war es aber noch nicht getan. Schweighöfer und Beck mussten sich gemeinsam mit ihren ehemaligen Klassenkameraden den Fragen von Thomas Gottschalk stellen. Wie lautet der Songtext von "Wonderwall?" Welche Farbe hat Viagra? Und wie sind eigentlich Nelson Mandela und Morgan Freeman verwandt? – das RTL-Kurrikulum unterscheidet sich dann doch etwas von dem Stoff der Durchschnittschule. Dass das Quiz nicht zur langweiligen Fragerunde verkam, ist auch Matthias Schweighöfer zu verdanken. Der Schauspieler, der derzeit seinen Film "Vaterfreuden" promotet, nutzte die Bühne für sich – zeigte Charme und Humor und dürfte so auch den einen oder anderen neuen Fan im RTL-Publikum gefunden haben. Und Gottschalk gab ihm viel Gelegenheit dazu.

Der 63-jährige Showmaster hielt sich in seiner Solo-Show geradezu zurück. Statt wie zu ZDF-Zeiten von Hollywoodstar zu Hollywoodstar und weiter zu den Wettkandidaten zu eilen, lehnte sich Gottschalk in seinem Sessel zurück und liess seine Gäste strahlen. Und das waren nicht nur Schweighöfer und Beck, sondern auch James Blunt, der seine neue Single zum Besten gab, aber sich auch nicht zu schade war für die Kandidaten internationale Songtexte, die ins Deutsche übersetzt wurden, vorzulesen. Boyzone traten auf und Bülent Ceylan und Otto Waalkes steuerten je eine Quizfrage bei. Mit 63 Jahren scheint Gottschalk den Punkt erreicht zu haben, wo er nicht mehr im Mittelpunkt der Show stehen muss. Stattdessen ist er der ruhende Pol, um den sich am Ende doch alles dreht. Und es ist ja auch schön, wenn einem die Anekdoten, peinliche Fotos und spontane Gesangseinlagen der Stargäste und nicht die Zoten des Moderators die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Drei weitere Teile von "Back to School – Gottschalks grosses Klassentreffen" hat RTL für die kommenden Freitagabende in petto. Nächste Woche steht mit Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht auch eine andere Dekade im Fokus – statt Snap und Mauerfall bilden dann die wilden 60er- und 70er-Jahre den Rahmen für die Show – inklusive Besuchen von Uschi Obermaier und Veronika Ferres. Wenn Ochsenknecht und Lauterbach ebensolchen Unterhaltungswert bieten, wie ihre jugendlichen Vorgänger und Gottschalk ihnen den Raum lässt, können sich die Zuschauer freuen. Und wenn RTL sich dann noch an eine Livesendung heranwagt, verleiht Klassenprimus und "Back to School"-Gewinner Schweighöfer der Show sicherlich auch seinen Superlativ: Gut, besser, mega!  © Glutamat