Peter Zwegat, das "Budget-Biest" von RTL, fährt nicht einfach so aus Spass durch die Republik. Nein, wenn Zwegat bei Ihnen klingelt, dann gehören Pfändung, Schulden und Insolvenz bereits zu Ihrem aktiven Wortschatz. Gestern Abend hatte er einen besonders hoffnungslosen Fall.

"Guten Tag, ich bin Peter Zwegat aus Berlin." Wenn Sie diesen Satz hören und ein älterer Herr in feinem Zwirn zusammen mit einem Team von RTL vor Ihrer Wohnungstür steht, dann ist zu diesem Zeitpunkt etwas schiefgegangen bei Ihren Finanzen. Und bei Janine und Thorsten ist so ziemlich alles schiefgegangen. Das Paar lebt mit der gemeinsamen Tochter Sunny in Gelsenkirchen und sitzt richtig in der Patsche. Über 70.000 Euro Schulden haben sich bei den beiden über die Jahre angesammelt. Es scheint eine Mischung aus Pech, Unvermögen, falschen Entscheidungen und Überforderung zu sein, die die Familie derart in die Bredouille gebracht hat.

Was also geht bei "Adam sucht Eva" wirklich ab? Wir spekulieren mal.

Sie waren jung und hatten das Geld

Als die beiden vor neun Jahren ein Paar werden, bringt Thorsten schon Unterhaltszahlungen mit in die Beziehung, hinzu kommt verliehenes Geld, das Thorsten nie wieder sieht. Ein erster kleiner Kredit folgt. Noch ist die finanzielle Situation machbar, denn beide haben ein Einkommen und so häufen sich die Ausgaben: Auto, Handy, neuer Kühlschrank. Doch damit steigen die Schulden und die werden mit neuen Schulden bezahlt.

Die Abwärtsspirale beginnt und zu der finanziellen Not kommen auch noch persönliche Rückschläge. Thorsten baut einen Verkehrsunfall und ist seinen Führerschein für acht Monate los. Als LKW-Fahrer äusserst bitter, denn damit ist auch sein Job weg. Janine betreut als Tagespflegerin ein unheilbar krankes Kind und diese Belastung bringt sie an ihre emotionalen Grenzen. Der Stress ist zu viel für sie und sie verliert ihre Stelle. Auch wenn beide in der Zwischenzeit wieder Arbeit gefunden haben, ist die finanzielle Situation längst aus den Fugen geraten, Raten werden nicht mehr bezahlt, die Stimmung ist gereizt – Zeit für einen Anruf bei Peter Zwegat.

"Raus aus den Schulden" - doch die sind noch gar nicht da.

"Mit meinen Fäusten" geweckt

Und der Darlehens-Doktor aus Berlin merkt gleich, dass er hier einen härteren Fall vor sich hat. Denn als wäre die Situation nicht schon verfahren genug, kommen immer mehr unschöne Details ans Licht: Thorsten bekommt erneut für vier Wochen den Führerschein entzogen. Ausserdem hat er "noch 'ne Sache wegen schwerer Körperverletzung laufen", weil er seine Janine von eineinhalb Jahren mit einem anderen Mann im Bett erwischt und diesen dann "mit seinen Fäusten" geweckt hat. Das Urteil: 2.500 Euro Geldstrafe. Wie wusste schon Andi Brehme: Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss.

Ein riesiger Schuldenberg und keine Übersicht der Schuldner - so richtig hoffnungsvoll ist Zwegat bei seinem neuen Fall nicht. Und Janine und Thorsten machen es ihm auch nicht besonders leicht bei seiner Rettung: das Haushaltsbuch wird nicht ordentlich geführt, neue Schulden tauchen auf und das Heikelste: Thorsten versäumt, für die Geldstrafe einen Aufschub zu beantragen. Nun bekommt er die "Ereigniskarte" von der Staatsanwaltschaft: "Gehe in das Gefängnis. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los. Ziehe nicht DM 4000 ein." Oder für Nicht-Monopoly-Spieler: Thorsten soll in den Knast.

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Null Null Zwegat legt los

Doch Zwegat, der Sollzins-Senker von der Spree, legt sich ins Zeug wie nie. Er redet mit Gläubigern, Arbeitgebern, Staatsanwaltschaft, Stadtverwaltung, Stromanbietern, und, und, und. Am Ende kann er einiges erreichen: Sunny kann weiter in den Kindergarten, die Beiträge können in Raten gezahlt werden, Janine kann ihre Stundenanzahl erhöhen und verdient dadurch mehr. Ausserdem erreicht Zwegat, dass die Schulden aus Unterhalt, Strom und Gas und die Geldstrafe ebenfalls in Raten gezahlt werden können. Die riesigen Verbindlichkeiten bleiben zwar, aber das tägliche Überleben ist gesichert und der Weg in die Privatinsolvenz nun möglich.

Zwegats jüngster Fall ist in der Tat eine Herausforderung für ihn – und ein wenig auch für den Zuschauer. Denn man kann schlecht einschätzen, was von all dem zu halten ist. Kann man das alles glauben? Ist das eine Ratgeber-Sendung oder nur ein weiteres RTL-Sozial-Voyeurismus-Format? Soll hier echte Hilfe geleistet oder nur eine verschuldete Familie vorgeführt werden? Man weiss es nicht, wahrscheinlich ist es ein bisschen von beidem.

"Raus aus den Schulden" - Rettung nach Konzept

Dass man als Zuschauer diese Ungewissheit hat, liegt vor allem am Konzept der Sendung, denn das sieht wenig Variationen vor. Alles läuft nach dem immer gleichen Schema ab. Der Fall wird vorgestellt, Zwegat kommt, Zwegat fängt an, ein Problem taucht auf, Zwegat löst es, Ende. Dieser Ablaufplan ist nicht nur bei "Raus aus den Schulden" immer der gleiche, man kennt ihn aus so vielen gleich gestrickten Retter-Sendungen. Individuelle Schicksale müssen in das stets gleiche Korsett passen. Ein Fall, ein Retter, eine Lösung. Dass das den Schicksalen gerecht wird, scheint zumindest fraglich.

Oder doch nicht? Herr Zwegat scheint über jeden Zweifel erhaben, das Ansinnen der Sendung mag hehre Ziele verfolgen und vielleicht geht es den betroffenen Familien in der Tat danach besser. Aber so richtig traut man RTL einfach nicht über den Weg. Ob man diese Sendung guckt, weil man Tipps haben will, wie es nicht geht oder ob man sie anschaltet, um anderen beim Scheitern zuzusehen – das muss dann am Ende jeder Zuschauer selbst wissen.