Ein skrupelloses Brüder-Paar, das Menschen mit brutaler Gewalt zum Betteln in der Innenstadt zwingt: Der Fall des Münchener "Tatort: Klingelingeling" taucht ein in die Welt der "Bettelmafia". Doch gibt es eine solche Mafia wirklich? Wann ist Betteln verboten und wann erlaubt? Der "Tatort" im Faktencheck.

Mit dem Bus fährt ein rumänisches Brüder-Paar seine Landsleute nach München, bringt sie in einer kalten Halle unter und zwingt sie zum Betteln in der Stadt. Die Einkünfte werden den Bettlern wieder abgeknöpft, eine Schwangere mit Liquid Ecstasy unter Drogen gesetzt, damit sie weiter betteln kann. Am Ende sind das Baby und einer der Brüder tot.

Wieder einmal greift ein "Tatort" ein gesellschaftlich brisantes Thema auf. Und wieder einmal bleiben Fragen. Hier sind ein paar Antworten.

Ist Betteln verboten?

Grundsätzlich ist Betteln in Deutschland erlaubt, es gibt aber unterschiedliche Regelungen in einzelnen Städten. Die Erlaubnis bezieht sich in der Regel nur auf das sogenannte stille Betteln, also wenn jemand nur dasitzt oder steht und zum Beispiel die Hand aufhält oder ein entsprechendes Gefäss vor sich hinstellt.

Aufdringliches oder aggressives Betteln ist hingegen verboten. Man darf also auf niemanden einreden, jemanden verfolgen oder sich gar in den Weg stellen. In solchen Fällen kann ein Bussgeld fällig werden.

Was auch nicht geht: Bettelbetrug. Man darf also keine falschen Lebensumstände vortäuschen wie zum Beispiel eine Behinderung.

In München, also dort, wo der Fall spielte, gibt es seit August 2014 eine neue Allgemeinverfügung. Demnach ist stilles Betteln ausserhalb der Fussgängerzone in München erlaubt. Wer in der Altstadt-Fussgängerzone bettelt, muss demnach mit einem Bussgeld rechnen. Auf dem Oktoberfestgelände ist Betteln ebenfalls generell verboten.

Gibt es eine "Bettelmafia"?

Im Münchener "Tatort" werden Rumäninnen und Rumänen mit einem Reisebus nach München gefahren, um dort zu betteln. Das Geld wird ihnen dann von dem skrupellosen Brüderpaar wieder abgenommen. Doch gibt es so etwas auch in Wirklichkeit?

In verschiedenen Medienberichten ist tatsächlich immer mal wieder von organisierten Banden, einer "Bettelmafia", die Rede. Das grundsätzliche Problem dabei: In den meisten dieser Berichte geht es nur um Mutmassungen, Ahnungen und Vermutungen – mit handfesten Beweisen ist es hingegen schwierig.

Auch für die Polizei in München sei es schwer, konkrete Aussagen über eine "Bettelmafia" zu treffen. Das sagte Robert Röske, Polizeihauptkommissar und Leiter der Zivilen Altstadtgruppe (ZAG) der Polizei München, in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk: "Wir sind uns allerdings sicher, dass es Strukturen im Hintergrund gibt, deren Organisationsform man als mafiös bezeichnen kann." Die tatsächliche Aufklärung könne jedoch nur im Herkunftsland der jeweiligen Bettler-Gruppen erfolgen.

Was ist Liquid Ecstasy?

Im gestrigen "Tatort" bricht die hochschwangere Bettlerin Tida (Mathilde Bundschuh) in der Münchener Innenstadt zusammen. Mithilfe ihrer Schwester Anuscha (Cosmina Stratan) bringt sie das Kind zur Welt. Doch wenige Stunden später ist das Baby tot – weil ihm eine Hand über den Mund gedrückt wurde, aber auch, weil die werdende Mutter mit Liquid Ecstasy unter Drogen gesetzt wurde. Aber was ist dieses Liquid Ecstasy überhaupt?

Die chemische Bezeichnung für Liquid Ecstasy ist Gamma-Hydoxybutryrat (GHB). In Europa unterliegt GHB seit 2002 dem Betäubungsmittelgesetz.

Der Begriff "Liquid Ecstasy" ist eigentlich irreführend, weil GHB weder chemisch noch in Bezug auf seine Wirkung Ähnlichkeit mit Ecstasy aufweist. Die Wirkung fällt je nach Person und Dosis unterschiedlich aus und reicht von Glücksgefühlen, Entspannung und Enthemmung und bei steigender Dosis bis hin zu Erbrechen Atembeschwerden oder Kopfschmerzen.

Traurige Berühmtheit erlangte Liquid Ecstasy zum einen als Partydroge, zum anderen aber auch als "Vergewaltigungsdroge" oder auch K.o.-Tropfen.

Die Wirkungsweise von GHB ist abhängig von der Dosierung. In geringerer und mittlerer Dosierung wirkt es berauschend, bei höheren Dosierungen hingegen narkotisierend. Besonders gefährlich ist der Mischkonsum von GHB zum Beispiel mit Alkohol oder Heroin.

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