Trotz anhaltender Kritik und schlechter Quoten hält das ZDF seit Monaten unbeirrt am "Wetten, dass..?"-Moderator Markus Lanz fest. Doch nun könnte ein missglücktes Interview mit der Politikerin Sahra Wagenknecht das Fass zum Überlaufen bringen. Mittlerweile fordern zehntausende Menschen in einer Online-Petition die Absetzung des Moderators.

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Weit mehr als 80.000 Nutzer (Stand: Donnerstag, 23.1., 8.30 Uhr) fordern in einer Online-Petition den Rauswurf von Markus Lanz, und jede Minute werden es mehr. "Unzählige empörte Tweets zeigten bereits während der Sendung, dass viele Zuschauer es leid sind, von einem notorisch peinlichen Moderator durch diverse Sendeformate im Öffentlich Rechtlichen Rundfunk (in dem Falle ZDF) geführt zu werden", heisst es in der Begründung der Petition, die den Titel "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" trägt. Lanz sei unfähig, "ohne Entgleisungen zu moderieren", abweichende Meinungen zu tolerieren oder Gäste der Sendung ausreden zu lassen. (Hier geht's zu der Petition.)

Am 16. Januar hatte Lanz in seiner Talkshow die stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Linke Sahra Wagenknecht wiederholt rüde unterbrochen, während andere Gäste durchweg ausreden durften. Dies führte zu einem Sturm der Entrüstung im Internet und einer Debatte um die Fähigkeiten von Lanz als Fernsehjournalist und Moderator. "Es war, als würde man versuchen, eine inhaltliche Diskussion mit einem Sechsjährigen zu führen, der als Argumente zweihundert Fleischbällchen in Tomatensosse hat und bereit ist, jedes einzelne abzufeuern", kritisierte Medien-Blogger Stefan Niggemeier im Anschluss an die Sendung.

Sahra Wagenknecht hat keine Lust mehr auf Lanz

Eine Mail, die der ZDF-Zuschauerredaktion zugeschrieben wird, verbreitet sich derweil über Twitter. Darin heisst es, dass Wagenknecht und Lanz ihr Gespräch nach der Show fortgesetzt hätten. Die Politikerin sei mit der "sehr intensiven Auseinandersetzung in der Sendung" zufrieden gewesen. Von dieser optimistischen Darstellung schien Wagenknecht überrascht. "Zu behaupten, ich sei zufrieden gewesen, ist doch etwas arg frech", twitterte die Politikerin. Der Mainzer Sender entschuldigte sich daraufhin und bot Wagenknecht an, das Missverständnis auszuräumen. "Vorerst ist mein Bedarf gedeckt", antwortete Wagenknecht in der "Bild"-Zeitung.

Der aktuelle Eklat um Lanz ist der Höhepunkt nicht enden wollender öffentlicher Kritik an dem Südtiroler. Seit Lanz im Jahr 2012 die Moderation der "Mutter der deutschen Samstagabend-Shows" übernahm, lassen Medien, Fernsehzuschauer und auch prominente Gäste von "Wetten, dass..?" kein gutes Haar an der Sendung und deren Moderator. Oscar-Preisträger Tom Hanks wünschte sich nach seinem Auftritt im Jahr 2012, dass ihn jemand "da rausgeholt" hätte. Der britische Sänger Robbie Williams will nie wieder "drei Stunden auf diesem Sofa sitzen". Und auch deutsche Stars wie Elyas M'Barek und Armin Rohde spielten zuletzt während der Live-Ausstrahlung lieber mit ihren Smartphones als angeregt mit Lanz zu plaudern.

Ein Pressesprecher des ZDF kommentierte die Petition gegen Lanz auf unsere Anfrage hin: "Kritik unserer Zuschauer nehmen wir grundsätzlich ernst, ganz gleich, wo sich die Menschen äussern. Und natürlich haben wir auch intern darüber diskutiert." Zum "Markus Lanz"-Interview mit Sahra Wagenknecht liess der Sender mitteilen: "Die Redaktion und der Moderator hatten im Nachgespräch mit Frau Wagenknecht nicht den Eindruck, dass sie mit der Sendung unzufrieden war. Kontroverse Diskussionen sind Bestandteil des erfolgreichen Formates. Sollte allerdings etwas falsch angekommen sein, so wird sich an anderer Stelle sicher noch mal die Möglichkeit finden, dies auszuräumen."

Noch hält das ZDF also an Lanz fest. Doch die Diskussionen um ihn sind sicherlich noch lange nicht vorbei.  © Glutamat

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