Die Woche im "Club der guten Laune" (CDGL) startet vielversprechend. Eskalationsalarm bereits im Vorspann. Julian F.M. Stoeckel kündigt an: "Da kommt meine gehässigste und böseste Seite raus".

Marie von den Benken
Eine Kritik
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Traditionell beginnt der Tag im CDGL mit Perlen der Musikgeschichte, die das gesamte Clubgelände beschallen. Diese Woche: "Paradise City". Rockerbraut Cora Schumacher fühlt sich direkt an ihre Jugend erinnert. Da war sie in Ozzy Osbourne verknallt. Jedenfalls, bis sie bemerkt hat, dass der gar keine Autorennen fährt. In grenzenlosem "Dirty Dancing"-Wahn bespringt sie den kurz sexuell verunsicherten Julian. Der kann sich im Halbschlaf kaum wehren und nur ein empörtes "Die Schumacher hat mir ihren Busen ins Gesicht geschoben" keuchen. Daher kommt das Sprichwort "Perlen vor die Säue werfen". In Amerika sind im Zuge von #MeToo Menschen schon für weniger gecancelt worden.

Auch der wie von Zauberhand vom Morgenmuffel zum Headbang-Hofnarren mutierende Martin Semmelrogge singt lautstark mit. Schnell wird klar: Versemmelrogge kann nicht nur kein Spanisch, sondern auch kein Englisch. Dabei kennt er "Paradise City" doch von seinem Lieblings-Radiosender "Radio Bob". Auch Theresia Fischer kennt den Sender: "Ja, da kommt häufig Rammstein." Das ist ein bisschen so, als würde ich sagen "meine Lieblingsdesignerin ist Stella McCartney" und Cathy Hummels würde antworten: "Ja, Leberwurst hat viele Proteine."

Gourmetalarm am Frühstücksbuffet

Stichwort Proteine: Noch mehr als Headbanging liebt Semmelrogge das Schlemmen. Nicht nur an appetitlichen Frauen, auch an Haute-Cuisine. Da kennt er zwar keinen passenden Radiosender, dafür aber interessante Rezepte. Und offensichtlich auch meine Oma, die stets sagte: "Frühstück ist das Sprungbrett in den Tag." Um direkt per doppeltem Rittberger ins Tagesgeschäft zu jumpen, macht sich der Tim Mälzer des Trash-TV sogleich an das Improvisieren eines CDGL-Breakfast-Bowls der kulinarischen Extraklasse.

Kennen Sie diesen wunderbaren Moment, wenn man nach tagelanger interfamiliärer Weihnachts-Hektik endlich in Jogginghose auf der Couch liegt, "Tatsächlich Liebe" guckt und ein köstliches Mahl aus Resten zahlloser Dinner-Grossveranstaltungen der vergangenen Feiertage verspeist? Geschmacksexplosion auf der Zunge und der eiserne Vorsatz, diesen Kalorien-Tsunami in etwa 459 Einheiten auf dem Laufband wieder abzuarbeiten. Ein Vorhaben, das ungefähr mit derselben Erfolgsquote umgesetzt wird, wie Christian Lindners Tankrabatt. Lindner war übrigens noch nie bei einem Reality-TV-Format dabei, obwohl viele ihn den "Bachelor der Bundesregierung" nennen.

Aber zurück zum Thema Resteessen. Semmelrogge kreiert ein lukullisches Meisterwerk, dessen Geschmacks- und Geruchsgrundlage hauptsächlich aus ranzigem Nudelsalat besteht, den noch die längst ausgezogene Jenny Elvers zubereitet hatte. Ausgezogen jetzt im Sinne von rausgeworfen, nicht im Sinne von nackt. Dazu mischt der Feinschmeckerkönig von Mallorca vergammelten Fisch (womöglich Semmelrochen?), vor sich hin gärendes Fallobst und Schoko-Balsamico zu einer Melange mallorquinischer Amuse-Gueules.

Beim Topping verwechselt Sternekoch Martin Henssler versehentlich Proteinpulver und Parmesan. Überraschend erleiden seine WG-Partner spontane Appetit-Kollapse und verschmähen das aromaoriginelle Festmahl. Die Semmelrogge-Bowl ist quasi die AfD der Brunch-Buffets: Ziemlich braun, man bekommt Durchfall, keiner mag sie und alle Inhalte sind von Vorgestern.

Damit die Stimmung nicht Richtung "Das perfekte Promidinner" abdriftet, schickt Gourmet-Sender Sat.1 den Frühstücksclub umgehend ins Chefspiel. Die Kandidaten reiben sich mit Rasierschaum ein, balancieren daran klebende Plastikbällchen durch den Vorgarten und schütteln sie dann im Ziel-Gefäss ab. Am schlechtesten durch das cremige Bälle-Paradies flaniert Jay Jay Stoeckel. Eigenartig, wo sich der uneheliche Sohn von Helmut Berger und Sophia Loren doch normalerweise mit Abschütteln sehr gut auskennt.

Die Bälle-Etage des Trash-TV

Besser schlägt sich eine Blondine, die Bälle-Versager Stoeckel wie folgt beschreibt: "Wie heisst denn die andere da aus Hamburg, die immer mit Herbert spricht?" Genau: Theresia Fischer. Noch ballsicherer als Beinverlängerungs-Crash-Test-Dummie Theresia ist nur noch Bikini-Testimonial Vanessa Mariposa, die zur Clubchefin ausgerufen wird.

Als Angela Merkel der Reisegruppe Intelligenzverweigerer ist sie somit "safe". Für alle, die der englischen Sprache ähnlich mächtig sind wie Martin: "Safe" bedeutet nicht, dass sie für den Rest der Woche in einen Tresor gesperrt wird (schade), sondern: Sie ist abgesichert und muss diese Woche das Clubgelände in keinem Fall verlassen. Vanessa steht also vor entspannten sieben Tagen. Ganz im Gegenteil zum Programmchef von Sat.1, dem der sympathische Auffangsender für gescheiterte TV-Existenzen das Quoten-Debakel CDGL überhaupt erst zu verdanken hat.

Julian F. M. Stoeckel (das F.M. steht für "Faszination Meeresspiegel") stellt bei einem kurzen Ausflug ins "Telekolleg: Gezeiten" fest: "Schon faszinierend - das Meer ist mal da und dann plötzlich wieder weg." Im Prinzip wie Geld bei Boris Becker. Seine Assistentin Theresia kann es ebenfalls kaum glauben: "Wusste ich nicht, dass es am Indischen Ozean auch Ebbe und Flut gibt." Meeresbiologin Stoeckel (der unter seinem Turban stets einen Taucherhelm versteckt) auch nicht: "Ich dachte, das gibt es nur an der Nordsee."

Wenn die beiden Seepferdchen-Dompteure demnächst noch feststellen, dass in Thailand die Sonne abends untergeht und morgens wieder auf, dann ist aber Synapsen-Kirmes im Paradies. Es folgt ein minutenlanger Epilog über das Verhalten von Fischen bei verändertem Wasserstand. Theresia fasst zusammen: "Die meisten Fische schaffen es, nur die schwachen nicht, das ist natürliche Auslese." Sie muss es wissen, denn sie heisst ja nicht umsonst (sic!) Theresia FISCHER. Und: Die natürliche Auslese hat in diesem Sommer einigen Prominenten Grimme-Preis-Nominierungen eingebracht und anderen halt Tickets für den CDGL. Choose your Fighter.

Jenny Elvers

Grosse Versuchung nach dem Entzug: Jenny Elvers hatte riesigen Weinkeller

Ein alkoholisierter Auftritt vor fast zehn Jahren war für Jenny Elvers der Wendepunkt. Nach einer NDR-Live-Sendung begab sich die Schauspielerin in einen Entzug. Doch danach wartete in ihrem Keller ein grosse Versuchung.

Professorin Stoeckel und Dozentin Fischer im Wissensdoppel

Die Top-Wissenschaftlerinnen Stoeckel und die Fischer begnügen sich glücklicherweise nicht mit der Analyse von Verhaltensweisen diverser Wassertiere, sondern fällen auch knallharte Urteile über ihre Mitbewohner. Julian F. M. etwa konsultiert: "Die nehmen das Geld und tschüss. Was auch sonst? Die machen ja hinterher keine Show-Karriere. Womit auch?" Rampensau Jay Jay Stoeckel dagegen hat schon mehr Stadien gefüllt als Mario Barth und wird auch nach dem CDGL nicht am Bühnen-Hungertuch nagen. Ob es Theresia und ihr Nasenring in seinem Windschatten auch in die grossen Manegen schaffen, wird sich zeigen. Notfalls kann sie immer noch mit Vorträgen über das Konzept Darwin am Beispiel von thailändischem Ozean-Beifang durch die Stadthallen kleinerer Dorfbauernschaften tingeln.

Die unterschwellige Lagerbildung hat sogar Sebastian Fobe registriert: "Das ist hier alles falsch gewachsen." Womit er nicht seine Frisur meint (ist es Fiberglas?). Entsprechend instabil sind die Allianzen. Cora Schumacher kehrt unentschuldigt Team "Feminismus" den Rücken und wanzt sich an den eigentlich zum Abschuss freigegebene Fobe ran. Der echauffiert sich an der Bar derweil in einen Rausch. Es geht um Ehrlichkeit und Charakter und alle denken: Wer ist der Typ überhaupt? Egal, das musste bei Fobe einfach mal raus: "Ich kann damit nicht hinter dem Baum halten." Und manchmal sieht er den Wald vor lauter Bergen nicht.

Das grosse Endspiel um die Vorherrschaft bei der Nominierung verliert Fobe mit seinem Team aus Cora und Vanessa dennoch gegen Team Stockelin (mit Theresia und Martin). Läster-Olympionike Stoeckel sonnt sich im Ruhm des Obsiegenden: "Am Ende zählt Wissen und keine Fitness-App." Schlechte Nachrichten für Situp-Influencer Fobe. Er und Cora sind somit auf der Abschussliste.

Statt Schlammcatchen rauchen Fobe und die Stoeckel dann überraschend die Friedenspfeife. In inniger Harmonie trennen sich die vormals eher an Sylvie Meis und Sabia Boulahrouz erinnernden Trash-Kontrahenten wie in einem Revival von "Ziemlich beste Freunde". Zotencowboy Julian säuselt anschliessend: "Jetzt reicht es, sonst müssen wir bumsen."

Für Spontansex bleibt allerdings keine Zeit, denn die Stoeckel, die Fischer und das Semmelröckchen müssen eine Entscheidung treffen: Fobe oder Schumacher – wer wird von der CDGL-Universität exmatrikuliert? Die Stoeckel nominiert in ewiger Verbundenheit zum feministischen Schwesternschwur dennoch Sebastian Fobe. Martin Semmelrogge und Theresia Fischer entscheiden sich ebenfalls für den bärtigen Gewinnertyp aus Hannover. Er muss den Club verlassen. Wen es kommende Woche trifft, das verrate ich nächsten Donnerstag. Bis dann!

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