Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine erfolgreiche Frau: Dieses Sprichwort mutet zwar antiquiert an, doch ein Blick auf die Gemahlinnen der Mächtigen zeigt, wie zutreffend es oftmals ist. An der Seite berühmter Diktatoren etwa zeigten sich First Ladys, die vor allem durch ihre offene Demonstration von Macht und Verschwendung von sich reden machten.

So auch Imelda Marcos, Witwe des umstrittenen Präsidenten Ferdinand Marcos, eines der grössten Tyrannen in der Geschichte der Philippinen.

Geboren als Imelda Romuáldez, Tochter in einer einflussreichen Familie, wurde sie zu einer der mächtigsten und umstrittensten Frauen der Geschichte.

Von der Schönheitskönigin zur First Lady der Philippinen

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Der Weg der reichen und schönen Imelda zeichnete sich schon früh ab: Gerade volljährig konnte sie sich den zweiten Platz bei der Wahl zur Miss Manila sichern.

Andere Mädchen hätten sich über diesen Erfolg gefreut – nicht aber die ehrgeizige Oligarchen-Tochter.

Aus Wut darüber, dass sie nicht als Siegerin aus der Wahl hervorging, reichte sie beim Bürgermeister der Stadt Beschwerde ein.

Als "Entschädigung" erhielt sie die nur für sie erdachte Auszeichnung "Muse von Manila".

Diese Anekdote zeigt deutlich, als was sich Imelda selbst stets gesehen hat: als Gewinnerin, Königin, Star. Sie wollte in die Geschichte eingehen – und hat alles dafür getan, damit sich dieser Plan erfüllt.

"Eines Tages wird mein Name im Lexikon zu finden sein", soll die Frau gesagt haben, die von sich selbst behauptet haben soll, sie sei "als Angeberin geboren" worden.

Als sie 26 Jahre alt war, bot sich Imelda die Chance, ihre Pläne in die Tat umzusetzen: Sie lernte auf einem Ball den aufstrebenden jungen Politiker Ferdinand Marcos kennen.

Nur elf Tage, nachdem sie sich kennengelernt hatten, traten die beiden vor den Altar.

Dekadenz und Extravaganz zum Leid des Volkes

21 Jahre lang war sie die First Lady der Philippinen – eine Rolle, die die einstige Schönheitskönigin zum Leid ihres Landes auskostete.

Denn sie begnügte sich keineswegs damit, ihren Ehemann zu schmücken, sondern wollte Macht und Reichtum.

Nachdem Ferdinand Marcos im September 1972 den Kriegszustand ausgerufen hatte, ernannte er sie zur Ministerin und Gouverneurin und machte sie zur Botschafterin der Philippinen.

Während ihr Mann die Rechtsstaatlichkeit mit Füssen trat und Menschen töten liess, verprasste seine Frau bei Auslandsbesuchen Millionen.

Zu Imeldas Freunden zählten Saddam Hussein und Fidel Castro, aber auch Mao Zedong und US-Präsident Ronald Reagan.

Während dieses Lebens zwischen Jetset und der Unterdrückung der Filipinos soll sich der Marcos-Clan Kunstwerke, Gold, Geld und Aktien im Wert von mehreren Milliarden Euro gesichert haben – grösstenteils illegal und aus Staatsbesitz.

Doch mit dem Ende von Ferdinands Herrschaft fehlt von all dem jede Spur. Eine Kommission soll die verschollenen Reichtümer auftreiben, gilt laut einem Bericht des "Wall Street Journal" aber selbst als korrupt.

Die wohl grösste Schuhsammlung der Welt

Was bleibt sind die Schätze, die Imeldas absurd dekadenten Lebenswandel dokumentieren.

Corazon Aquino, erste Präsidentin des Landes und Nachfolgerin von Ferdinand Marcos, will im Palast 888 Handtaschen und mehr als 3.000 Paar Schuhe sichergestellt haben.

Fotos von den prall gefüllten Schuhregalen gingen nach dem Sturz der Marcos‘ im Jahr 1986 als Zeichen ihrer Verschwendungssucht um die Welt.

Hunderte der Designerschuhe wurden auf Museen verteilt, darunter das Nationalmuseum der philippinischen Hauptstadt und ein eigens für Imeldas Schuhe errichtetes Schuhmuseum.

Imelda rechtfertigte die hohe Anzahl mit ihrem Engagement für die heimische Modeindustrie und damit, dass viele Firmen ihr ihren Dank in Form von Fussbekleidung ausgedrückt hätten.

Dabei habe die ehemalige First Lady nach eigenen Angaben aber nie mehr als 1.060 Paar Schuhe besessen.

Eine Erklärung für fast einhundert Nerzmäntel, mehrere Hundert Abendkleider und Tausende Accessoires gibt es nicht – lediglich für die Vielzahl an Diamanten: "Ich habe meinen Mann immer gesagt: 'Schenke mir bitte Diamanten, Gold ist mir zu schwer'", sagte sie im Gespräch mit "Spiegel TV".

Aussergewöhnlicher Lebensstil bis heute

Das Marcos-Regime gilt laut Transparency International und der Weltbank bis heute als eines der korruptesten der Geschichte.

Dennoch kehrte Imelda Marcos in den 1990er-Jahren nicht nur aus dem Exil zurück auf die Philippinen, sondern startete dort sogar selbst als Politikerin durch - nur sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes.

Drei Jahre lang hatte sie einen Sitz im Unterhaus des Senats, seit 2010 ist sie Mitglied des Repräsentantenhauses und wurde bereits zweimal wiedergewählt.

Die einstige First Lady führt damit die politische Linie ihrer Familie auch im hohen Alter noch weiter fort.

Lediglich das Amt als Präsidentin blieb ihr bislang verwehrt, obwohl sie sich mehrmals zur Wahl gestellt hatte – allen Vorwürfen der Korruption und des Diebstahls zum Trotz.

Reue wegen des ausbeuterischen Verhaltens gegenüber ihrem Volk oder ihres ausschweifenden Lebens zeigte sie nie und wird es wohl auch nicht mehr.

In Interviews mit Medien aus der ganzen Welt betont sie immer wieder, dass es sich bei ihrem Besitz keineswegs um Diebesgut, sondern um wohlverdienten Reichtum handle.