Zwölf Sternzeichen gibt es. Doch ein 13. Sternzeichen könnte den astrologischen Reigen durcheinanderwirbeln: Lesen wir alle das falsche Horoskop?

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Die westliche Astrologie kennt bekanntlich zwölf Sternzeichen. Doch immer wieder ist die Rede von einem mysteriösen 13. Sternzeichen. Was hat es mit dem Schlangenträger auf sich?

Bereits den Babyloniern war vor über 2.000 Jahren das Sternbild des Schlangenträgers "Ophiuchus“ bekannt, als sie das System der Tierkreiszeichen einführten. Der besseren Unterteilbarkeit des Jahres in zwölf Abschnitte wegen legten sie jedoch die bekannten Tierkreiszeichen fest.

In jüngerer Zeit verwies beispielsweise die Weltraumorgansation NASA auf den Schlangenträger. Sie erwähnte 2016 auf ihrer Kinderseite SpacePlace die Existenz eines 13. Sternbilds im Jahreskalender. Auch die BBC griff das Thema auf, berichtete ausführlich darüber und verhalf dem angeblich 13. Sternzeichen so zu einiger Popularität.

Sternzeichen Schlangenträger?

Das Sternbild des Schlangenträgers befindet sich oberhalb von Skorpion und Schütze. Die Figur des Schlangenträgers basiert auf Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst. Bekannt ist der Äskulapstab, ein von einer Schlange umwundener Stock. Dieser ist das Symbol der Medizin und der Pharmazie.

Würde der Schlangenträger als Sternzeichen anerkannt, würde das die Verteilung der Sternzeichen im Jahresverlauf ordentlich durcheinanderwirbeln. Menschen mit dem Sternzeichen Skorpion würden etwa zur absoluten Rarität verkommen.

Konkret wären die Sternzeichen, laut der BBC, dann so verteilt:

  • Widder: 19. April - 14. Mai
  • Stier: 14. Mai - 21. Juni
  • Zwillinge: 21. Juni - 20. Juli
  • Krebs: 20. Juli - 11. August
  • Löwe: 11. August - 17. September
  • Jungfrau: 17. September - 31. Oktober
  • Waage: 31. Oktober - 23. November
  • Skorpion: 23. November - 30. November
  • Schlangenträger: 30. November - 18. Dezember
  • Schütze: 18. Dezember - 20. Januar
  • Steinbock: 20. Januar - 16. Februar
  • Wassermann: 16. Februar - 12. März
  • Fische: 12. März - 19. April

Sternzeichen versus Tierkreiszeichen

Müssen Anhänger der Astrologie umdenken und sich damit anfreunden, ein anderes Sternzeichen als bislang angenommen zu haben?

Nein, sagt Christine Keidel-Joura, Astrologin aus Bremen. Denn die Annahme von einem 13. Sternzeichen beruhe auf einem Irrtum. Es fände eine Vermischung von Tierkreiszeichen und Sternbildern statt. Der Schlangenträger sei eines von 88 Sternbildern, aber kein Sternzeichen.

"Was in der Umgangssprache "Sternzeichen" genannt wird, gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Gemeint sind hier fast immer die Tierkreiszeichen", stellt Keidel-Joura klar. "Die richten sich aber nicht nach den Sternbildern, sondern nach den Jahreszeiten. Deswegen beginnt der Widder mit dem Moment der Tagundnachtgleiche im März oder der Krebs mit der Sommersonnwende."

Die Aufteilung der Sternzeichen - eine Illusion?

Tatsächlich war bereits den Babyloniern bekannt, dass die Tierkreiszeichen und die astronomischen Tierkreissternbilder nicht übereinstimmen. Die recht gleichmässige Aufteilung der Sternzeichen in je etwa 30 Tage war daher von Anfang an eine Illusion.

Zudem waren die Sterne zur Zeit der Babylonier aus Sicht der Erde in einer anderen Himmelsposition als heute. Denn die Erdachse schwankt durch die Anziehung des Mondes.

Gegner der Astrologie nutzen diese Tatsache gerne als Argument, um ihr die Existenzberechtigung per se abzusprechen. Parke Kunkle, Professor für Astronomie in den USA und Mitglied der Minnesota Planetarium Society etwa sprach der Astrologie durch die Schwankung der Erdachse und der damit einhergehenden Verschiebung der Sternbilder ihren Wahrheitsgehalt ab.

Die moderne westliche Astrologie

Tatsächlich beruft sich die moderne westliche Astrologie auf den tropischen Tierkreis. Dieser richtet sich nach den vier Jahreszeiten, die durch Tagundnachtgleichen sowie die Sommersonnenwenden bestimmt werden. Jedes Vierteljahr wird in drei Abschnitte geteilt, woraus die zwölf Tierkreiszeichen resultieren.

Der tropische Tierkreis beginnt beim Frühlingspunkt, also dort, wo die Sonne am Frühlingsbeginn steht. Daher ist er unabhängig von den Schwankungen der Erdachse.

"In der Astrologie arbeiten wir nur selten mit Sternbildern", so Keidel-Joura. "In der Antike glaubte man aber zunächst, dass die Sterne die Jahreszeiten brächten. So wurde zum Beispiel das Sternbild Schütze nach der Jagdsaison im späten Herbst benannt. Bald darauf erkannte man dann, dass sich die Sterne im Jahreskreis verschieben. Deswegen wurden die Tierkreiszeichen entwickelt, die von den Sternbildern unabhängig sind."

Wer sich also bislang mit seinem Sternzeichen identifiziert hat, darf aufatmen: In der Astrologie bleibt alles beim Alten. Waage bleibt Waage, Fisch bleibt Fisch - und der Schlangenträger bleibt weiterhin aussen vor.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Astrologin Christine Keidel-Joura
  • http://www.bbc.co.uk: "Which stars were you really born under?"
  • www.telegraph.co.uk: "Ophiuchus: suggestion of 13th sign of the zodiac becomes internet sensation
  • www.sueddeutsche.de: "Waage ist jetzt Jungfrau"
  • www.chip.de: "NASA-Sensation: Deshalb ist Ihr Sternzeichen falsch"
  • www.cosmopolitan.de: "13 Sternzeichen?! Hast du in Wahrheit ein ganz anderes?"
  • www.welt.de: "Das unbekannte 13. Sternzeichen, der Schlangenträger"
  • www.mdr.de: "Sind alle Horoskope falsch?"
  • spaceplace.nasa.gov: "Constellations and the Calendar"
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