Die "ZDF"-Moderatorin wagt die x-te Sendung zur Flüchtlingskrise und daraus resultierenden Sicherheitsbedenken. Die wohl massgebliche Antwort wird in der Debatte versteckt. Und bis auf einen Youtber, dessen Clips in die Höhe schiessen dürften, profitiert niemand.

Was ist das Thema?

Die mutmassliche Verbindung zwischen Flüchtlingskrise und Terror ist das Thema. Wie seit Wochen schon. Klar, ist die Debatte darüber immens wichtig. Doch geben Talk-Shows noch bahnbrechende Meinungen her? Das darf so langsam bezweifelt werden. "ZDF"-Moderatorin Maybritt Illner versucht es trotzdem. Der Islamische Staat (IS) sei mit dem Ziel Misstrauen gegen Flüchtlinge zu schüren ein gutes Stück weiter, sagt sie und fragt: "Ist der, der Flüchtlinge aufnimmt, ein naiver Gutmensch?"

Wer sind die Gäste?

Armin Laschet, CDU, stellvertretender Parteivorsitzender. "Keiner kann für eine Million Menschen eine Bürgschaft abgeben", sagt der 54-Jährige. Ein Skeptiker. Selbst 400.000 Asylsuchende im kommenden Jahr seien eine grosse Herausforderung, meint er. Sein Lösungsansatz für mehr Vertrauen in die Ankommenden: "Wir werden ein Identitätsmanagement machen müssen." Das Vorurteil, dass die, die kommen frauenfeindlich und homophob seien, entkräftet er mit einem Vergleich: "Es gehen ja auch nicht 80 Millionen Deutsche auf den Christopher-Street-Day."

Ex-Politiker steht Bau eines durchgehenden Zauns im Weg.

Sevim Dagdelen, Die Linke, Vize-Vorsitzende der Deutsch-Türkischen-Parlamentariergruppe im Bundestag. Sie spricht permanent von einer "Suggestion der Sicherheit". Sprich, dass diese etwa durch Polizisten mit Maschinengewehren vorgetäuscht werde. Sie kritisiert, dass die Finanzströme zum IS nicht unterbunden würden, dass Saudi-Arabien als dessen mutmasslicher Unterstützer "klare Kante" gezeigt werden müsse und die Anschläge von Paris auch mit der Vorratsdatenspeicherung nicht verhindert werden konnten. Das ist per se alles richtig, kennen wir aber schon.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Klare, nüchterne Meinungen. Er wird von allen für seine diplomatische und sachliche Art gelobt. Schuster schildert von nicht unerheblichen Sorgen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, "dass eine nicht geringe Zahl unter den Flüchtlingen ist, die mit einem judenfeindlichen Bild aufgewachsen ist". Er stellt aber auch klar: "Nicht jeder, der zuwandert, hasst Juden."

Peter R. Neumann, Direktor des Internationalen Zentrums für Radikalisierungsstudien am Londoner King’s College. Ein Terrorismusexperte für die Details. Er fordert "endlich mal ein Konzept, das sich mit Problemen junger Muslime hierzulande beschäftigt". Der IS verfolge zwei Strategien, um die Bürger in Europa und Deutschland zu verunsichern, schildert er: Aus Syrien geplante Anschläge wie den von Paris und "Einsame Wölfe, die zum Beispiel mit einem Auto in eine Menschenmenge fahren". Soweit, nichts Neues. Und dennoch gibt er die massgebliche Antwort auf die eingangs gestellte Frage: "Die Flüchtlinge stellen keine unmittelbare Gefahr dar. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der IS massenhaft Terroristen eingeschleust hätte."

Wir haben den langen und mit zahlreichen Hürden versehenden Weg eines Syrers bis zur deutschen Grenze nachgezeichnet.

Younes Al-Amayra, Youtuber "Datteltäter", Islamwissenschaftler. Ein junger Mann mit verschmitztem Lächeln, der den IS via Youtube auf die Schippe nimmt. Er sagt: "Humor kann keine Kriege gewinnen, aber Ängste nehmen." Er fordert, gemäss der Genfer Flüchtlingskommission niemanden abzuweisen und einen Dialog zu Ausstiegsmöglichkeiten für Salafisten. "Sie zu stigmatisieren, hilft nichts."

Mahbuba Aykat, Lehrerin an einer Ludwigshafener Realschule. 80 Prozent ihrer Schüler haben einen Migrationshintergrund. Sie nennt die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in Bezug auf Integration der Flüchtlinge "katastrophal gescheitert" und spricht sich für ein "Integrationspflichtgesetz" aus. Kein Wunder, gehört sie schliesslich dem Nachwuchs der CDU an. Zu den Flüchtlingen meint sie: "Wir können nicht erwarten, dass sie das Grundgesetz gleich achten werden und sich komplett umpolen."

Was war das Rede-Duell des Abends?

Aykat gegen Al-Amayra: "Wir haben zu wenig Personal an den Schulen, müssen die Wirtschaftsflüchtlinge hinten anstellen. Wir laufen hier voll", meint die Lehrerin. "Wo laufen wir voll?", fragt der Youtuber. "Wir Schulen sind überfordert", sagt sie. Al-Amayra meint: "Die Schulen sind immer überfordert." Klare Kante von beiden!

Was war der Moment des Abends?

Al-Amayra versucht muslimisch-jüdische Annäherung mit einer Portion schwarzem Humor. "Mein Vater ist Palästinenser, meine Mutter Syrerin, ich wäre quasi der ideale Judenschreck", sagt er. "Herr Schuster, ich lade Sie gerne mal zu Falafel und Humus ein. Und Sie können mich gerne mal zu einer Beschneidungsparty einladen. Ich zeige Ihnen dann die Syrer, die kommen. Die haben andere Sorgen, als einem Juden die Fresse einzuschlagen."

Wie hat sich Illner geschlagen?

Sie verliert etwas den Überblick, leider, und vergisst den "roten Faden". Warum eigentlich?, fragt man sich. "Wir versuchen mit der Debatte mehr nach Deutschland zu kommen", meint sie in der Mitte der Sendung. Es zeigt ihre zwischenzeitliche Orientierungslosigkeit.

Was ist das Ergebnis?

Die Diskussion ist interessant, dank Al-Amayra und CDU-Mann Laschet sogar amüsant gesellschaftskritisch. Und Neumann liefert die wohl massgebliche Antwort, die Moderatorin geht darauf aber nicht weiter ein. Illner und Redaktion, das geht besser!