Thüringen ist kein "freies" und "demokratisches" Land? Robert Habeck hat sich am Wochenende mit einer Aussage, die genau das impliziert, jede Menge Unmut und Spott zugezogen. Nun hat sich der Co-Chef der Grünen zu dem Eklat geäussert und kündigt persönliche Konsequenzen an.

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In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk hat sich Robert Habeck am Montagmorgen bestürzt über seinen Fehltritt vom Wochenende gezeigt.

"Ich beiss' mir in den Arsch", sagte er in der BR2-Sendung "radioWelt". "Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht, wie mir so etwas passieren kann." Er sei von sich selbst entsetzt.

Aber was genau ist passiert?

Thüringen soll "frei" und "demokratisch" werden

In einem am Sonntag von den Thüringer Grünen veröffentlichten Video sagte der Co-Parteichef: "Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land."

Das ostdeutsche Bundesland soll frei und demokratisch werden? Der von dort stammende Bundestagsgeschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, reagierte mit Ironie: "In welchem Gefängnis habe ich die letzten Jahre gelebt?", fragte er, ebenfalls auf dem Kurnachrichtendienst Twitter.

SPD-Vizechef Ralf Stegner schrieb dort: "Ein bisschen überheblich ist dieser Wahlkampfstil schon." Andere wiesen auf die Koalition hin, die derzeit in Thüringen regiert: gebildet von Linkspartei, SPD - und Grünen.

Video wurde mittlerweile entfernt

Der Videoaufruf wurde rasch entfernt. Stattdessen ist auf dem Twitter-Profil nun zu lesen: "Wir haben Robert Habecks Aufruf vom Netz genommen, weil viele ihn falsch verstanden haben: Nein, wir reden THÜ nicht schlecht. Auch Robert tut‘s nicht. Wie blöd wären wir denn – nach gut 4 Jahren R2G?! Thüringen soll einfach noch grüner & ökologischer werden." Mit R2G ist Rot-Rot-Grün gemeint.

Später entschuldigten sich die Thüringer Grünen auch im Namen von Robert Habeck via Twitter für die Aussage. "Robert und wir entschuldigen uns bei allen Thüringerinnen und Thüringern, die sich herabgewürdigt fühlten. Der Fehler lag bei uns."

Habeck selbst erklärte in seinem Blog, den er später veröffentlichte: "Gemeint war schlicht, dass ich den Wahlkampf mit einem Aufruf für weitere Arbeit und Engagement für Demokratie und Ökologie garnieren wollte. Aber ich hab es anders gesagt – 'wird', statt 'bleibt'; ein kleines Wort, ein echter Fehler."

Habeck kündigt Konsequenzen an

Im BR2-Interview sagte Habeck weiter: "Ich kann gar nicht abstreiten, dass das super bescheuert war, was ich da gesagt habe."

Habeck reflektierte zudem die Mechanismen des Kurznachrichtendienstes Twitter selbstkritisch. "Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze", so Habeck auf seiner Webseite.

"Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen."

Nicht seine erste Twitter-Panne

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Habeck auf Twitter in dieser Weise vergaloppiert. Vor der Landtagswahl im Oktober in Bayern hatte er gefordert, die CSU-Alleinherrschaft zu beenden, damit man sagen könne: "Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern".

Nach Kritik daran hatte er eingeräumt, "lasch formuliert" zu haben: "Die Kritik daran nehm' ich an. Das war im Wahlkampffieber einer zu viel. Sorry dafür!"

Auch jetzt bezieht sich Habeck auf die Bayern-Wahl und den erneuten Fehler: "Zum zweiten Mal, nach einem ähnlichen Twitter-Video-Aufruf zu Bayernwahl. Wie um alles in der Welt konnte mir so was passieren?"

In Zukunft wird ihm das auf Facebook und Twitter nicht mehr passieren. Denn als persönliche Konsequenz kündigte der Grünen-Chef an, sich von Twitter und Facebook künftig zurückzuziehen. (jwo/mwo/dpa)

Verwendete Quellen:

  • Privater Blog von Robert Habeck
  • BR2-Sendung "radioWelt": "Grünen-Chef Habeck will das Twittern aufgeben"
  • Twitter-Profil der Grünen in Thüringen @Gruene_TH

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sieht die neuen Bundesländern nach wie vor benachteiligt. Deshalb fordert sie, Grossbehörden künftig ausschliesslich in den neuen Bundesländern einzurichten - und vor allem von Ostdeutschen leiten zu lassen.