• Olaf Scholz soll bei der Bundestagswahl für die SPD das Kanzleramt erobern. Kein anderer Spitzenkandidat hat so viel Regierungserfahrung wie er.
  • Zu seiner Partei pflegt Scholz allerdings ein gespaltenes Verhältnis. Und seine spröde Art hat ihm den Spitznamen "Scholzomat" beschert.

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Wegen seines Vorbilds Helmut Schmidt ist Olaf Scholz schon mit 17 in die SPD eingetreten. Die Gemeinsamkeiten und Parallelen zwischen den Politikern fallen in der Tat ins Auge: Wie Schmidt kommt Scholz aus Hamburg. Wie früher Schmidt geniesst heute Scholz parteiübergreifend grosses Ansehen und bedient vor allem die politische Mitte. Wie früher Schmidt schlägt ihm in der eigenen Partei allerdings immer wieder Misstrauen entgegen.

Nun will Scholz auch den wichtigsten Schritt gehen, den Helmut Schmidt bereits 1974 gegangen ist: Er will nach der Bundestagswahl im Herbst ins Kanzleramt einziehen.

Hobby-Sportler dank seiner Frau

Angesichts der Biografie des 62-Jährigen wäre dieser Schritt nur konsequent. Es gibt kaum ein politisches Amt, das er nicht ausgeübt hat. Nach dem Abitur 1977 an einem Gymnasium in Hamburg-Rahlstedt studiert er wie viele andere Politiker Jura und verknüpft eine politische Karriere mit der Juristen-Laufbahn.

In den 80er-Jahren war er stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos, 1990 gründete er mit einer Kollegin die Anwaltskanzlei Zimmermann, Scholz und Partner und spezialisierte sich auf Arbeitsrecht.

Mitte der 80er-Jahre lernt er Britta Ernst kennen, mit der er bis heute verheiratet ist. Wie Scholz auf seiner Homepage verrät, kommt die Beziehung auch seiner Gesundheit zugute: Seine Frau treibt den Bewegungsmuffel Scholz zum Sport. Heute nennt er Joggen, Radfahren und Rudern als seine Hobbys.

Das Ehepaar wohnt inzwischen in Potsdam: Britta Ernst ist ebenfalls SPD-Politikerin und seit 2017 Bildungsministerin in Brandenburg.

Auf und Ab zwischen Berlin und Hamburg

Seine ausführliche Tour durch die Landes- und Bundespolitik startet Olaf Scholz 1998. Im Wahlkreis Hamburg-Altona wird er in den Bundestag gewählt, kehrt aber schon 2001 als Innensenator an die Elbe zurück. 2002 wechselt er dann wieder als SPD-Generalsekretär in die Bundespolitik. 2007 bis 2009 sitzt er als Arbeits- und Sozialminister erstmals im Bundeskabinett.

Sein wohl grösster persönliche Triumph fällt auf den 20. Februar 2011. Bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg erringt die SPD mit Scholz an der Spitze einen Erdrutschsieg und vertreibt die CDU nach drei Legislaturperioden wieder aus dem Rathaus.

Unter Scholz als Erstem Bürgermeister wird die Elbphilharmonie endlich fertig gebaut. Um den Anstieg der Mietpreise zu bremsen, lässt der Hamburger Senat zudem Tausende Wohnungen bauen – in einer Zeit, in der das Thema Wohnen viele andere Politiker noch gar nicht auf dem Radar haben.

Eine dunkle Episode ist dagegen der G20-Gipfel im Juli 2017: Während gewaltbereite Linksextreme sich Schlachten mit der Polizei liefern, es zu massiven Sachbeschädigungen und Plünderungen in der Stadt kommt, sitzt Scholz mit den Staats- und Regierungschefs in der Elbphilharmonie.

Auf die Niederlage folgt der "Wumms"

Wechselhaft ist auch das Verhältnis zwischen Scholz und der SPD. Als Bundesarbeitsminister hat er einst Branchen-Mindestlöhne eingeführt. Als er sich 2019 zusammen mit Klara Geywitz um den Parteivorsitz bewirbt, versichert er, ein "truly Sozialdemokrat" zu sein.

Der linke Parteiflügel verzeiht ihm aber nicht, dass er einst half, die ungeliebten Hartz-Reformen durchzusetzen. Scholz gilt als eher konservativer Sozialdemokrat. Auch sein langes Festhalten an einem ausgeglichenen Haushalt als Bundesfinanzminister hat ihm innerparteilich nicht nur Freunde gemacht.

Nach der Schmach der erfolglosen Bewerbung für den Vorsitz bewegen sich Scholz und seine Partei aber wieder aufeinander zu. In der Corona-Pandemie punktet der aktuelle Vizekanzler und Bundesfinanzminister als Krisenmanager, der aus dem Vollen schöpft. Treffsicher zeigt er sich mit einprägsamen Formulierungen: Mit "Wumms" müsse man aus der Krise kommen, fordert Scholz. Zu diesem Zweck will er die "Bazooka" aus dem finanziellen Waffenschrank holen.

Im Rennen ums Kanzleramt derzeit nur auf Platz drei

Schon im vergangenen August heben die Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans den erfahrenen Scholz als SPD-Kanzlerkandidaten aufs Schild.

Die schlechten Umfragewerte konnte er bisher allerdings nicht drehen. Seine trocken-hanseatische Art wirkt auf viele Nicht-Hamburger hölzern. Mit seinem manchmal roboterhaften Auftreten hat er schon als Generalsekretär den zweifelhaften Spitznamen "Scholzomat" erworben.

Und immer noch muss Scholz erklären, warum die eigene Partei ihn nicht als Vorsitzenden wollte, er jetzt aber für sie das Kanzleramt erobern soll.

Beim Rennen um den Chefposten richten sich die Blicke bisher vor allem auf Union und Grüne. Angesichts der Umfragewerte liegt Scholz mit der SPD nur auf Platz drei. Zumindest nach aussen lässt er aber keine Selbstzweifel erkennen. "Ich will Kanzler werden", stellte Scholz im Interview mit Pro Sieben klar. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Noch so eine Parallele zu seinem Vorbild Helmut Schmidt.

Verwendete Quellen:

  • Olaf.Scholz.SPD.de: Über mich
  • Webarchiv Bundestag: Olaf Scholz, SPD
  • ProSieben Spezial Live. Der Kanzlerkandidat im Interview
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