Nach den zittrigen Erfolgen gegen Slowenien und Norwegen zum Auftakt der Weltmeisterschaft wurde auch die Partie gegen Gastgeber Frankreich zu einem Geduldsspiel - diesmal mit dem schlechteren Ende für die Nati.

Die Ausgangslage war klar: Mit einem Sieg gegen die frechen Franzosen würde die Schweiz einen riesen Schritt in Richtung Viertelfinale machen und sich gleichzeitig einen potenziellen Gegner im Kampf um die ersten vier Plätze vom Leib zu halten.

Wie unangenehm der Co-Gastgeber aber zu bespielen ist, musste nach den Finnen, die gegen Frankreich eine 1:5-Abreibung kassiert hatten, auch die Hockey-Nati erfahren.

Am Ende verlor die Schweiz in der AccorHotels Arena Paris-Bercy mit 3:4 n.P. (0:1, 2:0, 1:2, 0:1) und musste konstatieren, dass die erste Niederlage im dritten Gruppenspiel am Ende verdient war.

Mit dem denkbar schlechtesten aller Starts in eine Partie begann ein schwieriger Abend für die Mannschaft von Coach Patrick Fischer. Schon nach 2:53 Minuten lagen die Eidgenossen zurück - nach einem Shorthander der Gastgeber.

In Unterzahl konnte Frankreich einen Konter fahren, den Yohann Auvitu mit etwas Glück abschloss. Die Schweiz zeigte sich sichtlich geschockt durch den frühen Rückstand und blieb im ersten Drittel auf der Suche nach Sicherheit und Torgefahr.

Lediglich Pius Suter hatte in Überzahl eine Hundertprozentige auf dem Schläger, schoss den Puck aber am quasi leeren Tor vorbei. Ansonsten war bis zur Sirene nicht viel zu sehen von der Schweizer Offensive.

Offenbar musste sich der Weltranglistenachte in der Kabine ein paar deftige Worte von Coach Fischer anhören, denn plötzlich lief die Angriffsmaschine deutlich besser. Nach 82 Sekunden fand dies auch auf dem Scoreboard Niederschlag. Nach einem Rückpass von Denis Hollenstein knallte Vincent Praplan den Puck aus kurzer Distanz in den rechten Winkel.

Keine drei Minuten später hatte die Schweiz die Partie dann endgültig gedreht. Wieder war es die zweite Reihe, wieder war es Praplan auf Zuspiel von Hollenstein, der einen schönen Angriff zur Schweizer Führung abschloss.

In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe mit Chancen auf beiden Seiten. Schweiz-Goalie Leonardo Genoni rettete gegen Frankreichs Star Pierre-Edouard Bellemare ebenso wie auf der Gegenseite Frankreichs Cristobal Huet, der diesmal den Vorzug vor Finnen-Killer Florian Hardy bekommen hatte, bei zwei Versuchen der Schweizer. Mit 2:1 ging es also in die letzte Drittelpause.

Unmittelbar nach dem ersten Bully des Schlussabschnitts leistetet sich Romain Loeffel ein völlig unnötiges Foul und musste zwei Minuten auf die Strafbank. Frankreich benötigte im folgenden Powerplay gerade einmal 25 Sekunden, um auszugleichen. Zunächst scheiterten Les Bleus noch von der blauen Linie, dann schlenzte Stephane da Costa den Puck aus halbrechter Position in den linken Winkel. Genoni hatte keine Abwehrchance, dem Goalie war beim Schuss komplett die Sicht versperrt.

In der hektischen Schlussphase wurde die Schweiz dann endlich wieder klarer in ihren Offensivbemühungen und kam durch Andre Ambuhl nach Assist von Suter knapp sechs Minuten vor dem Ende zur erneuten Führung. Einen Wechselfehler der Franzosen nutzte Suter zu einem schnellen Pass ins Zentrum, wo Ambuhl alleine auf Huet zufuhr und den Puck oben rechts versenkte.

Nur eine Minute später hatte die Nati dann noch Glück, als Nicolas Ritz mit einem Rückhandschuss nur den Aussenpfosten traf. Wenige Sekunden später traf Anthony Rech aber nach einem Bully aus der Drehung zum 3:3. Genoni sah dabei nicht besonders gut aus.

Trotz guter Chancen auf beiden Seiten ging es dann in die Overtime, in der die Schweiz 90 bange Sekunden zu überstehen hatte, weil sich Praplan in der regulären Spielzeit noch eine Strafe einhandelte.

Bei Drei gegen Drei fuhr Kevin Hecquefeuille ein Break, scheiterte aber ebenso an Genoni, wie wenige Momente später Da Costa. Die Franzosen waren in der Overtime die klar bessere Mannschaft mit den besseren Chancen, trotzdem musste die Penalties entscheiden. Die Schweiz scheiterte mit allen drei Versuchen, während Da Costa mit dem zweiten Tor des Abends die Partie entschied.

Durch die Niederlage in diesem Knackpunktspiel hat die Schweiz jetzt sechs Punkte auf dem Konto und muss um das Viertelfinale bangen. Bereits am Mittwoch geht es gegen Weissrussland weiter. Alles andere als ein Sieg gegen den Letzten der Gruppe B wäre eine Überraschung, immerhin sind die Weissrussen das einzige Team der WM, das noch gar keinen Punkt auf dem Konto hat.

Wie schwer diese so genannten Pflichtsiege aber sind, hat das Frankreich-Spiel nochmals eindrucksvoll gezeigt. Vorsicht ist also doppelt geboten aus Sicht der Nati. Zumal die richtigen Brocken in der Gruppenphase noch alle warten…