Der VfB Stuttgart kommt derzeit nicht zur Ruhe. Nach dem Chaos bei der Mitgliederversammlung sucht der kriselnde Bundesliga-Absteiger neue Führungspersönlichkeiten. Von höchster Stelle wird Jürgen Klinsmann vorgeschlagen.

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Jürgen Klinsmann wird sich beim VfB Stuttgart nicht bewerben. Aber natürlich bekommt der frühere Bundestrainer das Chaos bei seinem Herzensclub auch in seiner Wahlheimat Kalifornien mit.

Erst der Abstieg, dann der peinliche Abbruch der Mitgliederversammlung und nun der Rücktritt von Präsident Wolfgang Dietrich: Die Schwaben schlittern von einer Krise in die nächste, und Klinsmann verfolgte das bisher still, aber sicher nicht mit Freude. Andererseits: Die Voraussetzungen für eine Rückkehr des 54-Jährigen waren vielleicht noch nie so günstig wie derzeit.

Wenn der VfB Stuttgart anruft, geht Jürgen Klinsmann ans Telefon

"Wenn jemand vom VfB Stuttgart anruft - egal aus welchem Grund - wird er immer ans Telefon gehen. So war das auch in der Vergangenheit immer", sagte sein Medienberater Roland Eitel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Kurz darauf legte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann als bekennender VfB-Fan in seinem Werben um Klinsmann nach. "Ich fände, das wäre einfach eine super Lösung", sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart. Ihn veranlasse aber nichts zu dem Glauben, dass Klinsmann dem Vorschlag folgen könnte. Er habe nur einen Wunsch geäussert.

Über einem Foto von sich selbst mit VfB-Schal in einer Stuttgarter Strassenbahn hatte Kretschmann zuvor auf Facebook geschrieben, der VfB brauche jetzt eine Persönlichkeit mit Fussballkompetenz. "Jemand der von hier kommt, der zusammenführt und hinter dem sich die ganze VfB-Familie versammeln kann."

Und da würde ihm als VfB-Fan auch schon jemand einfallen, "den ich letztes Jahr in Kalifornien getroffen habe und der den Brustring definitiv im Herzen trägt". Damit spielte Kretschmann auf eine Begegnung mit Klinsmann 2018 an.

Guido Buchwald: "Mit Jürgen kann ich mir im Fussball alles vorstellen"

Auch Klinsmanns ehemaliger Teamkollege Guido Buchwald würde eine Rückkehr begrüssen. Der 58-Jährige, der im Februar nach einem Streit aus dem Aufsichtsrat der Schwaben zurückgetreten war, hält sogar eine Zusammenarbeit mit Klinsmann in Stuttgart für möglich.

"Mit Jürgen kann ich mir im Fussball alles vorstellen. Wir kennen uns seit Jahren und liegen in ganz vielen Bereichen auf einer Wellenlänge", sagte der VfB-Ehrenspielführer der "Bild".

Fakt ist, dass nach dem Rückzug von Dietrich derzeit zentrale Führungspositionen beim Fussball-Zweitligisten vakant sind. Zum einen soll auf einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung am 15. Dezember ein neuer Präsident gewählt werden. Zum anderen sucht der VfB einen Vorstandsvorsitzenden für seine schon länger ausgegliederte Fussball AG.

Für diesen Posten galt zuletzt der ehemalige Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf, Robert Schäfer, als aussichtsreicher Kandidat.

Durch Dietrichs Rücktritt kommt allerdings neue Bewegung in die Suche - und somit Klinsmann ins Spiel. Dem gestaltungs- und innovationsfreudigen Ex-Profi dürfte der Job als mächtiger Vorstandschef sicher eher zusagen als das Amt des Präsidenten.

Klinsmanns Herz schlägt weiter für den Bundesliga-Absteiger

Gemeinsam mit Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, den Klinsmann bei der Heim-WM 2006 noch trainiert hatte, könnte er die Strukturen für die vom Club sehnlichst gewünschte einheitliche Spielphilosophie schaffen. Aber könnte sich ein ambitionierter Macher wie Jürgen Klinsmann überhaupt die Arbeit bei einem Zweitligisten vorstellen?

In einem Interview der "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" hatte Klinsmann im vergangenen Oktober gesagt, dass es ihn zurück in den Profifussball ziehe. "Ich kann mir eine Arbeit als Trainer vorstellen, aber auch eine Tätigkeit als Sportchef, der in einem Verein oder einem Verband strategisch arbeitet und das grössere Bild zeichnet."

Sein Herz schlägt weiter für den VfB, wie sein Berater sagt. Zudem ist er familiär nicht mehr so stark an die USA gebunden.

Für den ehrgeizigen Klinsmann dürfte die sportliche Misere seines Ex-Clubs sogar eher Herausforderung als Unterforderung darstellen. Dafür müssten die Schwaben ihrem Ex-Profi (1984 bis 1989) aber auch den entsprechenden Gestaltungsspielraum einräumen. Und sie müssten ihn kontaktieren. Denn einen Anruf aus der Clubzentrale würde Jürgen Klinsmann immer entgegennehmen.  © dpa

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