In den Kellerduellen der Bundesliga sind auch die Unparteiischen gefordert und bei den Spielen in Augsburg und Berlin machen sie ihre Sache wirklich gut. Knifflige Situationen lösen sie im Team richtig, zur Steigerung der Akzeptanz wird auch schon mal der VAR bemüht.

Alex Feuerherdt, Schiedsrichter
Eine Kolumne
von Alex Feuerherdt
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Angesichts der Abstiegsnot beider Klubs war es abzusehen, dass die Partie zwischen dem Tabellenvierzehnten FC Augsburg und dem einen Rang schlechter platzierten SV Werder Bremen (2:0) keine fussballerische Delikatesse werden wird.

Vielmehr musste man mit Kampf und Krampf rechnen, mit grosser Hektik und reichlich Emotionalität. Auch für Schiedsrichter Robert Schröder, dem nach zuletzt vielen guten Leistungen die Aufsicht über diese wichtige Begegnung anvertraut wurde, war das keine einfache Aufgabe.

Um es vorwegzunehmen: Der 35 Jahre alte Unparteiische aus Hannover, der dem Verein SG Blaues Wunder angehört, machte seine Sache in einem tatsächlich schwierigen Spiel gemeinsam mit seinen Assistenten wirklich gut.

Schon nach 13 Minuten musste er konsequent sein, als sich die Wege des Augsburgers Ruben Vargas und des Bremers Theodor Gebre Selassie im Mittelfeld weit abseits des Balles kreuzten.

Augsburg gegen Bremen: Der Feldverweis für Vargas war alternativlos

Es kam zu einem leichten Check von Gebre Selassie, den Vargas beantwortete, indem er mit seinem rechten Bein ausholte und seinen Gegenspieler mit voller Wucht in die Beine zu treten versuchte, jedoch nicht richtig traf.

Während Schröder mit kurzer Verspätung pfiff, protestierten die Bremer vielstimmig. Trainer Florian Kohfeldt deutete immer wieder rufend und wild gestikulierend auf Vargas.

Man kann davon auszugehen, dass der Referee den Zweikampf gar nicht wahrgenommen hatte, weil er dem Lauf des Balles gefolgt war, von einem seiner Assistenten oder dem Vierten Offiziellen jedoch die wesentliche Information erhielt.

Er zeigte dem Augsburger jedenfalls mit einiger Verzögerung die Rote Karte – und das war völlig richtig. Denn weil bereits der Versuch einer Tätlichkeit strafbar ist und genauso geahndet wird wie ihre Vollendung, blieb Schröder keine andere Wahl als der frühe Feldverweis.

Taktisches Review zur Absicherung der Entscheidung

Diese Entscheidung sicherte er sogar noch durch einen Gang an den Monitor an der Seitenlinie ab; hier lag mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Intervention des VAR aufgrund einer falschen Entscheidung vor, sondern vielmehr ein taktisches Review, um die Proteste der Augsburger zu beenden.

Diese Art von Reviews soll es nur in begründeten Ausnahmefällen geben – aber die Dezimierung einer Mannschaft nach nicht einmal einer Viertelstunde in einem Kellerduell am 33. Spieltag gehört ohne Zweifel zu diesen Ausnahmen.

Kurz nach der Pause war auch Werder nur noch zu zehnt, als der bereits verwarnte Christian Gross den Augsburger Florian Niederlechner durch einen ungeschickten Tritt gegen das Knie zu Fall brachte und deshalb mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Auch hier war Robert Schröder richtigerweise konsequent.

Knifflige Strafraumsituationen richtig gelöst

Knifflig wurde es für ihn in mehreren Strafraumsituationen, wobei sowohl die Hausherren als auch die Gäste je einmal vergeblich einen Elfmeter forderten.

Die Szenen waren sich insoweit ähnlich, als es jeweils einen eher leichten Kontakt am Fuss respektive Schienbein des Gegners gab, verursacht durch einen flüchtigen Tritt ohne wirkliche Intensität.

Nach 20 Minuten war erst der Bremer Niclas Füllkrug betroffen, dann in der 65. Minute der Augsburger Marco Richter, den der Unparteiische sogar verwarnte, weil er dessen recht theatralischen Sturz als Schwalbe bewertete.

Das gaben die Bilder zwar nicht unbedingt her, aber der VAR hätte in beiden Situationen nur eingegriffen, wenn die Entscheidung, jeweils keinen Elfmeter zu geben, aus seiner Sicht eindeutig falsch gewesen wäre. Dass er es nicht tat, war korrekt.

Berechtigter Elfmeter für den FC Augsburg

Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit kam es schliesslich doch noch zu einem Elfmeterpfiff, als Milot Rashica im eigenen Strafraum den Augsburger André Hahn durch einen deutlichen Tritt gegen das Schienbein zu Fall brachte.

Dieser Kontakt war von anderer Qualität als in den anderen beiden Szenen und deshalb eindeutig ahndungswürdig. Die Abstufung in der Zweikampfbewertung von Robert Schröder liess sich insoweit gut nachvollziehen und wurde von den Teams auch akzeptiert. Einen Strafstoss gab es eben erst, als der Sachverhalt wirklich klar war.

Ebenfalls korrekt war es vom Referee, in der 38. Minute nach dem Handspiel von Davie Selke im Bremer Strafraum nicht auf Elfmeter für den FC Augsburg zu entscheiden, sondern ein vorangegangenes Abseitsvergehen der Gastgeber zu ahnden.

Der Augsburger Jeffrey Gouweleeuw hatte in einer Abseitsposition bei einer Flanke Theodor Gebre Selassie mit beiden Händen daran gehindert, zum herannahenden Ball zu kommen. Dadurch war André Hahn in Ballbesitz gelangt, dessen Hereingabe schliesslich Selke mit Kopf und Hand ins Toraus befördert hatte.

Starke Leistung in einer anspruchsvollen Begegnung

Weil aber das strafbare Abseits dem Handspiel vorausgegangen war und der Assistent es angezeigt hatte, musste der Schiedsrichter gar nicht erst überlegen, ob ein Strafstoss in Frage kommt.

Robert Schröder lag damit im Verbund mit seinen Assistenten in allen spielrelevanten Situationen richtig und traf seine Entscheidungen auch mit erkennbarer Überzeugung.

Selbst bei den Bremern war der Unparteiische nach dem Schlusspfiff kein Thema. Er hatte erneut eine starke Leistung gezeigt – und das in einer wirklich anspruchsvollen Partie.

Auch Aytekin überzeugt

Auch im anderen direkten Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten war der Referee kein Thema: Deniz Aytekin leitete die Begegnung zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln (0:0) gewohnt souverän.

Selbst im heikelsten Moment kurz vor Schluss ging er mit Augenmass und Geschick vor: Als der Kölner Ellyes Skhiri im Zweikampf mit Jonas Michelbrink im Strafraum der Berliner zu Fall kam, liess Aytekin weiterlaufen, was angesichts des geringfügigen Kontakts am rechten Bein von Skhiri auch angemessen war.

Der Unparteiische schaute sich die Szene trotzdem noch einmal kurz am Monitor an – auch hier handelte es sich erkennbar um ein taktisches Review. Das verbesserte die Akzeptanz für diese Entscheidung und beugte Protesten vor. Die Schiedsrichter haben an diesem vorletzten Spieltag der Saison eine Menge richtig gemacht.

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