In der laufenden Saison 2022/23 fassten die Schicksale der an Krebs erkrankten Bundesliga-Profis Sebastien Haller, Marco Richter und Timo Baumgartl viele Fussballfans an. Alle drei kämpften um ihre Gesundung und kehrten auf den Platz zurück. Psychologie-Student Baumgartl schildert seine neue Sicht auf die Dinge.

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Auch mehr als 13 Jahre nach Robert Enkes Suizid bleiben Fussballprofis vom Ergebnisdruck getrieben und reden selten offen über ihre Gefühle und Ängste. Union Berlins Verteidiger Timo Baumgartl hat den Hodenkrebs besiegt und nach eigener Aussage davon profitiert, offener über seine Emotionen zu sprechen.

"Ich habe es gelernt, über Gefühle zu reden. Vor ein paar Jahren war ich noch typisch Mann: 'Man redet nicht über Gefühle. Ich fresse alles in mich hinein, mach alles mit mir selbst aus.' Aber ich hab' irgendwann gemerkt, gerade auch, weil ich Psychologie studiere, dass über Gefühle reden vieles vereinfacht", sagte der 27-Jährige im Podcast "Vom Feeling her ein gutes Gefühl".

"Einerseits mit einem Familienangehörigen oder der Freundin über Sachen zu reden, aber auch Dinge, die sehr intim sind, mit einer professionellen Psychologin zu besprechen, das tut einfach gut. Ich kann jedem empfehlen, das auszuprobieren", sagte der Union-Profi.

Der Krebs hat Timo Baumgartls Sicht auf ein Fussballspiel verändert

Unin Berlins Timo Baumgartl ist im Einsatz am 19. Februar 2023 im Bundesligaspiel gegen Schalke 04
Union Berlins Verteidiger Timo Baumgartl, hier am am 19. Februar 2023 im Bundesligaspiel gegen Schalke 04, stellt sich als ehemaliger Krebspatient existenziellere Fragen als mancher Team- und Berufskollege. © AFP/Ronny Hartmann

Bei Baumgartl war im vergangenen Jahr Hodenkrebs diagnostiziert worden. Dieses Schicksal teilte er mit seinen Bundesligakollegen Sebastien Haller von Borussia Dortmund und Marco Richter von Hertha BSC. Inzwischen stehen alle drei wieder auf dem Feld.

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Die Krankheit hat Baumgartls Perspektive auf das Leben verändert. "Fussball ist immer noch mein Beruf, meine Leidenschaft, und da bin ich immer noch so ehrgeizig wie davor. Aber ein Spiel zu verlieren, wird in einen anderen Kontext gerückt", sagte er. "Wenn man erlebt hat, was es heisst, in ein paar Monaten eventuell nicht mehr zu leben, dann ist ein verlorenes Spiel jetzt nicht mehr das Wichtigste."

Baumgartl erhofft sich in der Fussball-Branche generell einen offeneren Umgang mit vermeintlichen Tabu-Themen. "Ich hoffe einfach, dass gerade wir als neue Generation das irgendwie brechen können", sagte er. (dpa/hau)

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 0800/1110-111 (Deutschland), 142 (Österreich), 143 (Schweiz).

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