• Chinese Super League: Tristesse statt Aufstieg zur Fussballmacht
  • Nach grossen Investitionen: Finanzielle Probleme an der Tagesordnung
  • Ist der Angriff Chinas auf dem Fussballmarkt schon beendet?
Eine Analyse

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Es ist nicht so lange her, da schrieb die Chinese Super League Schlagzeilen, weil sich die dort ansässigen Klubs zum Ziel setzten, die Liga auf ein hohes Qualitätsniveau zu hieven. Insbesondere durch hohe Gehälter sollten zunächst Spieler höheren Fussballalters aus Europa und Südamerika nach China gelockt werden. Der Plan sah vor, dass diese grossen Namen die Attraktivität steigern und weitere Spieler anlocken sollen. Zunächst ging dieser Plan auch auf, die Realität sieht heute aber ganz anders aus.

Grosse Namen für die Chinese Super League

In vielen Teilbereichen zählt China mittlerweile zur Weltspitze. Das Land mit mehr als einer Milliarde Einwohner hatte natürlich auch das Ziel, im Fussball zu den besten Nationen der Welt zu zählen. Schliesslich ist Fussball eine der beliebtesten Sportarten weltweit und geniesst eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Doch in der Chinese Super League war das Niveau vor einigen Jahren noch verhältnismässig gering. Grosse, bekannte Namen sollten für einen Aufschwung sorgen. Den Worten sollten auch Taten folgen, ab 2015 wechselte zahlreiche Spieler für viel Geld nach China.

Jackson Martinez zum Beispiel wechselte 2015 für 42 Millionen Euro von Atletico Madrid zu Guangzhou Evergrande. Jiangsu Tuning verpflichtete mit Ramires und Alex Teixeira gleich zwei Spieler für knapp 80 Millionen Euro. Weitere Beispiele dieser Art sind schnell gefunden: Oscar und Hulk wechselten 2016 für insgesamt 115 Millionen Euro zu Shanghai SIPG, auch Paulinho und Cedric Bakambu kosteten jeweils 40 Millionen Euro. Doch auch für vermeintlich "kleine" Namen wurde viel Geld ausgegeben. 15 Millionen Euro zahlte Shandong Luneng für Graziano Pelle, Odion Igahlo, damals Watford, ging für mehr als 23 Millionen Euro über den Ladentisch.

Hohe Gehälter bei China-Wechsel als Teil des Problems

Doch nicht nur die Ablösesummen waren hoch, auch die Gehälter. Schnell sprach sich herum, dass in China viel Geld zu verdienen ist. Ausländische Spieler sahen die Chinese Super League folglich nicht als grosse Herausforderung, sondern häufig als Möglichkeit, schnell viel Geld zu verdienen. Das diente natürlich nicht dazu, die Liga nachhaltig zu verbessern.

Sandro Wagner, der selbst für Tianjin Teda spielte, stellte dies im "Kicker meets DAZN"-Podcast klar: "Für mich war immer klar: Nach China ist meine Karriere mehr oder weniger vorbei." Der Stürmer verdeutlichte, dass es für ihn primär darum ging, die finanzielle Absicherung für die Zeit nach der Karriere zu verbessern.

Der chinesische Fussballverband entschloss sich schliesslich 2017 dazu, eine hundertprozentige Gebühr auf Transferzahlungen an ausländische Stars zu erheben. Diese "Strafzahlung" diente bei Wechseln mit einer Ablösesumme von mehr als sechs Millionen Euro dazu, die Nachwuchsarbeit im eigenen Klub zu verbessern und floss in Teilen zurück an den Klub. Der grosse Boom bei jungen chinesischen Spielern blieb aber bis heute aus.

Die aktuelle Lage in der Chinese Super League

Einige Spieler, die das schnelle und grosse Geld suchten, kehrten in den letzten Jahren frühzeitig wieder zurück. Sportlich ist die chinesische Liga weiterhin relativ bedeutungslos, hinzu kommen chaotische Zustände bei der Organisation und enorm lange Reisen in Städte mit teilweise völlig anderen klimatischen Bedingungen. Das Rundumpaket abseits des Geldes ist nicht attraktiv. Vom Glanz vorheriger Jahre ist in China mittlerweile nicht mehr viel übrig. Grosse Transfers, die Schlagzeilen machen, gibt es zurzeit nicht mehr.

Stattdessen machen Negativschlagzeilen die Runde. Der Jiangsu FC, 2020 unter dem Namen Jiangsu Suning FC noch Meister, wurde mittlerweile aufgelöst. Eigentümer des Klubs war der Konzern Suning, dem auch der italienische Topklub Inter gehört. Doch unter anderem die Auswirkungen der Coronapandemie zwangen das Unternehmen dazu, finanziell umzudenken. Ein neuer Eigentümer, der die rund 100 Millionen Euro Schulden hätte übernehmen müssen, konnte nicht gefunden werden.

Schon zuvor stellte Tianjin Tianhai ein warnendes Beispiel dar. Der Ex-Klub von Profis wie Axel Witsel (BVB) und Anthony Modeste (1. FC Köln, derzeit in die Ligue 1 verliehen) musste sich schon 2020 wegen zu hoher Verschuldung aus der Chinese Super League zurückziehen. Zwielichtige Deals, hohe Ablösesummen und Gehälter, weniger mediale Aufmerksamkeit und somit auch weniger Einnahmen als erhofft sorgten im Endeffekt dafür, dass die chinesische Liga ihre Ziele meilenweit verfehlt hat. Die Coronapandemie hat den Prozess, der bereits in vollem Gange war, nur noch einmal beschleunigt.

Chinese Super League: Die Zukunftsaussichten

Dem Ruf der Liga haben die Entwicklungen zuletzt geschadet. Die finanziellen Mittel sind geringer als vor einigen Jahren, sodass es eher unwahrscheinlich ist, dass bekannte Spieler den Weg in die Chinese Super League finden. Eine hohe Strahlkraft erreicht diese Liga folglich nicht, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Wie man eine Fussballliga sukzessive verbessert und attraktiver macht, zeigte die us-amerikanische MLS. Auch hier spielt Geld natürlich eine Rolle, aber die Strukturen sind ganz anders. In den USA wird viel Wert auf das Gesamtpaket gelegt, hinzu kommt eine deutlich bessere Ausbildung der eigenen Jugend.

Die chinesische Regierung hat sich überdies aber das Ziel gesetzt, die Nationalmannschaft nach dem Vorbild zahlreicher olympischer Sportarten auch im Fussball konkurrenzfähig zu machen. Der Weg dorthin ist weit und kann nur gegangen werden, wenn die Nachhaltigkeit stimmt. In kleinsten Teilbereichen müssen Strukturen her, Expertise aus anderen Ländern ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Der chinesische Verband und die chinesische Liga müssen von den "grossen" Fussballnationen lernen. Und tatsächlich haben einige Klubs Kooperationen mit chinesischen Klubs oder Akademien. Dazu zählt auch der FC Bayern, der gleich mehrere Fussballschulen eröffnet hat. Es gibt also durchaus Grund zur Hoffnung, dass sich etwas entwickelt. Nun benötigt Chinas Fussball vor allem etwas, das man in den letzten Jahren nicht hatte: Geduld.

Verwendete Quellen:

  • Transfermarkt: Chinese Super League - Alle Transfers
  • FAZ: Wie Chinas Transfer-Wahnsinn gestoppt werden soll
  • Spox: Sandro Wagner im "kicker meets DAZN"-Podcast
  • The Athletic: Suning’s Chinese Super League collapse and what it means for Inter Milan
  • Transfermarkt: Zu hohe Schulden: Tianjin Tianhai zieht sich aus Chinese Super League zurück
  • FC Bayern: Jugendprogramme in China