Grand-Slam-Sieger, Davis-Cup-Teamchef, Erfolgscoach. Boris Becker hat in seiner Karriere alles erreicht. Trotzdem ist sein Image stets angekratzt. Schuld sind Pannen und Skandale, die ihn oft ins Straucheln brachten. Gefallen ist er aber nie. Die Ernennung zum "Head of Men’s Tennis" wenige Wochen nach seiner vermeintlichen Bankrotterklärung gleicht einmal mehr einer Wiederauferstehung.

Über Boris Becker wurde schon immer viel geschrieben. Zwischen 1984 und 1999 vornehmlich über seine Erfolge auf dem Platz. Über den jüngsten ungesetzten Wimbledon-Champion der Geschichte (17) oder seinen berühmten Becker-Hecht, der bis heute jedem Tennis-Fan ein Begriff ist.

Becker, der Held einer ganzen Generation. Ein Idol. Eine Legende.

Doch da ist auch ein anderer Becker. 1999 liess sich der damals verheiratete Tennis-Star mit dem russischen Model Angela Ermakova ein. Aus der Affäre entstand Tochter Anna. 2001 folgte die Scheidung von Ehefrau Barbara.

Die Verhandlungen um das Sorgerecht für die beiden Kinder verkamen zur Schlammschlacht, wurden live im Fernsehen übertragen. 2002 wurde Becker in München wegen Steuerhinterziehung von rund 1,7 Millionen Euro zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Becker, die Skandalnudel.

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Der neue "Head of Men’s Tennis" beim DTB

Dass Becker trotz all der Negativschlagzeilen um seine Person immer wieder prestigeträchtige Positionen in "seinem" Tennis-Sport bekleidet, ist auf den ersten Blick verwunderlich.

Es offenbart aber auch die grosse Stärke des 50-Jährigen, der es versteht, schlechte Presse abzuschütteln und sich immer wieder neu zu erfinden. Becker, das Stehaufmännchen.

Ein aktuelles Beispiel: Anfang Juli wurde der gebürtige Leimener von einem Londoner Gericht für Bankrott erklärt. Die Medien stürzten sich auf den sechsmaligen Grand-Slam-Sieger. Sein Legendenstatus bröckelte - mal wieder. Becker verschanzte sich, mied öffentliche Termine.

Nun kehrt er als oberster Mann im deutschen Herren-Tennis zurück auf die Bildfläche. Seit Mittwoch ist er "Head of Men’s Tennis" beim DTB - ein Amt, das eigens für ihn geschaffen wurde, und das ihn zum Leiter des männlichen Spitzentennis in Deutschland macht.

"Es ist eine Herzensangelegenheit für mich. Ich liebe diesen Sport, und ich liebe dieses Land. Es freut mich, wieder eine wichtige Aufgabe im deutschen Tennis übernehmen zu dürfen", sagte der mittlerweile leicht ergraute Rotschopf auf der Antritts-Pressekonferenz.

Die Fähigkeit, nach Fehltritten schnell wieder zurück in die Spur zu finden, zeichnet Becker aus. So manch anderer Sportler wäre bei der Menge an kleinen und grossen Skandalen längst von der Bildfläche verschwunden - gerade im Etiketten-Sport Tennis. Becker nicht.

Alles Kopfsache - auch nach der Karriere als Aktiver

In den späten 80ern und frühen 90ern lösten Boris Becker und Steffi Graf durch ihre Erfolge einen bis heute einmaligen Tennis-Hype in Deutschland aus.

Eine ganze Nation sass bei Grossereignissen wie Wimbledon oder den Australian Open vor dem TV-Gerät - egal ob Tag oder Nacht. Becker zehrt noch heute von seinem damaligen Ruhm. Sein Standing als Deutschlands Tennis-Idol Nummer eins ist ungebrochen.

Schon als Spieler bestach Becker durch mentale Stärke, Ehrgeiz und unbändigen Siegeswillen. Eigenschaften, die ihn einst zu einem der besten Spieler seiner Generation machten. Und die er sich, wie es scheint, bis heute bewahrt hat.

Sie helfen ihm, mit Negativschlagzeilen umzugehen, den Blick für den nächsten Schritt nicht aus den Augen zu verlieren. "Ich kenne die Schlagzeilen über mich seit über 30 Jahren. Sie sind fett gedruckt, aber das interessiert mich nicht", versichert Becker glaubwürdig.

Tennis ist zu grossen Teilen Kopfsache, öffentlicher Druck eben auch.

Grosse sportliche Kompetenz

Dass bei der Vergabe wichtiger Positionen im deutschen Tennis immer wieder der Name Becker fällt, dürfte aber in erster Linie mit seiner fachlichen Qualität zu tun haben. "Tennis ist das, was ich am besten kann", so Becker. Und damit liegt er goldrichtig.

Was der Wahl-Londoner im Bezug auf Tennis anfasst, hat Hand und Fuss - und ist meistens von Erfolg gekrönt. So war es als Spieler auf dem Tennisplatz, so war es in der Box von Novak Djokovic.

2013 wurde er, nur wenige Monate nach dem peinlichen Flop seiner Biographie "Das Leben ist kein Spiel", Trainer des damaligen Weltranglistenzweiten.

In drei gemeinsamen Jahren holte der "Djoker"sechs Grand-Slam-Titel und avancierte zur Nummer eins der Welt. Im Dezember 2016 trennten sich die Wege wieder.

Beckers hohe sportliche Kompetenz ist unbestritten. Einen Beweis dafür ist er selten schuldig geblieben.

Auch deshalb hat trotz diverser privater Ausrutscher kein Entscheidungsträger des Tennissports Bedenken, bei der Besetzung der wichtigen Posten auf Boris Becker zurückzugreifen. Tennis kann er eben wirklich am besten.