• Alexander Zverev liefert Rafael Nadal bei den French Open ein Duell auf Augenhöhe, bis eine mutmasslich schwere Verletzung ihn ausbremst.
  • Bruder Mischa Zverev ist sichtlich geschockt und Nadal drückt sein Mitgefühl aus.
  • Doch in einem ersten Statement gibt sich Zverev bereits wieder kämpferisch.

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Die Schreie vom Platz des Court Philippe Chartrier in Paris gingen durch Mark und Bein, sowohl bei den knapp 15.000 Zuschauern im Stadion, als auch bei den Millionen Zusehern vor den TV-Bildschirmen.

Nur einige Sekundenbruchteile vorher war Deutschlands Tennis-Star Alexander Zverev bei seinem Halbfinalmatch gegen Rafael Nadal mit seinem rechten Knöchel umgeknickt und blieb schreiend und weinend am Boden liegen. Die Zeitlupenbilder wurden im TV nur einmal gezeigt, möglicherweise einmal zuviel.

"Sascha weint nie. Nie!", sagte ein sichtlich geschockter Mischa Zverev, älterer Bruder des Deutschen, der die Partie bei "Eurosport" als Experte begleitet hatte. Kontrahent Nadal lief sofort auf die andere Seite des Feldes und erkundigte sich nach dem Befinden seines Gegners, der ihm zuvor in gut drei Stunden einen derart packenden Kampf geliefert hatte, dass noch nicht einmal der zweite Satz vorüber war.

Zverev wird in Rollstuhl aus Stadion gefahren

Doch das spielte in diesem Moment überhaupt keine Rolle mehr. Helfer halfen Zverev vom Boden auf, aber er konnte nicht allein stehen. Ein Rollstuhl wurde hereingefahren und Zverev darin aus dem Stadion gefahren.

Wenig später war klar, was bereits aufgrund von Zverevs Schreien und den furchtbaren Bildern seines Umknickens die einzige Möglichkeit schien: Der 25-Jährige musste das Grand-Slam-Halbfinale aufgeben. Auf Krücken und mit Tränen im Gesicht kam Zverev noch einmal in die Arena, in der er noch vor wenigen Minuten, gemeinsam mit Nadal, für ein Spektakel gesorgt hatte.

Die Zuschauer feierten Zverev mit lauten Sprechchören, dieser gab dem Schiedsrichter die Hand und umarmte seinen spanischen Kontrahenten, der nun den 14. Titel in Paris und seinen 22. Grand-Slam-Titel insgesamt holen kann.

Doch daran wollte Nadal in diesem Moment gar nicht denken, sondern drückte seinem verletzten Gegner im Interview auf dem Platz sein Mitgefühl aus: "Das ist sehr hart für ihn. Das tut mir sehr leid. Er hat unglaubliches Tennis gespielt." Es sei aber im Moment schwer, "Worte zu finden, wenn ich ihn eben noch in der Kabine habe weinen sehen".

French Open
Alexander Zverev wird in einen Rollstuhl getragen, nachdem er sich im Halbfinale gegen Rafael Nadal (r) den Knöchel verletzt hat. Zverev ist bei den French Open in Paris im Halbfinale gegen Nadal von einer Verletzung gestoppt worden.

Zverev liefert Nadal grossen Kampf

Über drei Stunden duellierten sich beide Spieler unter dem Dach des Chartrier und abgesehen von einigen verpassten Chancen und dem einen oder anderen Doppelfehler zuviel, konnte sich Zverev sportlich wenig vorwerfen. Er gab gegen "Paris-Monument" Nadal alles. Dieser forderte ihn im Gegenzug mit einem irrsinnigen Variantenreichtum an Schlägen und Spielweisen, bis kurz vor dem Tie-Break des zweiten Satzes das jähe Ende folgte.

"Es war ein sehr schwieriger Moment für mich auf dem Court. Ein fantastisches Match, aber was dann passiert ist, ist passiert. Es sieht nach einer sehr ernsten Verletzung aus", schrieb der gebürtige Hamburger auf Instagram per Videobotschaft in der Nacht auf Samstag zu Wort.

Für Zverev platzte dadurch erneut der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel, dem der 25-Jährige noch immer hinterherjagt. Diesmal scheiterte er aber nicht an seinen Fehlern oder einem Quäntchen mehr Glück auf der Seite seines Gegners, sondern an einer Verletzung. Der vorübergehende Sprung auf Platz zwei in der Weltrangliste dürfte ihn dabei nur wenig trösten.

Nadal über Zverev: "Wird mehrere Grand-Slam-Turniere gewinnen"

Denn je nach Schwere der Verletzung, eine genaue Diagnose soll wohl am Samstag erfolgen, droht Zverev eine lange Pause inklusive hartem Kampf zurück an die Spitze des Tennis-Sports. Nichts anderes wird sein Ziel sein.

Gerade sein Gegner dürfte dabei Ansporn und Lehrbeispiel zugleich für Zverev sein. Schliesslich wurde dem 36-jährigen Nadal vor Jahren bereits ein Karriereende vor seinem 30. Lebensjahr prognostiziert, zu kraftraubend und zerstörend sei seine Spielweise. Der Spanier ist aber trotz chronischer Fussprobleme noch immer einer der besten Spieler der Welt, beziehungsweise in Paris wohl der Beste, den die Tennis-Welt bislang gesehen hat.

Nadal war es auch, der noch auf dem Platz in aller Öffentlichkeit seinem verletzten Gegner Grosses prognostizierte: "Ich weiss, wie sehr er darum kämpft, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass er nicht nur eins, sondern mehrere gewinnen wird."

Zverev mit Kampfansage in erstem Statement

In diesen für ihn schwierigen Stunden, dürften Nadals Worte ein zusätzlicher Ansporn für Zverev sein, schnellstmöglich wieder auf dem Platz zu stehen und sich mit einem Grand-Slam-Titel für seine Arbeit zu belohnen. Er selbst kündigte ebenfalls bereits an: "Ich komme wieder!"

Die dann folgenden Tränen und Schreie werden hoffentlich ein Leben lang einen Platz in seinen Erinnerungen haben.

Alexander Zverev ist überzeugt: "Carlos Alcaraz wird in Paris noch oft gewinnen"

Alexander Zverev schlägt im Viertelfinale der French Open in Paris den seiner Meinung nach aktuell besten Tennisspieler der Welt. Dem 19-jährigen Carlos Alcaraz gehöre die Zukunft. Das habe Zverev seinem talentierten Widersacher aus Spanien nach einem sehenswerten Vier-Satz-Match mitgegeben: "Du wirst uns alle schlagen, und wir werden keine Chance haben." (Teaserbild: AFP/Anne-Christine Poujoulat) © Eurosport

Verwendete Quellen:

  • TV-Übertragung Eurosport am 3.6.22
  • Instagram-Profi Alexander Zverev
Teaserbild: © dpa / Michel Euler/AP/dpa