• Am Freitag, den 27. November, startet bei Sat.1 zur Primetime die neue Gesangsshow "Pretty in Plüsch".
  • Moderatorin Michelle Hunziker spricht im Interview über ihr Faible für die Muppets und warum sie Unterhaltung als Mission sieht.
  • Die 43-Jährige berichtet auch von ihren Corona-Erfahrungen in Bergamo und wie sie vor genau zehn Jahren den Unfall von Samuel Koch erlebte.

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Frau Hunziker, ist "Pretty in Plüsch" Ihre erste Show mit Puppen?

Michelle Hunziker: Ja, ich habe vorher noch nie mit Puppen gearbeitet. Wobei man sehr schnell vergisst, dass Puppen vor einem stehen, weil es sehr lebhafte Charaktere sind.

Wir haben unglaubliche Puppenspieler, die sie bewegen, dazu die Stimmen von tollen Sängern. Ich denke, das wird einen sehr grossen Wow-Effekt haben. Ausserdem ist es eine Live-Show, da kann alles passieren.

Geht es in der Show um Gesang oder Comedy?

Ich denke, es ist eine gute Mischung aus beidem. Die Promis werden von den Puppen gecoacht, aber nicht genau nach Plan, sondern spontan. Ich lese auch nicht vom Teleprompter ab, sondern improvisiere.

Das kann zu witzigen Situationen führen, denn die Charaktere haben alle eine spezielle Persönlichkeit; sie können mal frech, lustig oder zynisch sein. Ich war früher ein grosser Fan der Muppet-Show – die war aber damals nicht live. Das ändern wir jetzt (lacht).

In Italien moderieren und singen Sie aktuell in der Show "All Together Now" ...

Ja, dort sind die Leute es auch gewohnt, mich singend zu sehen, weil ich eben sehr viel italienische Unterhaltungssendungen moderiere. Ich sehe mich zwar nicht als Sängerin, aber ich bin der Meinung: Ein Entertainer sollte alles können. Ausserdem macht es immer grossen Spass, besonders bei "All Together Now" ist das Singen eine grosse Party.

Ich habe Ausschnitte gesehen, wo Sie gemeinsam mit der italienischen Legende Rita Pavone und sehr vielen Zuschauern gesungen und getanzt haben. Wie ist das möglich, in Corona-Zeiten?

Was Sie gesehen haben, war kein Publikum, sondern unsere 100-köpfige Jury. Diese stimmt über die Kandidaten ab, in dem die Jurymitglieder selbst mitsingen wenn ihnen eine Darbietung gefällt. Die letzte Folge haben wir im September aufgezeichnet, jeder im Studio musste dafür einen Corona-Test machen.

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"Pretty in Plüsch" startet nun ohne Saalpublikum. Ein Problem für Sie?

Nein. Natürlich ist es schön, mit Publikum im Studio zu arbeiten, aber ich habe seit Beginn der Pandemie schon viele Sendungen im italienischen Fernsehen ohne Zuschauer moderiert, inzwischen bin ich das gewohnt.

Da ich auch häufig Videoclips für Instagram und Youtube produziere, kenne ich diese Situation. Manchmal stelle ich mir dann vor, dass die Menschen zu Hause vor dem Fernseher gerade grinsen.

"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, was das Virus anrichten kann"

Sie haben in Bergamo mit die schlimmsten Auswirkungen des Coronavirus sozusagen vor der eigenen Haustür erlebt. Können Sie noch Menschen verstehen, die die Gefahr des Virus anzweifeln?

Nein. Das Virus gibt es, ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, was es anrichten kann und jetzt in der zweiten Welle, sind es hier in Italien bereits wieder etwa 700 Menschen, die jeden Tag daran sterben.

Meine Tochter ist 24, sie war infiziert, hatte viel Husten, es war für sie sehr unangenehm. Deswegen verstehe ich die Leute nicht, die nicht einsehen wollen, dass das Coronavirus gefährlich ist.

Sehen Sie dies im Moment einmal mehr als Ihre Aufgabe, die Menschen aufzumuntern?

Ja, ich würde sagen, Unterhaltung war selten so wichtig wie jetzt. Es geht darum, den Menschen den Abend zu versüssen, dass man mal ein Stündchen über nichts nachdenken muss und vielleicht auch ein bisschen lacht.

Wenn wir es mit der Sendung schaffen, den Menschen das Leben ein kleines bisschen zu erleichtern, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Sie selbst befanden sich Anfang der 2000er Jahre im Kreis einer Sekte, worüber Sie das Buch "Ein scheinbar perfektes Leben" geschrieben haben. Können Sie nachvollziehen, dass sich in der Pandemie manche Menschen in einen Aberglauben, eine andere Realität flüchten?

Ja, das kann passieren. Vielleicht wollen die Menschen dann diese Realität nicht akzeptieren. Natürlich ist die wirtschaftliche Situation ein grosses Problem, auch hier in Italien haben sehr viele Menschen, zum Beispiel in der Gastronomie oder im Tourismus, seit Februar kein Geld mehr verdient.

Viele Unternehmen mussten schliessen, die Situation ist dramatisch. Und dann beginnen einige, an etwas anderes zu glauben, weil sie hoffen, dass das Ganze nur ein schlechter Traum ist. Ja, es ist ein Albtraum, aber leider ein realer. Das müssen wir alle einsehen.

Für mich ist das Wichtigste dabei, immer positiv eingestellt zu bleiben. Auch wenn einen das Distanzwahren und die Unmöglichkeit, einander zu umarmen, traurig machen. Wir müssen es mit so viel Optimismus wie möglich bekämpfen und hoffen, dass es bald vorbei sein wird.

Unfall von Samuel Koch: "Ich stand erst mal unter Schock"

Im Dezember jährt sich ein einschneidendes Ereignis der TV-Geschichte zum zehnten Mal, der Unfall von Samuel Koch bei "Wetten, dass ..?" Was hat dieses Erlebnis für Sie verändert?

Mir hat dieses Ereignis verdeutlicht, dass es im Leben Schicksalsschläge geben kann. Während der Proben haben wir natürlich mehrmals Samuel und seinen Vater gefragt: Seid ihr sicher? Einerseits hatte ich Sorgen, andererseits war es "Wetten, dass ..?", eine Show, die so lange lief und in der immer zu jeder Zeit aufgepasst wurde, dass die Sicherheit gewährleistet ist.

Als es dann passiert ist, waren Thomas Gottschalk und ich nur wenige Meter entfernt und ich stand erst mal unter Schock. Zum Glück war meine Mutter vor Ort, die sich um mich gekümmert hat.

Es war ein Trauma. Aber danach muss man eben auch begreifen, dass so etwas selbst bei einem Handstand passieren kann. Man kann so ein Ereignis in keiner Show vorhersehen – auch im Leben nicht.

"Was Gleichberechtigung angeht, müssen wir noch immer viel kämpfen"

Wie sehen Sie aktuell das italienische und deutsche Fernsehen im Vergleich? Das italienische steht ja eher im Ruf, etwas machohaft zu sein.

Nein, das ist ein sehr altes Klischee. Die TV-Kultur unterscheidet sich vielleicht ein bisschen, weil wir uns in Italien nicht immer ganz so ernst nehmen, andererseits ähneln sich auch viele Formate.

Was ist mit der Sendung "Striscia la notizia"?

Sie meinen, weil darin Showgirls tanzen, die sogenannten "Veline"? Nun, diese Show existiert inzwischen seit 32 Jahren, womit sie übrigens im Guinessbuch der Rekorde steht, als am längsten laufende Satire-Sendung.

Die Show macht sich lustig über Politik und all das, was in Italien nicht funktioniert. Und ja, es gibt diese Tanzeinlagen – die gehören aber schon immer zur Sendung dazu, ich würde daraus nicht schliessen, dass wir Machos sind.

Im Gegenteil, ich sehe im italienischen Unterhaltungsfernsehen inzwischen sehr viel mehr Moderatorinnen als in Deutschland, wo mir spontan nur Barbara Schöneberger einfällt. Ich denke, an dem Punkt liegen wir weiter vorn.

Wie wichtig war es Ihnen, im Verlauf Ihrer Karriere, auch für die Gleichberechtigung von Frauen einzustehen?

Sehr wichtig. Deswegen habe ich auch vor 16 Jahren eine Stiftung für Frauenrechte gegründet, die sich für Frauen engagiert, die Stalking, häusliche oder andere Formen der Gewalt erlebt haben.

Denen versuchen wir psychologisch, zum Teil auch mit Anwälten zu helfen, die Sache zu bewältigen, ebenso haben wir zwei Gesetzesentwürfe auf den Weg gebracht.

Was die Gleichberechtigung angeht, müssen wir noch immer viel kämpfen, doch wir sind in Italien auf einem guten Weg. Frauen verdienen zwar im Schnitt noch immer etwa 30 Prozent weniger als die Männer, aber in den Medien liegt das Bild der Frau inzwischen sehr oft in der Hand von Frauen.

Wir alle sind aufgewacht, Frauen genauso wie Männer. Auch dank #MeToo wurden in den letzten Jahren viele wichtige Diskussionen geführt.

Sie haben ein Musikalbum aufgenommen, Filme gedreht, waren Model, haben Theater gespielt, sind Moderatorin und haben kürzlich Ihren Einstand als Gangster-Rapperin gegeben. Was ist bei all den unterschiedlichen Formen der gemeinsame Nenner?

Mit all den verschiedenen Dingen versuche ich, die Leute möglichst gut zu unterhalten. Für mich ist Unterhaltung schon immer ein Anliegen, eine Mission. Den Leuten eine Leichtigkeit und Positivität in ihr Leben zu bringen, diesen Wunsch habe ich heute stärker denn je.

Welche Vorbilder hatten Sie als Entertainerin?

Ich habe früher mit meinem Vater sehr viele Comedy-Filme geguckt, Louis de Funès zum Beispiel oder Jerry Lewis. Ich habe viel gelacht als Kind. Für mich ist das auch eine Kunst: Jemanden zum Weinen zu bringen, ist viel einfacher, als jemanden zum Lachen bringen.

Durch die verschiedenen Formate hat man auch den Eindruck, dass Sie sehr rastlos sind. Oder könnten Sie auch mal ein halbes Jahr die Beine hochlegen?

Nein, das könnte ich gar nicht. Dafür habe ich zu viele Projekte und Träume, die ich realisieren möchte. Vielleicht einmal in der Zukunft, aber im Moment ist das unvorstellbar. Selbst wenn ich mal für ein paar Tage im Urlaub bin, arbeite ich meistens trotzdem noch an irgendetwas.

Und welches Format werden Sie in Zukunft noch ausprobieren?

Tatsächlich bereite ich gerade meine erste eigene Personality-Sendung für das italienische Fernsehen vor. Das ist meine One-Woman-Show, die ich immer schon machen wollte. Dafür habe ich mir ein wunderbares Team zusammengestellt, sie wird zur Primetime laufen – nur wie die Show heissen wird, das weiss ich noch nicht.

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Diego Maradonas plötzlicher Tod holt in seinen argentinischen Landsleuten, in Mit- und Gegenspielern durch die Bank beglückende Momente und Erinnerungen hoch. Milans späterer Star Demetrio Albertini hatte das Vergnügen, als 17-jähriger Debütant auf die Legende zu treffen. (Teaserbild: Fernando Oduber / imago images / PanoramiC) © ProSiebenSat.1
Teaserbild: © SAT.1 / Julian Essink