Sie drehten sich durch den "Fleischwolf", klebten an der "Fliegenklatsche" und segelten allgemein drei Viertel der Sendezeit durch die Gegend: 32 Promis, darunter Sportler, Schauspieler und grosse Influencer vor dem Herrn, stellten sich in den Dienst der guten Sache und überprüften ihre Herzleistung auf anspruchsvollen Parcours.

Eine Kritik
von Bodo Klarsfeld

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Für den guten Zweck grosse Sprünge machen: Das ist das Konzept hinter der Promi-Ausgabe der RTL-Show "Big Bounce – Die Trampolin Show". Wobei man natürlich das Wort "Promi" schon zwischen zwei Gänsefüsschen packen muss. Denn wer weder Sport-affin, noch Freund von Reality-Formaten und Seifenopern ist, könnte angesichts der Teilnehmer-Namen schon denken, die letzten Jahre irgendwie durchgeschlafen zu haben. Von Leuten wie dem Ex-Profischwimmer Thomas Rupprath, Ex-Leichtathlet Frank Busemann oder Wasserspringer Sascha Klein sollte man prinzipiell aber schon zumindest gehört haben. Wer sich die Formate "Bachelor", "Alles, was zählt" oder "DSDS" regelmässig reinzieht oder sich auf "Instagram" ab und an Schmink- und Modetipps holt, durfte sich gestern über weitere bekannte Gesichter freuen.

Grosse Sprünge in der Hüpfburg für Fortgeschrittene

Worum ging’s eigentlich? Jeweils zwei der 32 "Promis" mussten in der ersten Runde in Duellen gegeneinander antreten. Dabei galt es, einen wirklich anstrengenden Hindernisparcours so rasch wie möglich zu überwinden, an dessen Ende ein Buzzer gedrückt werden musste. In der zweiten Runde konnten die 16 Vorrunden-Gewinner dann zusätzliche Moneten für den guten Zweck im Zuge eines Taktik- und Hochparcours erspringen. Die zwei Sieger dieser Runde dürfen dann im grossen Finale, dem "Big Bounce", gegeneinander um den Sieg jumpen. Insgesamt 100.000 Euro konnten so für Kinderhilfswerke ersprungen werden. Moderiert wurde das mehr oder weniger prominente Gehopse von Matthias Opdenhövel und Wollf-Christoph Fuss, die schon die vorigen Ausgaben der Sendung mit zugetextet hatten.

Erste Erkenntnis: Zuhause ist es ja doch am Schönsten

Als die Sternchen mit ihrer grossen Flugshow loslegten, kam man als Couch-Potato mal zu folgendem Befund: Es ist schon schön, dass man hier selbst nicht mitmachen muss und sich stattdessen gemütlich eine Tüte Chips und eine Cola reinknallen kann. Denn der Vorrunden-Parcours war schon beim Zusehen nicht unanstrengend. Wenig verwunderlich also, dass sich selbst die Pumpen der aktiven und einstigen Sportler schon nach wenigen Metern in den roten Bereich vorarbeiteten. Hindernisse wie der "Fleischwolf", "Hängende Rolle" oder die "Pilzwiese" machten allen Kandidaten das Leben schwer. Aber was tut man nicht alles für einen guten Zweck?

Jede Menge Youngsters flogen ebenso durch das fette Studio

Auch die teilnehmenden Youngsters wie etwa die 13-jährigen Schauspieler-Zwillinge Rosa und Laila Meinecke, die ebenfalls 13-jährige Musikerin und Schauspielerin Allegra Tinnefeld oder die 17 Jahre alte "DSDS"-Gewinnerin Marie Wegner hatten mächtig Spass auf den Trampolinen. Dass es die "Minitramps" – auch der 11-jährige Mime Ben Ole Knobbe, der nicht viel grösser als eine durchschnittliche Blumenvase ist – ob ihrer körperlichen Dimension nicht immer ganz leicht hatten, ist klar. Aber sie schlugen sich grossartig.

Nicht ganz leicht hatte man es in der Vorrunde auch als Zuschauer, schliesslich musste man sich durch 16 Duelle wuchten, die definitiv ihre Längen hatten. Aber da es um die gute Sache ging, durfte es schon auch ein bisserl fad sein. Opdenhövel und Fuss gaben sich auch wirklich Mühe, uns vor den TV-Geräten bei der Stange zu halten. Sie quasselten sich den Mund fusselig.

Deutschland: Kein Fachkräftemangel bei Influencern

Echten Respekt nötigten einem auch die Berufe mancher Teilnehmer ab. "DSDS"-Sternchen Kim Gloss etwa mache heute "viele Outfit-Fotos" und sei "Influencerin auf Youtube". Auch Tänzerin Ivana Santacruz kennt man (natürlich!) von Instagram. Sie sorgt dort für Fitness-Content und Tanzvideos. Ex-"Bachelor" Sebastian Pannek ist heute ebenso erfolgreicher Influencer. Immer schon vor die Kameras wiederum wollte Julian Evangelos, ehemaliger Kandidat der in Deutschland weltbekannten (sic!) "RTL2"-Dating-Show "Love Island. "Ein "langweiliger Lernstudent" sei er gewesen, erzählte Evangelos. Und fuhr fort: "Und dann lag ich irgendwann im Bett und dachte, das könne es nicht gewesen sein. Ich bin für Höheres berufen". Gestern noch im Bett, heute bereits auf dem 5-Meter-Turm von "Big Bounce – Die Trampolin Show". Läuft doch.
Drei Jump-Giganten und einer, der’s mit der Taktik nicht so hat
Regelrecht über den Parcours der Vorrunde flogen Wasserspringer Sascha Klein, Ex-Stabhochspringer Danny Ecker sowie der deutsch-italienischer Popsänger Matteo Markus Bok. Sie kristallisierten sich zu diesem Zeitpunkt als echte Kandidaten für den "Big Bounce" heraus. Zunächst mussten in der zweiten Runde aber noch der einigermassen leichte Taktikparcours, an dem lediglich "Alles was zählt"-Schauspieler Igor Dolgatschew scheiterte, und der schwierigere Hochparcours mit seinen fetten Hindernissen absolviert werden – etwa die "Riesenhantel", die "Fliegenklatsche" oder die "Schwebenden Trampoline", deren erfolgreiche Überwindung dem guten Zweck jeweils weitere 500 Euro bescherten.

RTL kürzte plötzlich, die Hindernisse wurden gefinkelter

Dass "RTL" in der zweiten Runde plötzlich damit begann, die Performances gewisser Kandidaten zu schneiden, also nur mehr deren Highlights zu bringen, mutete nach der vollständig übertragenen und zum Teil wenig spannenden Vorrunde etwas eigenartig an. "Unter uns"-Mime Timothy Boldt war es dann, der als erster den schwierigen Parcours meisterte und an dessen Ende den Buzzer drückte. Die meisten scheiterten zuvor an der spektakulären "Fliegenklatsche" oder der tückischen "Fliegenden Treppe". Ins Finale, also in den "Big Bounce", jumpten dann aber mit Sascha Klein und Danny Ecker zwei, die sich schon in der Vorrunde auszeichnen konnten. Vor allem Klein beeindruckte mit seiner Performance.

"Big Bounce": Wer springt die Schlucht am schnellsten nach oben?

Finale also. "Das hier ist megaanstrengend", schraubte Moderator Fuss unsere Erwartungen in die Höhe. Für die Stabhochspringer Danny Ecker und Wasserspringer Sascha Klein galt es jetzt, einen acht Meter hohen Turm zu bezwingen. Wobei der Turm eher einer engen Schlucht zwischen zwei Trampolinwänden glich, die man Sprung für Sprung hochjumpen musste. Klein, dessen Gipfelsturm lediglich 25 Sekunden dauerte, ging als Sieger von "Big Bounce – Die Trampolin Show", dem finalen Duell, hervor. Dass das Finale dramaturgisch wenig hergab, da es eben nur so kurz dauerte und im Vergleich zur aufgeblasenen Vorrunde viel zu minimalistisch ausfiel, darf man kritisieren. Ein ultimativer Mörderparcours, bei dem man den Puls der Protagonisten noch ein letztes Mal an seine Grenzen bringt, hätte dem Format nicht geschadet. Aber gut, wichtig ist, dass sich in Bälde einige Kinderhilfswerke über satte Kohle freuen dürfen, nämlich über exakt 74.000 Euro. Und genau darum ging es an diesem Abend.

"Temptation Island". Insel der Versuchung. So bewirbt RTL seine neue Show. Doch bislang muss der Zuschauer lediglich der Versuchung widerstehen, umzuschalten.