• Viel Erbrochenes, wenig Drama: Es läuft noch nicht so richtig im Dschungelcamp.
  • Denn nicht nur die Moderatoren wirken ein wenig eingerostet; den Machern gehen seit Jahren die Prominenten aus.
  • Die Quoten sind im Gegensatz zum Inhalt völlig in Ordnung.
Eine Kritik
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Da ist es also wieder, das Dschungelcamp. Und irgendwie ist alles so wie immer. Gut, in diesem Jahr wird sich in Südafrika statt in Australien übergeben, aber auf die Vegatation im Hintergrund achtet bei der Grossaufnahme des würgenden Promis sowieso niemand. Die Teilnehmer fügen sich ordentlich in ihre Schubladen ein, in die sie gecastet wurden. Personenschützer Peter Althof ist der alte Herr mit Altherrenwitz, Schauspielerin Anouschka Renzi und "Bachelor"-Altlast Linda Nobat versuchen sich als Dschungel-Zicken. Kuppel-TV-Profi Filip Pavlovic und Dieter Bohlens "Teppichluder" Janina Youssefian wollen in die treudoofen Fussstapfen von Joey Heindle treten.

Trotzdem ist nach der Auftaktfolge klar: So richtig läuft es noch nicht bei "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" Die Aufzählung der Namen samt ratlosem "Wer?" zeigt eindrucksvoll, dass dem "Dschungelcamp" seit Jahren die Prominenten ausgehen. Mittlerweile reicht schon die Teilnahme an einer Kuppel- und Fummelshow in RTLs Streaming-Angebot für ein Ticket ins Dschungelcamp. Zu wenig "Hochkaräter" wachsen nach und die, die es bereits gibt, lagen schon einmal im Kakerlaken-Sarg.

Dschungelcamp: Nach Harald Glööckler kommt lange nichts

Der einzige, der aus diesem Muster irgendwie herausfällt, ist Harald Glööckler, der bereits 2010 angefragt wurde und erst eine Pandemie und zwei Jahre Nichtbeachtung brauchte, um sich zur Teilnahme bewegen zu lassen: "Du sitzt zu Hause und findest nicht statt", beklagt er sich in der Auftaktfolge. Jetzt findet er wieder statt. Der Preis: ein Kundu-Penis im Mund und eine Gage von mindestens 250.000 Euro - heisst es jedenfalls. Eine Gage, mehr als doppelt so hoch wie bei allen anderen zehn Teilnehmern.

Moderator Daniel Hartwich überspielt das mit einem Witz: "22 Prozent der Deutschen kennen keinen der Kandidaten des diesjährigen Dschungelcamps. Das ist der niedrigste Wert, den wir jemals hatten." Es ist einer der wenigen Gags, die sitzen an diesem Abend. Auch die Moderatoren und deren Gagschreiber sind sichtlich eingerostet. Die meisten Witze sind selbst mit dem Mikroskop kaum zu erkennen.

Die Shows von RTL stecken in der Krise

Dabei ging es doch so gut los. Schon vor Wochen sorgte der erste Skandal für Grundaufmerksamkeit. Kandidatin Christin Okpara wurde bei der Einreise nach Südafrika mit einem vermutlich gefälschten Impfausweis erwischt. Aktuell ermittelt die Polizei gegen sie. Wenig später die Nachricht: Lucas Cordalis ist zum Auftakt der Show ebenfalls nicht dabei. Er wurde positiv auf COVID-19 getestet. Es geht ihm gut; ob er irgendwann noch in die Show nachrücken wird, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.

Der Druck auf "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ist auf jeden Fall gross. Die Sendung ist der letzte grosse Strassenfeger des Senders. Einstige Quoten-Garanten aus Köln sind irgendwo im Mittelmass gelandet. Der Abgang von Dieter Bohlen war mehr als fällig, aber die Einschaltquoten zeigen, dass er für "Deutschland sucht den Superstar" und "Das Supertalent" wohl so etwas ist, wie Thomas Gottschalk für "Wetten, dass …?"- ohne ihn funktionieren die Shows nicht. Das wird wahrscheinlich auch Senioren-Schwarm Florian Silbereisen nicht ändern können.

Von neuen alten Formaten distanzieren sich sogar die eigenen Mitarbeiter. Die Rückkehr des TV-Krawall-Klassikers "Der heisse Stuhl" in einem "Stern TV"-Ableger geriet so desaströs, dass Redakteure des Magazins nach Ausstrahlung dagegen rebellierten. Fatal, wo RTL gerade erst mit dem zuständigen Gruner + Jahr Verlag fusionierte.

Gute Quoten, hoher Ekelfaktor

Nach Folge eins kann RTL zumindest aufatmen: Der Marktanteil lag bei 21,7 Prozent, 35 Prozent in der besonders relevanten Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren. Viereinhalb Millionen Menschen sahen zu. Das ist nicht so gut wie bei der letzten regulären Staffel, könnte aber auch daran liegen, dass sich die Live-Show bis weit nach Mitternacht erstreckte. Die inhaltliche Schwäche überdeckt das natürlich nicht. Die Lösung bisher: das bisher fehlende menschliche Drama mit einer Extraportion Ekel ausgleichen.

Der war aber nie entscheidend für den Erfolg von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". Das eigentliche Geschehen spielt sich am Lagerfeuer zwischen den Kandidatinnen und Kandidaten ab. Das lässt bisher noch auf sich warten. Stattdessen streiten sich die Insassen um Handtücher und Tofu. Die Hoffnung des Senders: Die strenge Reis- und Bohnen-Diät wird es in den nächsten Tagen die Nerven schon blank liegen lassen. Na dann, guten Appetit!

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Janina Youssefian
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