In einer Sondersendung stellten sich die "Löwen" den Fragen von Gründern. Sie wollen in Zeiten von Corona Zuversicht und Optimismus verbreiten. Das fällt nicht allen leicht.

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus sind verheerend. Vor grossen Herausforderungen stehen insbesondere Gründer und Unternehmer. Diese konnten nun dem VOX-Business-Experten aus der "Höhle der Löwen" die Fragen stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Dabei waren alle sieben "Löwen" gleichzeitig im Studio - allerdings virtuell per Monitor. Die fünf Sitzplätze blieben leer. Ein deprimierender Anblick. Doch trotz der schweren Lage, die auch die Investoren selbst mehr oder weniger hart trifft, versuchten sie, Zuversicht zu vermitteln.

"Löwin" Dagmar Wöhrl: "Es ist die totale Katastrophe"

Das fiel Dagmar Wöhrl sichtlich am schwersten. "Es ist die totale Katastrophe", erklärte die Familienunternehmerin, deren Kaufhäuser, Hotels und Restaurants derzeit geschlossen sind. "Der Umsatz ist auf null. Das kann auch nicht aufgeholt werden", verriet sie Moderator Amiaz Habtu sowie Tanit Koch, Geschäftsführerin von ntv und Chefredakteurin der Zentralredaktion von RTL. Dabei mache Wöhrl vor allem das Schicksal der unzähligen Mitarbeiter zu schaffen. "Der Grossteil ist in Kurzarbeit. Die Branche wird es nicht mehr lange durchhalten."

Gerade in der Kurzarbeit sieht die ehemalige Bundestagsabgeordnete jedoch grosses Potenzial. Dadurch liessen sich Entlassungswellen vermeiden. Aufgrund des Fachkräftemangels, den es auch nach der Coronakrise weiterhin geben wird, sollten Firmen auf jeden Fall versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Allerdings ist sie sich auch bewusst, dass 60 Prozent des Einkommens bei einigen einfach nicht ausreichen werden. Hier empfahl Wöhrl Aufstocken durch Zusatzarbeit. Auf Portalen wie aushilfjobs.de seien noch einige Stellen zu finden.

Miete - eine "ethische Frage"

Tech-Unternehmer Frank Thelen hatte einen weiteren Tipp: Programmierer, Entwickler, Designer und Co. sollten Agenturdienstleistungen für Unternehmen anbieten, denen es gerade gut geht. Das ist zum Beispiel die Lebensmittel-Branche. "Der Food Family geht es besser denn je", verriet Thelen, denn die Nachfrage nach Lebensmitteln ist gerade besonders gross. "Es gibt auch Gewinner in der Krise." Daher werde bei Online-Shops gerade auch viel eingestellt.

Ein Beispiel für den Online-Boom: Das Hamburger Start-up "Ankerkraut", das Gewürze vertreibt, musste zwar seine drei Stores schliessen, was 100.000 Euro Umsatzeinbussen im Monat bedeutet, die Bestellmengen im Online-Geschäft hätten sich jedoch verdoppelt. Daher könne man die Jahresziele wohl doch noch erreichen.

Andreas aus Münster, der eine Snackbar eröffnet hat, kann nicht auf Online-Vertrieb umschwenken. Er soll nun 8.100 Euro Miete für sein Geschäft zahlen - bei null Einnahmen. Was raten ihm die "Löwen"?

Das Thema "Mieten" ist für Frank Thelen eine "ethische Frage". Es gibt zwar die Möglichkeit, Mieten zu stunden. Doch eine nicht gezahlte Miete treffe wiederum den Vermieter. "Man sollte immer darauf schauen, wo ist es nachvollziehbar und fair, die Miete nicht zu zahlen", forderte Thelen. "Beide wollen langfristig zusammenarbeiten!" So empfahl er auch: "Sprich mit dem Vermieter! Man sollte nicht immer alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen."

Und wie geht es jetzt weiter?

"Ich beneide die Politiker nicht um ihre Gesamtverantwortung", gestand Milliardär Carsten Maschmeyer. Man müsse aufpassen, nun keinen Arbeitslosigkeits- und Pleitevirus zu kreieren. Unter dem Motto: "Medizinisch ist alles gut verlaufen. Aber der Patient ist danach verhungert", erklärte er gewohnt wortgewandt.

Ein weiterer "echter Maschmeyer": "Sich jetzt kaputt zu sparen, ist, wie aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen." Bedeutet: Unternehmer sollten sich jetzt auf das konzentrieren, was möglich ist: "Grenzenloses Denken für neue Geschäftsmodelle!" Und: für Bestandskunden da sein. "Die Coronakrise zerstört die Gegenwart. Passen Sie auf, dass sie nicht noch die Zukunft zerstört!"

In dieses Horn stiess auch Judith Williams. Man müsse alle Kreativität mobilisieren, um die Kunden zu erreichen. Sie selbst sei etwa mit einer Beratungssendung aus dem eigenen Badezimmer erfolgreich gewesen. "Aus jeder Krise kann man etwas lernen", erklärte Williams. "Krisen sind immer schmerzhaft, aber extrem lehrreich für uns alle." Die richtigen Fragen seien nun: Wie kann uns die Krise vorwärtsbringen? Wo haben wir noch Wachstumspotenziale?

Und so gab es auch zu der Abschlussfrage - "Soll man in der Krise gründen?" - ein eindeutiges, siebenfaches "Ja, definitiv!" Die Gründerin Anna freute es: "Die Einladung für die Eröffnungsparty folgt."