"Schlag den Star", das können packende Spiele, erbitterte Feindschaften und kurzweilige Unterhaltung sein. Oder aber auch lahme Wettkämpfe, öde Witze und eine langatmige Show. Das jüngste Duell am Samstagabend zwischen den Schauspielern Axel Stein und Tom Beck war weder das eine noch das andere.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Natürlich kann ProSieben bei seinen "Schlag den Star"-Duellen nicht jeden haben, den man vielleicht haben möchte. Es gibt Beschränkungen bei Gage, Verfügbarkeit, Grad der Prominenz und noch vielem mehr. Und auch der Zeitpunkt der Produktion spielt eine Rolle, denn manchmal sind bestimmte Duelle auch nur eine bestimmte Zeit lang interessant. Aktuell wäre zum Beispiel ein Wettstreit zwischen Oliver und Amira Pocher reizvoll – aber das müssen die beiden natürlich auch wollen.

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Dann gibt es natürlich noch Duelle, die sich die Zuschauer ganz generell und immer wieder wünschen. Am beliebtesten scheint bei X (ehemals Twitter) ein Kampf zwischen Matthias Opdenhövel und Steven Gätjen zu sein oder auch das Duell Joko Winterscheidt gegen Klaas Heufer-Umlauf. Auch einem Wettstreit zwischen Dieter Bohlen und Thomas Anders wäre der ein oder andere nicht abgeneigt, genauso wie einem Duell zwischen Stefan Raab und Elton.

„Schlag den Star“: Wo gehobelt wird, …

Das jüngste Duell am Samstagabend zwischen Axel Stein und Tom Beck verspricht hingegen erst einmal keinen besonderen Wettkampf-Esprit, sind die beiden Schauspieler doch seit Jahren befreundet. ProSieben versucht im Vorfeld bei X trotzdem ein bisschen Spannung herbei zu reden: "Zwischen diese beiden passt kein Blatt Papier. Bisher! Tom Beck und Axel Stein sind seit Jahrzehnten befreundet. Wird #SchlagDenStar morgen etwas daran etwas ändern?"

Elton, Stein und Beck
Freunde helfen sich auch in Wettbewerbssituationen, wie hier Tom Beck (r.) und Axel Stein (M.) bei der jüngsten "Schlag den Star"-Folge. © ProSieben/Willi Weber

Auch Elton redet in seinen ersten Sätzen des Abends von einem "Championsduell" mit "zwei superstarken Kandidaten". Woher er das bereits vor dem Duell wissen will? Stein und Beck haben bereits bei "Schlag den Star" mitgemacht und jeweils ihre Wettkämpfe gewonnen. Stein seinerzeit gegen Michael Wendler und Beck war sogar zweimal Sieger, einmal gegen einen "Normalo"-Kandidaten und einmal gegen Daniel Aminati. Auch diesmal zeigen die beiden Schauspieler vom Start weg Ehrgeiz: "Ich will dem ja auch nichts schenken", meint Stein, Beck kann es sogar ein bisschen humorvoller: "Wenn Axel Stein ist, dann bin ich Papier."

Und so geht er los, der Kampf um 100.000 Euro und wie immer und logischerweise mit Spiel 1. Hier müssen die beiden Promis mit Hobeln in vier Minuten möglichst viel Späne aus einem Balken herausholen. Wer mehr schafft, gewinnt. "Wie viele Balken habt ihr denn?", scherzt Stein, vier Minuten später ist ihm nicht mehr zum Lachen zumute. Nicht etwa, weil er verloren hätte, sondern weil die Hobelei doch recht anstrengend war: "Wegen mir können wir hier aufhören", ringt Stein nach dem Spiel nach Luft. Der erste Punkt des Abends geht also an Axel Stein, Tom Beck hadert derweil mit dem Hobel: "Das war total verstopft, da ging nichts mehr."

Axel Stein gegen Tom Beck – ein „Championsduell“?

Weiter geht es mit einem Spiel, das bei "Schlag den Star" zwar neu ist, aber dem gängigen Sportarten-Mix folgt, den man von der Show kennt. Diesmal ist es nicht Fussball-Tennis, Fussball-Minigolf oder Eis-Rad-Rennen, sondern Tennis-Bowling. Das ist genauso selbsterklärend wie schnell vorbei, denn Beck lässt Stein keine Chance. Eine Seltenheit an diesem Abend, denn in der Regel hat Stein zumindest anfangs die Nase bei den Spielen vorne. Nach knapp zwei Stunden führt Stein mit 22:6, Beck hat bis dahin nur zwei von sieben Spielen gewonnen.

Bei denen bewegt man sich im bekannten Rahmen: "Torwandschiessen auf Höhe", wie es Elton umschreibt, Länder-Puzzle, Blamieren oder kassieren, Kopfüber werfen oder ein Buggy-Wettrennen. Bei dem kommt es auch zu einem der wenigen spektakulären Momente des Abends. Als Beck mit dem Mute der Verzweiflung am Ende seiner Runde noch einmal kräftig aufs Gaspedal tritt, schiesst er im wahrsten Sinne des Wortes übers Ziel hinaus und landet mit seinem Buggy auf dem Begrenzungserdwall. "Das erinnert doch an gute alte Stockcar-Zeiten", glaubt Kommentator Ron Ringguth. Immerhin gewinnt Beck – auch dank dieser Aktion – am Ende das Wettrennen.

Der Einsatz stimmt also, aber was ist mit dem versprochenen "Championsduell"? Nun ja, im Grunde ist die Ausgabe mit Stein und Beck eine "Schlag den Star"-Ausgabe wie jede andere. Viel Regel-Erklärerei, eine Spannungskurve mit einigen Hängerchen und hier und da nicht ganz fair gegenüber den Kandidaten. Zum Beispiel, als Kommentator Ringguth bei einem Rückstand von Axel Stein das Studiopublikum bittet: "Jetzt feuern wir Axel alle nochmal an!"

Vier Gläser, ein Zupfer, 100.000 Euro

Und wie steht es um die Freundschaft der beiden? Wurde die beiseite gelegt, wie von ProSieben vorab gemutmasst? Natürlich nicht. Das wäre schon eine merkwürdige Freundschaft, wenn sie durch eine Partie "Schlag den Star" in die Brüche ginge. Auf der anderen Seite: Es wurden Menschen schon wegen weniger Geld zu Feinden. Nicht aber bei Stein und Beck. Die sind zwar mit Ehrgeiz und Engagement bei der Sache – allerdings auch mit Fairplay.

Zum Beispiel beim dritten Spiel. Da müssen die beiden Promis Filmplakate erkennen und hier passt Moderator Elton nicht richtig auf. Stein antwortet nämlich „Oppenheimer“, Elton versteht aber nur „Oppenheim“ und will die Antwort eigentlich nicht gelten lassen. Da geht Beck dazwischen und unterstützt seinen Kontrahenten. Der revanchiert sich umgehend, denn Beck glaubt, dass ihm das Filmplakat auf seiner Seite des Pults gar nicht angezeigt wurde. Da zeigt sich Stein generös, würde in einem solchen Fall auf seinen Punkt verzichten.

Trotz dieser Fairplay-Gesten lassen die beiden noch Raum für die eine oder andere Frotzelei, für die ganz grosse Unterhaltung reicht das aber nicht. Und so wird es am Ende kein „Championsduell“, sondern einfach eine Ausgabe „Schlag den Star“. Und bei der startet Tom Beck nach seinem Buggy-Coup eine beeindruckende Aufholjagd.

An deren Ende steht um 0.40 Uhr das erste Matchball-Spiel des Abends. Stein und Beck müssen unabhängig voneinander schätzen, unter wie vielen Gläsern sie eine Tischdecke ohne Glasschaden herausziehen können. Wer mehr Gläser schafft, gewinnt – und das ist in diesem Fall Axel Stein. Um 1.13 Uhr macht Stein den entscheidenden 100.000-Euro-Zupfer und zieht die Tischdecke unfallfrei unter vier Schnaps-Gläsern heraus.

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