Mit "B:Real" versucht RTLzwei seit Montagnachmittag nun immer wochentags um 17:05 Uhr sein Glück mit einer Mischung aus Homestory und "Berlin – Tag & Nacht". Mit dabei sind die üblichen Trash-TV-Gesichter wie Melody Haase, Kader Loth oder Eric Sindermann und am Ende steht die Frage: Was soll das Ganze eigentlich?

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Es beginnt mit einer Schwindelei. "B:Real – Echte Promis, echtes Leben" heisst die neue Dokusoap von RTLzwei und bereits beim ersten "echt" kommen Zweifel auf. Vielmehr kämen sie auf, wüsste man nicht, wie beliebig das Wort "Promi" inzwischen verwendet wird. Da ist jeder gleich ein Star, nur weil er bei den zahllosen Knutsch-und-Knatter-Formaten am lautesten gegrölt und sich so für weitere Trash-TV-Shows empfohlen hat.

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Und so stellt RTLzwei bereits nach wenigen Sekunden von Folge eins klar, mit wem man die nun folgenden 45 Minuten verbringen wird: "Wir begleiten das Who's who der deutschen Reality-Szene." Nein, hier wird niemand dabei sein, der bei "Wetten, dass ..?" auf der Couch sitzt, RTLzwei greift in puncto Prominenz ein paar Regalbretter tiefer.

Aus gutem Grund, denn erstens muss der Sender die Erwartungen seines Publikums erfüllen, zum anderen dürften echte Stars einen anderen Anspruch an sich und ihre Privatsphäre haben. Denn wie der Off-Sprecher weiter erklärt, geht es bei "B:Real" um Folgendes: "Unsere Kameras laufen 24/7 auch in den privatesten Momenten der Stars mit. 'B:Real – Echte Promis, echtes Leben'."

Kader Loth oder Angela Merkel?

Auf echte Promis im früheren Verständnis des Wortes muss der Zuschauer also verzichten und was sich RTLzwei unter echtem Leben vorstellt, zeigt gleich die erste Szene. "Kader, sitzt du auf der Toilette?", fragt Ismet Atli seine Lebensgefährtin, als er mit zwei Tassen Kaffee an der Badezimmertür klopft. "Nein, was ist?", kommt es aus dem Inneren und da steht sie auch schon, Reality-TV-Veteranin Kader Loth, und begrüsst mässig überrascht das Kamerateam in ihrer Wohnung.

Es soll also um Einblicke in Privates gehen bei "B:Real" und die neue Dokusoap beginnt wie eine gewöhnliche Homestory. Kader Loth führt durch die Zimmer und pflegt ihr Image, als sie sich wundert, dass sie sich selbst in Formaten wie diesem noch vorstellen muss: "Ich bin ja so bekannt wie die Mutter Theresa oder wie unsere Ex-Bundeskanzlerin", ordnet sich Loth in die Grössen der Weltgeschichte ein.

In der Küche angekommen, erklärt die Dame des Hauses dann, wer sie nicht ist: "Eine grosse Köchin bin ich nicht. Dafür muss man sich aber auch nicht schämen. Sehe ich wie eine Köchin aus? Ich bitte euch!", bittet Loth und mit "euch" ist das Kamera-Team gemeint, das besagte 24/7 um Kader und Co. herumscharwenzelt und die Story mit hörbaren Fragen am Laufen hält. Echtes Leben muss offenbar geleitet werden.

Eric Sindermann will sich von anderer Seite zeigen – ist klar

Da wundert es nicht, dass die "echten Promis" zu beweisen versuchen, dass ihr "echtes Leben" auch so echt ist, wie es von RTLzwei versprochen wurde. Zum Beispiel an der nächsten Haltestelle der Dokusoap, der WG von Melody Haase, Arielle Rippegather und Sanja Alena. Dort bereitet Haase ein paar Häppchen für den Herrenbesuch vor, als es aus dem Toaster qualmt.

Haase und Rippegather stellen sich bei den "Löscharbeiten" ein wenig unbeholfen an, weshalb sich Haase zu einem Statement gezwungen fühlt: "Ich glaube, man denkt im Fernsehen, wir haben uns das alles ausgedacht. Nee, Arielle und ich sind leider so schlecht im Toast machen und es ging leider wirklich der Feuermelder an."

Auf diese Weise werden nach und nach die weiteren Charaktere eingeführt. Der erwartete Herrenbesuch entpuppt sich als Eva-Benetatou-Ex Chris Broy und "Temptation Island"-Darsteller Diogo Sangre. Im Anschluss geht es rüber zu Eric Sindermann, der "sich bei 'B:Real' von einer neuen Seite zeigen" will.

Das geht aber bereits in seiner ersten Szene schief, als er dem Kamerateam nur mit einer Zahnbürste bekleidet die Tür öffnet. Nach den Gesprächen mit seiner Freundin Sanja Alena erscheint es dann gar nicht so überraschend, als Sindermann über sich selbst sagt: "Ich sollte öfter mal den Mund halten und nicht einfach nur rausknallen."

"B:Real" oder: Was soll das Ganze eigentlich?

All diese Episödchen dienen dazu, die Hauptdarsteller von "B:Real" einzuführen, damit dann am Ende alles auf der Party seinen Höhepunkt erreicht, die die gemeinsame Bekannte, Xenia, Prinzessin von Sachsen und ebenfalls Trash-TV-Hopperin, am Abend ausrichtet. Bis dahin und vor allem dort ist "B:Real" eine Sammlung aus Banalitäten und dem üblichen Trash-TV-Gezeter.

Isi sucht sein braunes Hemd mit den weissen Streifen, Melody Haase flirtet mit Diogo Sangre, zwischen Xenia und Melody herrscht dicke Luft und bei Eric Sindermann und seiner Sanja Alena gibt es ein kleines Eifersuchtsdrama. So weit, so "Berlin – Tag & Nacht", nur einmal wagt sich "B:Real" an ein bisschen Ernsthaftigkeit.

Dann nämlich, als Kader Loth von ihrem Kinderwunsch erzählt, von ihrer Endometriose-Diagnose, der Gebärmuter-Entfernung und der anschliessenden Depression. Doch auch hier wird das bisschen Echtheit gleich wieder von Streit abgelöst, weil Loth heimlich einen Adoptionsexperten engagiert hat, was ihren Partner Isi verärgert.

Spätestens hier fragt man sich, was das Ganze eigentlich soll. Folge eins jedenfalls hat weniger etwas mit "echtem Leben" zu tun, als vielmehr mit einer ins Fernsehen ausgeuferten Instagram-Story. Das liegt nicht nur an den szenischen Lebens-Häppchen, sondern vor allem am Hintergrund der Hauptdarsteller. Denn deren Beruf ist es eben, passende Ausschnitte aus ihrem Leben zu präsentieren und ihre Image-Nische in der Reality-TV-Welt zu pflegen. Aber Reality ist eben etwas anderes als Realität.

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