Langsam lichten sich die Reihen im Club der guten Laune (CDGL). Nicht nur die Quoten erinnern stabil an das leere Olympiastadion Berlin, in dem sich irgendwo im Oberring drei Touristen verirrt haben. Nein, auch die Liegestühle am Pool müssen nicht mehr in alter deutscher Urlaubstradition frühmorgendlich mit Badehandtüchern inoffiziell vorreserviert werden.

Marie von den Benken
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Es gibt keine Stosszeiten mehr im CDGL. Und das nicht nur, weil Cora Schumacher sich kein Bett mehr mit dem bereits per Feminismus-Dekret weggemobbten Marc Terenzi teilen muss, sondern weil sich nur noch fünf Helden der Langeweile auf dem Clubgelände aufhalten dürfen. Die grossspurig angekündigte Sat.1-Wohlfühl-Show für die ganze Familie verliert schneller ihre Belegschaft als Fynn Kliemann die Nerven.

Im CDGL gilt ja das altbewährte Prinzip, das viele Historiker auch im echten Leben anprangern: Die Gewinner schreiben die Geschichten. Getreu diesem Motto durften in bislang sechs atemberaubend langen, aber dafür zur Entschädigung wenigstens verstörend inhaltslosen Wochen regelmässig die Gewinner des Wochenspiels einen der Verlierer nach Hause schicken.

Anders als die tränenmeererprobte D-Promi-Gilde und ihre Begleit-Community aus schaulustigen Trash-Fans und ironischen Süffisanz-Zuschauern es gewohnt sind, wirken alle geschassten Clubberer nach ihrem unfreiwilligen Abschied bislang eher erleichtert als verzweifelt. Weniger Lust, in seinem Klub zu bleiben, als die Insassen des CDGL hat im Prinzip nur noch Robert Lewandowski.

CDGL: Die fünf Freunde im Cluburlaub

Die verbliebenen fünf Aspiranten und Aspirantinnen auf den Titel "Clubkönig", laut Inventarliste namentlich Cora Schumacher, Julian F. M. Stoeckel, Martin Semmelrogge, Theresia Fischer und Vanessa Mariposa, bleiben aber vertragsgetreu bei der Stange und starten in gewohnter Show-Euphorie in die neue Woche.

Traditionell startet die mit dem sogenannten Chefspiel. Die äusserst beliebte, allerdings stets auf sieben Tage befristete Beförderung zum Clubchef ist das vermutlich am heissesten begehrte Gut im CDGL-Kosmos. Immerhin schützt der Titel vor einer Exmatrikulation. Wer Chef ist, kann machen, was er will und fliegt trotzdem nicht raus. Da unterscheidet sich der CDGL von der "Bild"-Zeitung.

Wie schon viel zu oft in der glücklicherweise nicht allzu langen Historie des CDGL müssen sich die Kandidaten für den Kampf um den Chefliegestuhl in groteske und (zufällig?) viel zu enge Kostüme zwängen, in denen man selbst im Kölner Strassenkarneval per Kölsch-Dusche von der Narrenbühne verwiesen würde.

Jay Jay Stoeckel, die Primadonna des thailändischen All-Inclusive-Desasters, befürchtet, dass filigrane Bewegungen auf dem Spielfeld möglicherweise zusätzlich durch Wassermassen erschwert werden könnten, und verrät sein Geheimrezept dagegen: "Ich habe eine Badehose drunter, damit meine Muschi nicht feucht wird." Wäre auch ein toller Titel für das neue Album von Mia Julia, aber fragen Sie mich bitte nicht, woher ich überhaupt weiss, wer Mia Julia ist. Ein herzliches Dankeschön an Sandra und Marc an dieser Stelle.

Pipi-Gate bei Cora

Was Vanessa Mariposa drunter trägt, bleibt weitestgehend unklar – ihrem gazellenartigen Talent beim professionellen Auswringen tut das aber keinen Abbruch. Sie gewinnt das Schwämmchen-Spiel souverän und wird erneut Clubchefin. Wie schon in der Vorwoche wird Vanessa den Club auch diesmal nicht verlassen müssen. Schon viel zu früh am Abend zerstört ihr Sieg sehr viele Hoffnungen fleissiger Kommentatoren-Bienchen auf Twitter, die sich unter dem Hashtag #cdgl die Finger wundtweeten.

Auswring-Amateur und Badehosen-Model Julian F. M. Stoeckel passt das nur so mittelmässig in den Matchplan: "Jetzt müssen wir wieder zu der Fitness-Tante nett sein, oh weh." Für Berlins bekanntesten Turban-Träger gibt es anscheinend kaum etwas unangenehmeres als Nettigkeiten-Austausch mit der 1,64 Meter grossen Salzburgerin. Höchstens vielleicht ein bundesweites Mascara-Verbot.

Sogar noch mitgenommener wirkt Cora Schumacher. Sie gilt eigentlich als Deutschlands Auswringer-Königin. Es wird kolportiert, sie hätte bereits Ralf Schumacher bis auf den letzten Tropfen ausgewrungen, da sind Theresia und Vanessa noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gelaufen. Dennoch patzt sie, als es darauf ankommt. Die Wahrheit liegt auf dem Platz, nicht in der Kloschüssel, könnte man sagen. Denn Cora hat eine einleuchtende Erklärung für ihr Versagen parat: "Ich konnte mich nicht konzentrieren, weil ich immer daran denken musste, dass ich Pipi muss."

Ärgerlich, zumal Cora verrät, dass sie aufgrund ihres Blasen-Dilemmas sogar oft Autorennen verloren hat: "Ich habe mich durchchecken lassen, ich bin eine Stresspinklerin. Ich habe immer Versagungsängste, dass ich pissen muss." Bevor Sie jetzt empörte Leser- und Leserinnenbriefe schreiben, was "Versagungsängste" sein sollen, warum ich so bekloppt gendere oder dauernd Vokabeln wie "Pisse" benutze, obwohl hier ja auch Kinder mitlesen: Ich bin Chronistin, ich zitiere nur. Mich trifft da weniger Schuld als Christian Lindner am Tankrabatt-Totalflopp. Cora beichtet, dass sich die Pinkelphobie durch ihr Leben zieht "wie ein roter Faden". Oder eigentlich ja wie ein gelber Faden, aber da wollen wir mal die Pampers im Dorf lassen.

Ein Ring, sie zu knechten

Es folgt eine weitere Schumacher-Anekdote, in der es um einen "riesigen, sauteuren Diamantring" geht. Und irgendwie auch um den Stanglwirt und Arnold Schwarzenegger. Spannend wird es erst wieder, als Cora, Theresia und Vanessa sich in geheime Absprache-Diskussionen verzetteln. Welche Teams soll Wochenchefin Vanessa für das entscheidende Spiel zusammenstellen, um möglichst das gesamte Damentrio im Club behalten zu können?

Verschiedene Varianten werden durchgespielt, am Ende fasst die Stresspinklerin zusammen: "Da kommt bestimmt noch ein Bitch-Move. Ob ich Theresia noch über den Weg traue, weiss ich nicht." Aber auch für Vanessa ist die Entscheidung nicht leicht: "Das macht mein Gehirn kaputt." Viele, die regelmässig ihre Instagram-Storys konsumieren, sagen ja … ach egal.

Das Absprache-Szenario beim Trio mit vier funktionierenden Blasen sorgt für Schmollstimmung bei Tschühlijähn Äffe Ämme Schtoggähl (wie die eigentliche Club-Frohnatur in Paris genannt wird). Nach wochenlanger Allianz mit seinen Leidensgenossinnen scheint er plötzlich aus dem Club der Promidamen und damit den Team-Auswahl-Absprachen ausgeschlossen worden zu sein. Folgerichtig schnappt Jay Jay Stoeckel sich umgehend sein langbeiniges Ex-Gspusi Theresia und stellt sie zur Rede.

Alle gegen Theresia Fischer?

Theresia Fischer (übrigens keine Schwester von Helene Fischer) versucht zunächst, sich ahnungslos zu stellen. Jay Jay Matlock ist allerdings die Ally McBeal der Reality-TV-Kreuzverhörer und lässt Theresia nicht davonkommen: "Ihr habt doch stundenlang gesprochen! Wenn ich im Fernsehen sehe, dass du mich anlügst, blocke ich dich auf allen Kanälen, das schwöre ich."

Julian F. M. Blocker, der Mann, der schneller entfreundet als sein Schatten, ist da gnadenlos. Aber auch Cora und Vanessa schmieden im Badezimmer plötzlich Anti-Theresia-Pläne. Im Jeder gegen Jeden Auswahlunterhandel kann sich niemand sicher sein. Der Einzige, der sich scheinbar gar nicht für irgendwelche Team-Konstellationen interessiert, ist Martin Semmelrogge. Vielleicht hat er aber auch einfach die Spielregeln bis heute nicht so richtig verstanden. Nach einem langen Abend voller Spekulationen, Absprachen und Prosecco hat Jay Jay Stoeckel mehr Promille als Vertrauen.

Am nächsten Morgen gibt es dann die grosse Auflösung. Vanessa entscheidet sich für eine "Frauen gegen Männer"-Konstellation und beruft Julian und Martin in Team Grün, sowie Theresia und Cora in ihr Team Pink. Am Ende obsiegt Team Pink in einer Art Wasserwerfer-Eimer-Spiel. Theresia und Cora dürfen folglich entscheiden, ob Julian oder Martin den CDGL noch am selben Abend verlassen muss.

Martin Semmelrogge darf bleiben

Als erste Adjutantin des Rauswurf-Fallbeils tritt Theresia auf die Bühne und entscheidet sich dafür, dass Julian im Club bleiben darf. Direkt im Anschluss erklärt Cora, dass Julian gleichzeitig ihre Schwester und ihr Bruder ist. Quasi ihr Schwuder. Martin dagegen ist wie ihr Vater. Familienzoff im Hause Schumacher. Entgegen seiner absoluten Überzeugung, Cora würde ihr Gesicht verlieren, wenn sie ihn zum Ausstieg freigibt, entscheidet sie sich, dass Martin bleiben soll.

1:1 zwischen den Verlierer-Kontrahenten. Gehen muss aber in jedem Fall einer der beiden, also entscheidet regelkonform Clubchefin Vanessa. Die sieht Julian als "grössere Konkurrenz" als Martin und kickt (skandalös!) den clubeigenen Divenflüsterer Julian F. M. Stoeckel aus dem CDGL. Das Finale nächste Woche wird entsprechend ohne Berlins bekannteste Rampensau stattfinden. Das ist natürlich Gift für die ohnehin schon bedenkliche Quote.

Aktuell befinde ich mich in Schockstarre. Ob ich mich überwinde, kommende Woche ein Finale ohne Clubanimateur Jay Jay Stoeckel zu kommentieren, muss ich überdenken. Vielleicht also bis nächste Woche!

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