Eine Sala am thailändischen Strand, Nonsens-Spielchen und eine Bande C-Promis, die sich und ihre Würde wieder dem Trash-TV-Gott opfern. Mit anderen Worten: der "Kampf der Realitystars" ist zurück. Für Aufsehen sorgt gleich in der Auftaktfolge am Mittwoch "Hot oder Schrott"-Testerin Uschi Hopf. Allerdings ganz unfreiwillig. RTLZWEI zeigt es trotzdem.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wer ein englisches Schloss oder eine Villa in Monte-Carlo sein Eigen nennt, der weiss: Die Behaglichkeit eines solchen Anwesens steht und fällt mit dem richtigen Personal. Sie besitzen aber kein Schloss und auch keine Villa? Nicht so schlimm, schliesslich gibt es auch andere Bereiche des Lebens, in denen können Sie ebenfalls die Erfahrung machen, dass gutes Personal einfach alles ist. Zum Beispiel beim Trash-TV.

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Hier haben jedes Format und jeder Sender eigene Wege gefunden, was sie unter Fernsehunterhaltung verstehen. Mal steckt man C-Promis in einen Container, mal in einen Dschungel und mal schickt man sie paarweise in eine Bruchbude zum gegenseitigen Anschreien. Doch was "Big Brother", "Dschungelcamp" und das "Sommerhaus der Stars" eint: Ohne unterhaltungswillige Promis kannst du den Laden zusperren.

"Kampf der Realitystars" und "Haste mal 'nen Euro?"-Serkan

Die Trash-TV-Show, die damit wohl am ehrlichsten umgeht, ist "Kampf der Realitystars" bei RTLZWEI und der Staffelstart am Mittwochabend zeigt von Anfang an, warum. Denn hier wissen Teilnehmende und Sender, dass sie einander brauchen und was ihre jeweilige Aufgabe ist. Unterhaltung gegen Sendezeit. Wie die Promis diesem Unterhaltungsauftrag nachgehen, dafür haben sie reichlich Freiraum; RTLZWEI unterstützt sie aber dabei wie immer mit dusseligen Kinderspielchen und Aufgaben, die die eigene Eitelkeit auf die Probe stellen.

Serkan Yavuz nutzt diesen Freiraum gleich von Anfang an und hat sich eine Geschichte zurechtgelegt: Seine Gage beträgt nur einen Euro. Woher wir das wissen? Von ihm. Er erzählt dieses sonst streng gehütete Geheimnis jedem, ständig, mehrfach. Nach all den Absagen in der Vergangenheit habe es, so erzählt er, mit dieser Gratis-Masche nun endlich geklappt. Und er sieht in Thailand Grosses auf sich zukommen: "Ich werde den Spass meines Lebens haben."

Während Serkan in jüngster Zeit fast jedes Billo-Format mitgenommen hat, ist es um Ingrid Pavic eher still geworden. Sie hatte mal eine eigene Rubrik bei "taff", war 2011 bei "Big Brother" dabei und glaubt, auch an "Ingrid auf der Suche nach dem Glück" teilgenommen zu haben. Nun wird sie in Schuhen, die aussehen, als hätte sie sich zwei Brückenpfeiler unter die Füsse geschnallt, per Boot zum Strand gebracht. Doch während die Schuhe zum Sitzen sicher hervorragend geeignet sind, dienen sie auf dem schwimmenden Bootssteg lediglich als Einladung, die Show mit einer kleinen Comedy-Einlage der alten Schule zu eröffnen: Sie kippt um und knallt auf den Steg.

Manni, Manni, Manni – must be funny

Ingrids Daseinsgrund in der Show könnte auch anderer Natur sein: Denn sie sagt Sätze, die lediglich in der ersten Sekunde einen Sinn ergeben. Über das Silikon-Öl, das sie sich in die Lippen gespritzt hat, sagt sie etwa: "Das Schlimmste ist: Die Schwerkraft lässt ja nach, das heisst, meine Lippen sind irgendwann da unten, genau wie meine Brüste." Ähnlich liegt der Fall bei Manni Ludolf. Der ist ebenfalls ein rhetorisches Kraftpaket, was er auch selber weiss: "Es werden einige genervt sein, weil ich zu viel quatsche."

Trash-TV-Unterhalter mit Als/Wie-Schwäche Matthias Mangiapane und Zeitreisende Daisy Dee ("Ich komme aus den 1990ern. Ich war eine Viva-Moderatorin") sind die Ersten, die davon Zeuge werden. Während Dee einfach nicht versteht, was der dauerbemützte 60-Jährige da redet, macht Mangiapane vor allem die Dauerbeschallung zu schaffen.

Bei einem der Spielchen müssen die Promis den Abend über paarweise auf zwei kleinen roten Teppichstücken stehen und Mangiapane erwischt Ludolf als Partner. "Wie lange geht das überhaupt?", stellt Mangiapane die richtige Frage und die Antwort ist: Manni. "Manni hört wirklich nicht auf", zieht Mangiapane ein Zwischenfazit über Ludolfs Redeschwall.

Einer, der mit Sicherheit auch damit fertig geworden wäre, ist Daniel Schmidt. Schmidt ist Kneipier von "Europas asozialster Kneipe", wie er aus der Berichterstattung über seinen "Elbschlosskeller" auf der Reeperbahn zitiert. "Ich hab' alles erlebt – von Hochzeit bis Todesfall war alles dabei. Ich wurde mit 'nem Schlachterbeil angegriffen, ich hab' psychiatrische Pärchen händeln müssen. Ich hab' so viele Sachen gemeistert", erzählt er über sein Leben auf dem Kiez. Nun also "Kampf der Realitystars".

Uschi Hopf und die Sache mit dem Fernsehen

Wirklich völlig anders liegt der Fall bei Ursula, "Uschi", Hopf. Die 81-Jährige hat bei der Vox-Show "Hot oder Schrott" teilgenommen. Zumindest wissen das Vox und die Zuschauenden. Ob Uschi Hopf das auch weiss, ist nach der Auftaktfolge am Mittwoch nicht ganz klar, denn sie zeigt sich doch recht unbedarft, was das Wissen übers Fernsehen anbelangt – um es mal zu beschönigen.

"Ingrid? Kenn' ich nicht. Antonia? Kenn' ich nicht. Manni? Kenn' ich nicht", zeigt sie ihr Wissen über ihre Mitinsassen und -insassinnen. Aber Serkan wird sie doch kennen, oder? "Wer kann? Kenn' ich auch nicht." Das ist nun keine allzu grosse Wissenslücke, bedenklicher ist, dass Uschi Hopf offenbar sonst auch nicht allzu viel über die Show, an der sie gerade teilnimmt, weiss.

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"Wir wurde nichts gesagt. Ich komme richtig treudoof hier an", erzählt Uschi und was sie damit meint, zeigt sich gleich am ersten Abend. Da huscht die 81-Jährige zur Überraschung der anderen nackend in den Pool. "Ich will nicht sagen, ich war schockiert, aber eigentlich war ich schockiert", erzählt Serkan und Ingrid macht es offiziell: "Uschi, wir sehen deine Muschi!"

"Ich hab' gedacht, ihr seid alle weg, jetzt kann ick schnell rin. Kiekt keener", erklärt sich Berlinerin Uschi, aber auch hier erläutert Ingrid das Problem: "Aber Uschi, die Kameras sind immer da!" - "Ja wat denn? Soll ich mir einen Badeanzug anziehen und duschen?", fragt Uschi empört und Manni gibt ihr einen Tipp: "Ja."

Die 81-Jährige ging offenbar davon aus, dass wenn sie das Mikro abnimmt, auch die Kameras abgeschaltet werden und fragt bei der Produktion nach: "Ihr habt das alles gesehen – stimmt das?" Auch wenn RTLZWEI in der Poolszene das Intimste mit Obstbildern verdeckt hat, darf man sich an dieser Stelle fragen, ob das nun ein charmanter Fauxpas war oder ob man bei der Produktionsfirma wirklich sichergestellt hat, dass die 81-Jährige weiss, worauf sie sich da eingelassen hat. "Ich geh' nicht mehr nackend rein" zieht Uschi jedenfalls ihr Fazit.

Apropos ausziehen: Ausziehen muss auch Ingrid, allerdings nicht ihre Klamotten. Die Neuankömmlinge Sarah Knappik und Daniel Schmidt wählen sie raus. "Hier bei 'Kampf der Realitystars' kommt's auf Entertainment an. Also macht was draus!", erinnert Moderatorin Cathy Hummels die Zurückgebliebenen noch einmal an die Sache mit dem Personal.

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