Immer mehr Menschen versuchen, nachhaltig zu leben und kaufen deshalb bewusster ein. Doch die Hersteller machen den ethischen Konsum nicht so einfach: Oft verstecken sich gravierende Umweltsünden in ihren Produkten. Vier häufige Ökofallen, in die man schneller tappt als man denkt.

Palmöl

Palmöl (aus dem Fruchtfleisch) und Palmkernöl sind Multitalente und deshalb so beliebt. Man findet sie fast überall, zum Beispiel in Waschmitteln, Shampoos, in Lebensmitteln, ja sogar im Biodiesel. Hauptanbaugebiete der Ölpalme, aus deren Frucht das Palmöl gewonnen wird, sind Indonesien und Malaysia.

Das Problem beim konventionellen Anbau sind vor allem das Roden der Regenwälder, die Trockenlegung von Torfmooren und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dadurch sind zum einen die Lebensräume sehr vieler Tier- und Pflanzenarten wie Tiger, Gorillas oder Orang-Utans massiv bedroht.

Zum anderen verursacht die Wald- und Moorzerstörung einen unglaublichen CO2-Ausstoss. "Das macht Indonesien zu einem der grössten CO2-Emittenten der Welt", erklärt Gesche Jürgens, Palmöl-Expertin von Greenpeace. Es wird geschätzt, dass über die Hälfte der Regenwälder in Indonesien bereits zerstört sind. Greenpeace fordert daher alle Unternehmen auf, auf Palmöl aus nicht-nachhaltiger Produktion zu verzichten.

Bisher konnten Hersteller Palmöl in ihren Produkten unter Namen wie "Pflanzenfett", "pflanzliches Öl" oder "Palmitate" kennzeichnen. Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es aber zumindest bei Lebensmitteln eine klare Kennzeichnungspflicht für Palmöl. Nachhaltigkeits-Siegel wie das des RSPO, mit dem manche Hersteller werben, sind laut Gesche Jürgens nicht verlässlich. Der RSPO habe sehr viele Schwachpunkte. Jürgens rät daher, zu Bio-Produkten zu greifen.

Tierische Produkte

Fleischverzicht ist nicht nur tierfreundlich, sondern hilft auch der Umwelt – das ist bekannt. Doch auch Milch und Milchprodukte sind problematisch, meint Dr. Tanja Busse, Journalistin und Buchautorin ("Die Wegwerfkuh"). Denn in unserer Hochleistungsmilchwirtschaft stehen sowohl die Bauern als auch die Kühe unter einem unglaublichen Druck. "Der Leistungsdruck, die niedrigen Preise durch immer mehr Milch ausgleichen zu müssen, sorgt dafür, dass Bauern und Kühe vor dem Burnout stehen", erklärt Busse.

Anders, aber nicht weniger problematisch, sieht es bei Eiern aus. Wer Bio-Eier bevorzugt, muss aufpassen, dass er nicht unbemerkt Eier aus Käfighaltung kauft. Denn die dürfen in Produkten wie Gebäck, Nudeln oder auch Suppen verarbeitet werden und müssen dort nicht extra gekennzeichnet werden. "Da kann es eben passieren, dass man Käfigeier aus riesigen Anlagen aus Osteuropa bekommt", warnt Tanja Busse und fordert von der Politik "mindestens eine Kennzeichnungspflicht auch für verarbeitete Eier."


Geldanlagen

Doch nicht nur in Supermarktregalen lauern Öko-Fallen. Auch wer Geld anlegt, muss aufpassen, dabei nicht ungewollt den Raubbau an Mensch und Natur zu fördern. "In herkömmlichen Publikumsfonds stecken vielfach Aktien von Unternehmen oder Anleihen von Staaten, die internationale Umwelt- und Menschenrechtsstandards missachten.

Das birgt sowohl öko-soziale als auch Rendite-Risiken", erklärt Susanne Bergius, Journalistin und Expertin für nachhaltige Investments. Beispiel sei BP: "Ölkonzerne mögen zwar phasenweise hohe Kurssteigerungen erleben, verursachen aber Klima- und Umweltbelastungen, wie die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 verdeutlichte – die Aktie von BP brach damals um die Hälfte ein und hat sich bis heute nicht erholt", so Bergius.

Privatanlegern empfiehlt sie, ihre Bank- oder Finanzberater zu fragen, welche öko-sozialen Risiken in den angebotenen Finanzprodukten stecken. Sie können auch nach Alternativen fragen, etwa Publikumsfonds mit Umwelt- und Sozialkriterien. Spezialisierte ethische Banken achten genau darauf, in welche Bereiche sie investieren und meiden zum Beispiel Rüstungshersteller, Atomstromproduzenten und Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen.

Elektronik

Eine Welt ohne Smartphones, Tablets und Co. scheint kaum noch möglich. Doch was uns hier im Alltag die Kommunikation und die Arbeit unglaublich erleichtert, hat woanders massive Folgen für die Umwelt. Denn: In Smartphones und Tablets stecken rund 30 verschiedene Metalle wie Gold, Kupfer, Zinn oder Tantal.

"Deren Gewinnung durch Bergbau geht aber fast immer mit Umweltschäden einher, oft auch mit Landkonflikten", erklärt Christian Wölbert, Redakteur der Computer-Zeitschrift c't und Experte für Green-IT. "Bei der Zinngewinnung in Indonesien wird zum Beispiel der Dschungel oft nicht renaturiert, der Abbau hinterlässt Mondlandschaften. Durch den Abbau vor der Küste werden Korallenriffe zerstört."

Um solche Umweltschäden nicht noch weiter zu fördern, hilft ein bewussterer Umgang mit elektronischen Geräten. Dazu gehört es zum Beispiel, gebrauchte Geräte zu kaufen, Smartphones länger zu nutzen und vor allem am Ende zu Recycling-Stellen zu bringen. In vielen Städten gibt es inzwischen auch sogenannte "Repair-Cafés", wo man unter Anleitung defekte Geräte selbst reparieren kann.