Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Menschen, die weniger als 1,5 Liter täglich trinken, reagieren bei Belastung mit höheren Cortisolwerten. Ausreichend Flüssigkeit könnte also der Schlüssel zu weniger Stress sein.

Manche Menschen jonglieren scheinbar mühelos mit allen Anforderungen des Alltags, während andere bereits bei kleineren Herausforderungen gestresst reagieren. Eine neue Untersuchung im "Journal of Applied Physiology" liefert nun eine überraschende Erklärung: Möglicherweise liegt es daran, wie viel wir trinken.

Wer zu wenig trinkt, ist anfälliger für Stress

Eine Forschungsgruppe um Daniel Sean Kashi teilte 32 Teilnehmer in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe trank weniger als 1,5 Liter täglich, die andere mehr als 2,5 Liter. Beide Gruppen wurden anschliessend demselben Stresstest unterzogen: Sie mussten Kopfrechenaufgaben lösen und sich in einem simulierten Vorstellungsgespräch beweisen.

Das Ergebnis war eindeutig: Zwar stieg bei allen Probanden die Herzfrequenz und das subjektive Stressempfinden an, doch nur bei den Wenig-Trinkern schoss der Cortisolspiegel deutlich nach oben. Die Gruppe mit geringer Flüssigkeitsaufnahme wies einen um 55 Prozent höheren Cortisolanstieg auf als die Viel-Trinker.

Cortisol gilt als wichtigstes Stresshormon des Körpers. Es reguliert den Stoffwechsel, das Immunsystem und den Schlaf-Wach-Rhythmus. In akuten Belastungssituationen mobilisiert es Energie und schärft die Aufmerksamkeit. Problematisch wird es jedoch, wenn der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht bleibt – dann drohen Schlafstörungen, Gewichtszunahme und Stoffwechselprobleme.

Der Körper unter Dauerstress

Zu wenig Flüssigkeit bedeutet für den Organismus bereits grundlegenden Stress. Sinkt der Flüssigkeitsspiegel im Körper, schüttet das Gehirn das Hormon Vasopressin aus. Dieses signalisiert den Nieren zwar, sparsamer mit den Wasserreserven umzugehen, aktiviert aber gleichzeitig das Stresssystem im Gehirn.

Die Folge: Menschen, die chronisch zu wenig trinken, befinden sich bereits in einer Art Grundanspannung. Kommt dann zusätzlicher psychischer Stress dazu, reagiert ihr System überproportional heftig. Sie sind gewissermassen bereits "vorgestresst" und haben weniger Puffer für zusätzliche Belastungen.

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Fazit: Statt Entspannungsmethoden könnte bei Überforderung also bereits ein simpler Griff zur Wasserflasche helfen. (eyn)

Verwendete Quellen

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