• 16:18 Uhr: ➤ Noch immer hunderte Menschen im Katastrophengebiet vermisst - Zahl der Toten gestiegen
  • 14:03 Uhr: Merkel reist in Hochwassergebiete und gibt Statement ab
  • 11:21 Uhr: Polizei verstärkt Präsenz im Hochwassergebiet - mutmassliche Diebe geschnappt
  • 08:13 Uhr: Baugewerbe: Wiederaufbau nach Hochwasser wird Jahre dauern
  • 06:39 Uhr: Katastrophenfall im Berchtesgadener Land aufgehoben
  • 04:00 Uhr: Aufräumarbeiten nach Unwetter in Kordel weitgehend abgeschlossen

➤ Noch immer hunderte Menschen im Katastrophengebiet vermisst - Zahl der Toten gestiegen

Fünf Tage nach dem verheerenden Hochwasser im Norden von Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten im Landkreis Ahrweiler auf 122 gestiegen. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Koblenz. Bislang war die Rede von 117 Toten gewesen. Laut des Leiters der Kriminaldirektion in Koblenz, Stefan Heinz, konnten bislang aber erst 40 Verstorbene identifiziert werden.

Weitere 763 Menschen wurden verletzt, 876 Menschen werden laut Polizeiangaben weiterhin vermisst. Bei einem Grossteil der Fälle (640) sei allerdings nicht klar, ob es sich um reale Personen handelt. Wie der SWR berichtet, gehe die Polizei davon aus, dass die meisten Vermissten leben und sich nur noch nicht gemeldet haben.

Im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen werden noch fünf Menschen vermisst. Bei ihnen sei der Aufenthaltsort derzeit noch ungewiss, sagte Landrat Frank Rock auf einer Pressekonferenz des Kreises am Dienstag. Demnach habe die örtliche Personenauskunftsstelle schon viele Vermisstenfälle klären können. "Viele, viele Leute haben sich bei ihren Verwandten gemeldet und sind wohlauf", teilte die Polizei am Dienstag mit.

Die Zahl der Todesfälle in Nordrhein-Westfalen ist um ein Opfer auf 48 gestiegen. Wie das Kölner Polizeipräsidium mitteilt, hat ein Leichenspürhund einen weiteren, noch nicht identifizierten Toten im Katastrophengebiet in Bad Münstereifel gefunden. In NRW und in Rheinland-Pfalz wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden.

Die weiteren Unwetter-News des Tages:

ADAC-Luftrettung: Einsatzbild im Katastrophengebiet wandelt sich

17:40 Uhr: Im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz wandelt sich einige Tage nach den folgenschweren Unwettern nach Angaben der ADAC Luftrettung das Einsatzbild allmählich. Vor allem direkt nach der Flut seien von zweien aus München und Landshut nach Koblenz verlegten Rettungshubschraubern mit Seilwinden zahlreiche Einsätze geflogen worden, berichtete ein Sprecher der ADAC Luftrettung am Dienstag in München.

Von Donnerstag bis Montagabend seien es 65 solcher Windeneinsätze gewesen im Krisengebiet in Rheinland-Pfalz, vereinzelt auch in Nordrhein-Westfalen. Verletzte seien geborgen und 40 Menschen aus Zwangslagen befreit worden, etwa von Dächern oder aus von Wasser eingeschlossenen Häusern oder Plätzen.

Mittlerweile würden vermehrt auch wieder normale Rettungseinsätze in der Region geflogen, etwa wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Arbeitsunfällen. In der Region sei derzeit eine Menge schweres Gerät. Neben den zwei Hubschraubern mit Spezialwinden, von denen einer mittlerweile wieder in Bayern ist, sind im Krisengebiet auch die üblichen örtlichen ADAC-Rettungshubschrauber aus Wittlich, Koblenz sowie Aachen/Würselen und Köln in NRW im Einsatz

Förderbank vergibt Darlehen an vom Hochwasser geschädigte Landwirte

17:22 Uhr: Die Landwirtschaftliche Rentenbank vergibt ab sofort Darlehen an vom Hochwasser betroffene Unternehmen aus dem Agrar-, Wein- und Gartenbausektor. Wie das Bundesagrarministerium am Dienstag mitteilte, sollen geschädigte Betriebe aus den Branchen schnell und unbürokratisch Liquiditätshilfen erhalten können. Die Darlehen, die das Agrarministerium in Abstimmung mit der Förderbank aufgelegt hat, sollen zu günstigen Konditionen angeboten werden. Sie haben den Angaben zufolge eine Laufzeit von vier, sechs oder zehn Jahren und sind mit einem Tilgungsfreijahr ausgestattet. Betriebe in besonderer Not können Tilgungen bis zu zwei Jahre aussetzen.

Die Landwirtschaftliche Rentenbank ist die Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum - vergleichbar mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Kreditanträge sowie die Anträge zur Tilgungsaussetzung sind nach Angaben des Ministeriums an die jeweilige Hausbank zu richten.

Bereits am Montag hatte die EU-Kommission zugesagt, die von der Flut betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland mit unbürokratischer Hilfe unterstützen zu wollen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) begrüsste dies.

"Die massiven Schäden in den Hochwassergebieten bedrohen auch zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz: Ernten wurden zerstört, Tiere sind ertrunken, Gebäude und Maschinen wurden beschädigt", sagte die Ministerin am Dienstag. Zugleich versicherte Klöckner, die Land- und Forstwirtschaft werde auch bei den Soforthilfen des Bundes berücksichtigt. Diese sollen am Mittwoch das Bundeskabinett passieren.

Lauterbach wegen Corona-Ansteckungsgefahr gegen Sammelunterkünfte nach Unwettern

17:11 Uhr: Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat sich wegen der Corona-Ansteckungsgefahr gegen Sammelunterkünfte für Flutopfer nach den schweren Unwettern im Westen Deutschlands ausgesprochen. "Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko", sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Flutopfer in den Katastrophengebieten müssten stattdessen in Hotels und Einzelunterkünften untergebracht werden, forderte er.

"Es wäre fatal, wenn die ohnehin dramatische Situation in den Hochwasserregionen durch massenhafte Infektionen mit der Delta-Variante zusätzlich erschwert würde", warnte der SPD-Politiker. Darüber hinaus forderte er, die Helfer bei den Aufräumarbeiten mit hochwertigen FFP2-Masken auszustatten.

Rund 40.000 Menschen im Ahrtal von Hochwasser-Folgen betroffen

16:38 Uhr: Von den Folgen des verheerenden Hochwassers im stark betroffenen Kreis Ahrweiler sind rund 40.000 Menschen betroffen. Es sei eine "ungeheure grosse Zahl von Menschen" auf einer "ungeheuren Fläche", sagte der Leiter des Krisenstabes des Landes und Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, am Dienstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. "So etwas haben wir noch nie erlebt. Das ist eine grosse Herausforderung."

Die Lage sei immer noch sehr angespannt: "Weil so viel Infrastruktur zur Versorgung der Bevölkerung zerstört ist", sagte Linnertz - und fügte hinzu: "Grundlegende Dinge wie Strom, Wasser, Abwasser." Zurzeit konzentriere sich das Land Rheinland-Pfalz, das am Wochenende die Leitung für den Katastropheneinsatz im Kreis Ahrweiler übernommen hat, auf die Versorgung der Menschen und Hilfeleistungen.

Wichtiges Thema sei auch die "Entsorgungsproblematik", sagte er. "Da sind ungeheure Mengen an Schutt und Sperrmüll, die anfallen und die sich jetzt in den Dörfern türmen. Das muss raustransportiert werden." Insgesamt sei die Dauer des Einsatzes nicht abschätzbar. Die Schadenslage sei "sehr weitreichend".

Im Ahrtal seien derzeit rund 2500 Kräfte im Hilfseinsatz, darunter 800 Soldaten der Bundeswehr, 200 Helfer des Technischen Hilfswerks und rund 800 Feuerwehrleute. Für die psychosoziale Notbetreuung seien um die 300 Menschen im Einsatz, sagte Linnertz. Die ADD in Trier ist die für den Katastrophenschutz zuständige Landesbehörde.

Satellitenschüsseln für Bevölkerung im Kreis Ahrweiler aufgebaut

14:14 Uhr: Der Katastrophenstab des Landes Rheinland-Pfalz hat im Kreis Ahrweiler zwölf Satellitenschüsseln für die Bevölkerung aufgebaut. Grund ist, dass es in der besonders stark von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Region massive Ausfälle im Mobilfunknetz gibt. Die Zahl der Satellitenschüsseln solle auf 35 gesteigert werden, teilte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) am Dienstag mit. Betroffene könnten sich dort einwählen und so einen Zugang zum Internet bekommen.

Die ADD teilte mit, dass Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr, der Bundeswehr und des Sanitätsdienstes seit Dienstag in die besonders vom Hochwasser im Kreis Ahrweiler betroffenen Gebiete vorrückten. Hilfskräfte brächen in Hundertschaften auf, "um schnell und unkompliziert Hilfe zu leisten".

Mann verliert Ehering in Schlammmassen - und findet ihn wieder

14:11 Uhr: Ein infolge des Hochwassers verloren gegangener Ehering eines Mannes aus dem Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz ist wieder aufgetaucht. Er habe den Ring im Schlamm wiedergefunden, erzählte der Mann der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Vor dem Hochwasser habe er den Ring wie immer auf einen Sekretär neben das Bild seiner Frau gelegt. Als das Haus überschwemmt worden sei, sei der Ring dann weggewesen.

"Heute gehe ich da rüber zu den grossen Kanistern, hol frisches Wasser, und da finde ich ihn im Schlamm wieder." Er habe etwas glänzen sehen. Dann sei seine Frau gekommen, damit diese ihm den Ring wieder anstecke. Er werde ihn nie wieder abnehmen, sagte der Mann. Der Landkreis Ahrweiler ist von der Flutkatastrophe schwer getroffen worden.

Merkel reist in Hochwassergebiete und gibt Statement ab

14:03 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe schnelle Hilfe zugesagt. Man werde alles daran setzen, "dass das Geld schnell zu den Menschen kommt", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag bei einem Besuch in der stark vom Hochwasser beschädigten Stadt Bad Münstereifel. "Ich hoffe, dass das eine Sache von Tagen ist."

Das Bundeskabinett werde am Mittwoch ein Programm für finanzielle Hilfe beschliessen, es gehe dabei darum, "unbürokratisch Soforthilfe" zu leisten. Dies geschehe gemeinsam mit dem Land NRW, das am Donnerstag entsprechende Beschlüsse fassen werde, sagte Merkel.

Sie ging davon aus, dass die Wiedererrichtung der zerstörten Infrastruktur wie Strassen und Bahnstrecken sowie der Wiederaufbau der Stadt länger als ein paar Monate dauern wird. Es sei sehr klar, "dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden".

Merkel zeigte sich bei dem gemeinsamen Besuch mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betroffen von der Lage vor Ort. Die Schäden seien "erschreckend", es gebe "entsetzliche Zustände zum Teil". Viele Häuser seien nicht mehr bewohnbar. Bei ihrem Besuch habe sie "Menschen gesehen, die alles verloren haben". Die Stadt sei "so schwer getroffen, dass es einem wirklich die Sprache verschlägt".

"Das einzige, was tröstet, ist die Solidarität der Menschen", hob Merkel hervor. Sie bedankte sich bei allen Helfern und Spendern. Es sei klar, "dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden", fügte die Kanzlerin hinzu. "Wir werden Sie nicht nach Kurzem vergessen", versicherte sie.

Die Kanzlerin hatte sich zunächst vom Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, und von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian über die Lage in Bad Münstereifel unterrichten lassen. Sie sah sich eine Halle mit gespendeten Hilfsgütern an und verschaffte sich dann bei einem Gang durch den Ort einen eigenen Eindruck.

Polizei warnt vor falschen Durchsagen im Krisengebiet

12:52 Uhr: Die Polizei hat vor falschen Durchsagen im Katastrophengebiet im Norden von Rheinland-Pfalz gewarnt. Es lägen Informationen vor, wonach dort Fahrzeuge mit Lautsprechern unterwegs seien, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen ähnelten, teilte die Polizei in Koblenz am Dienstag mit. Mit diesen werde "wahrheitswidrig" verbreitet, dass die Zahl der Einsatzkräfte verringert werde.

"Das ist eine Falschmeldung", betonte die Polizei in der Mitteilung. "Die Polizei reduziert die Anzahl der Einsatzkräfte nicht und befindet sich weiterhin ohne Unterbrechung im Katastrophengebiet."

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Hochwasser zieht sich langsam zurück - Spuren der Verwüstung nun auch in Bayern

Tief "Bernd" hat dem Westen Deutschlands mit Starkregen eine Jahrhundertflut beschert. Wenige Tage später hat es auch Teile Bayerns und Österreichs erwischt. Die Auswirkungen auf die betroffenen Orte sind verheerend.

Weiterhin Funklöcher in Unwettergebieten - Gespräche über Roaming

11:41 Uhr: Mit Blick auf weiterhin existierende Funklöcher in den Katastrophen-Gebieten hat der Mobilfunkanbieter Vodafone sich dafür ausgesprochen, dass die Branche ihre Netze öffnet. "Wir wären bereit dazu", sagte ein Vodafone-Sprecher am Dienstag in Düsseldorf. Das hiesse, dass Kunden der Konkurrenz mit dem Vodafone-Netz verbunden würden, wenn ihr Anbieter keine funktionierenden Antennen in Reichweite hat. Für diese Netzöffnung stellte Vodafone aber eine Bedingung: "Es braucht die Zusammenarbeit aller drei Netzbetreiber, um wirksames regionales Roaming für die Menschen im Krisengebiet zu ermöglichen."

Sprecher der anderen beiden Netzbetreiber, der Deutschen Telekom und von Telefónica (o2), äusserten sich zurückhaltend, schlossen die Öffnung aber nicht aus. Man stehe im Austausch mit den anderen Netzbetreibern und erörtere, "was technisch möglich und sinnvoll ist, um den Menschen vor Ort möglichst schnell zu helfen", sagte ein Telekom-Sprecher. Telefónica wies auf die "sehr komplexe und zeitlich aufwendige Implementierung" von so einem Roaming hin. In den Gesprächen zwischen den Firmen ist es Teilnehmerkreisen zufolge völlig offen, ob sie zum Erfolg führen.

Klar ist: Wenn einer der drei Netzbetreiber sein Netz öffnet, müssten die beiden anderen das auch tun - andernfalls droht dem Anbieter, der den ersten Schritt geht, die Überlastung des eigenen Netzes. Unterdessen geht der Wiederaufbau der Stationen weiter. Insgesamt waren Hunderte Stationen in der Unwetterkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz ausgefallen, die meisten sind wieder am Netz.

Polizei verstärkt Präsenz im Hochwassergebiet - mutmassliche Diebe geschnappt

11:21 Uhr: Nach mehreren Diebstählen im Hochwassergebiet hat die Polizei im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen ihre Präsenz vor Ort verstärkt. Besonders im Raum Altena wurde das veranlasst, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Die Stadt war vergangene Woche von Hochwasser überschwemmt worden.

Bürgerinnen und Bürger seien gebeten, verdächtige Menschen oder Fahrzeuge über Notruf 110 zu melden. Am Montag etwa stoppten Beamte in der Stadt Plettenberg einen Transporter mit zwölf verschlammten Fahrrädern, einem Tretroller und Stühlen. Die Insassen gaben an, die Gegenstände in Altena eingesammelt zu haben. Die Männer wurden wegen Diebstahls angezeigt.

Landesbetrieb hat noch keinen Überblick über zerstörte Strassen in Rheinland-Pfalz

11:14 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz gibt es noch keinen Überblick über die zahlreichen Schäden an Strassen und Brücken. "Das Ausmass ist noch nicht abschätzbar", sagte die Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) am Dienstag in Koblenz. Seit Montag seien Experten mit der Schadensaufnahme beschäftigt. "Wir sind dran, haben aber noch keine Auflistung, was alles kaputt ist." Besonders betroffen seien die Gebiete an der Ahr, aber auch an der Kyll und andere Teile der Eifel.

Einen ersten Überblick über zerstörte Strassen und Brücken könne es möglicherweise Ende dieser Woche geben, sagte die LBM-Sprecherin. Brückenprüfer seien vor Ort, um zu schauen, welche Brücken saniert werden könnten und welche abgerissen werden müssten. Es gebe auch noch Ortschaften, die nach den Zerstörungen der Unwetterkatastrophe strassenmässig komplett abgeschnitten seien: Dazu zähle Mayschoss im Kreis Ahrweiler, sagte sie.

Merkel besucht erneut Katastrophengebiete

10:09 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich an diesem Dienstag (11:55 Uhr) ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der zugleich Unionskanzlerkandidat ist, kommt sie nach Bad Münstereifel. Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Hochwasser in Passau fliesst weiter ab

10:02 Uhr: Das Hochwasser in Passau geht weiter zurück. "Es fliesst langsam ab", sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle am Dienstag. Am Wochenende waren nach den heftigen Unwettern die Pegelstände der Donau angestiegen. Die Uferpromanade und tiefer liegende Parkplätze waren überflutet worden, einzelne Keller liefen voll Wasser.

Es sei aber bei weitem nicht so schlimm gekommen wie angekündigt, sagte der Sprecher. Auch beim Notruf sei es inzwischen ruhiger geworden. Der Pegelstand der Donau lag am Morgen nach Angaben des Hochwasserdienstes bei rund 7,20 Meter. Laut der Prognose sollte sich die Lage im Laufe des Tages weiter entspannen.

50 Millionen Euro Soforthilfe vom Land für Hochwasser-Opfer in Bayern

09:34 Uhr: 50 Millionen Euro Soforthilfe sollen die bayerischen Hochwasseropfer nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vom Land erhalten. "Der Bund hat ja schon angekündigt, 300 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, wir werden heute erstmal 50 Millionen Euro bereitstellen für die Soforthilfen", sagte Söder dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Das Kabinett wollte sich am Morgen mit der jüngsten Hochwasserkatastrophe in Oberbayern und der Unterstützung der Betroffenen befassen.

Im südöstlichen Landkreis Berchtesgadener Land hatten am Wochenende heftige Unwetter in einigen Orten rund um Watzmann und Königssee für Erdrutsche und Überflutungen gesorgt. Der Schaden geht in die Millionenhöhe.

Sportboot auf Hochwasser-Donau: Paar aus Lebensgefahr gerettet

08:57 Uhr: Ein junges Paar ist mit einem Sportboot auf der Donau verunglückt und aus Lebensgefahr gerettet worden. Das Boot prallte zuvor mit grosser Wucht gegen ein Wehr in der Donau bei Regensburg, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Aufgrund eines technischen Defekts sei das Boot antriebslos und "als Spielball der reissenden Donau" gegen die Wehrmauer geschleudert.

"Wie durch ein Wunder" sei das Boot auf der hochwasserführenden Donau nicht sofort gesunken. Somit habe die Feuerwehr das Paar mit einer Drehleiter retten können. Sie hätten bei dem Unfall lediglich einen Schock erlitten.

Das Boot sei daraufhin für eine spätere Bergung am Wehr angebunden worden. Trotz der Vertäuung sei es allerdings gesunken. Am Boot sei ein Schaden von mindestens 40.000 Euro entstanden. An dem Einsatz am Montagabend seien über 100 Einsatzkräfte beteiligt gewesen.

Baugewerbe: Wiederaufbau nach Hochwasser wird Jahre dauern

08:13 Uhr: Der Wiederaufbau nach den Hochwasserschäden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird nach Einschätzung der deutschen Bauwirtschaft mehrere Jahre dauern.

"Nach der Elbflut 2002 hat es etwa drei Jahre gedauert, bis die grössten Schäden behoben waren, und fünf Jahre, bis die betroffenen Gebiete wieder ordentlich aussahen", sagte Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutsches Baugewerbes (ZDB) in Berlin. Das Ausmass der Schäden in Westdeutschland sei immens, aber noch nicht zu beziffern.

Um den Wiederaufbau zerstörter Häuser, Strassen und Brücken trotz hoch ausgelasteter Bauunternehmen und Materialengpässen zu stemmen, sei ein Kraftakt von Politik und Wirtschaft notwendig. "Bauunternehmen und Handwerker können ihre Kapazitäten auf 120 bis 130 Prozent hochfahren", sagte Quast der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Aufträge könnten umgeschichtet und Prioritäten auf Krisenregionen gelenkt werden. Ebenso müsse die Politik öffentliche Aufträge in anderen Bereichen zurückstellen und Behörden unbürokratisch helfen, indem sie etwa Duplikate von weggeschwemmten Bauunterlagen aushändigten.

Die derzeitige Knappheit vieler Baumaterialien bleibe aber ein Problem, sagte der Präsident des Verbands, der etwa 35.000 Baufirmen in Deutschland vertritt. "Wenn Rohre weggeschwemmt wurden, müssen sie aus dem Rest der Republik hergebracht werden." Beim Wiederaufbau seien zudem zerstörte Brücken ein Hindernis. "Ohne Behelfsbrücken müssen Baufirmen und Handwerker riesige Umwege fahren." Weggebrochene Strassen seien für geländegängige Baumaschinen weniger ein Problem.

Das Baugewerbe unternehme alles, um betroffenen Betrieben in den Krisenregionen zu helfen und Kapazitäten umzuschichten. Eine Firma im Hunsrück etwa sei in Mitleidenschaft gezogen worden, aber die Beschäftigten stünden bereit, berichtete Quast. "In solchen Fällen müssen Leihgeräte her, Bagger, Radlader und Lkw." Das Baugewerbe arbeite daran, solche Hilfen aus anderen Unternehmen zu organisieren.

Katastrophenfall im Berchtesgadener Land aufgehoben

06:39 Uhr: Der Katastrophenfall ist nach dem verheerenden Hochwasser im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wieder aufgehoben. Auch die Schulen und Kitas sollten am Dienstag nach Angaben des Landratsamtes wieder regulär öffnen. Wasserfluten und Erdrutsche hatten manche Orte in der beliebten Urlaubsregion rund um Watzmann und Königssee am Wochenende regelrecht verwüstet.

Mehr als 160 Menschen mussten Rettungskräfte aus ihren Häusern in Sicherheit bringen. Hänge rutschten ab, Teile von Strassen brachen weg, Bahngleise wurden verschüttet oder überflutet. Häuser liefen voll Wasser, manche drohten einzustürzen.

Die Aufräumarbeiten werden die Menschen und Hilfskräfte in den Hochwassergebieten noch lange beschäftigen. Der Freistaat sicherte den Betroffenen Unterstützung zu. Wie die Hilfe konkret aussehen könnte, damit will sich das bayerische Kabinett am Dienstag befassen. Auch der Finanzausschuss des Landtags hat für den Tag eine Beschlussfassung angekündigt.

Die tödlichsten Überschwemmungen in Europa in den letzten 20 Jahren.

Bewältigung der Flut-Katastrophe soll kein Superspreader-Event werden

05:22 Uhr: Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Länder die Gefahr erhöhter Corona-Risiken, etwa durch Hilfsaktionen oder die Unterbringung in Notunterkünften. "Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird", sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Das Landesgesundheitsministerium bereite in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonderimpfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits vollen Impfschutz.

"Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln", zitierte der RND das Düsseldorfer Gesundheitsministerium. Die Gesundheitsämter vor Ort seien sich aber der zusätzlichen Gefahr bewusst. Sie könne durch Testungen, Masken und Lüften reduziert werden.

Aufräumarbeiten nach Unwetter in Kordel weitgehend abgeschlossen

04:00 Uhr: Nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz sind die Aufräumarbeiten in Kordel weitgehend abgeschlossen. Die meisten Trümmer seien entfernt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Im ebenfalls von der Katastrophe hart getroffenen Trierer Stadtteil Ehrang gehe es am Dienstag mit den Aufräumarbeiten weiter.

Derweil suchen die Einsatzkräfte weiter nach Vermissten. Wie die Polizei in Koblenz twitterte, würden im Kreis Ahrweiler derzeit sämtliche Hotels, Gaststätten und Unterkünfte angeschrieben, um vorhandene Gästelisten mit den Vermisstenmeldungen abzugleichen. Die Polizei bittet Unterkünfte, die noch nicht von der Polizei kontaktiert worden sind, sich mit den Einsatzkräften in Verbindung zu setzen.

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Mit Material von dpa und afp.
Starkregen, Sturzfluten, Überschwemmungen: Die Flut-Katastrophe im Westen Deutschlands und in angrenzenden Nachbarländern wird die Bevölkerung noch lange beschäftigen. Auch in Zukunft stehen in Deutschland solche Extremwetterereignisse bevor. Denn Klimaforschern zufolge werden Unwetterlagen, aber auch Dürreperioden häufiger auftreten, weil die Erderwärmung weit fortgeschritten ist.