• 17:56 Uhr: ➤ Ukraine enteignet mehrere "strategisch wichtige" Unternehmen für Kriegszwecke
  • 16:47 Uhr: "Schaut, wer hier ist!": Ukraine-Minister Resnikow kann Freude kaum verbergen
  • 14:09 Uhr: Angehörige beklagen Verluste von 300 russischen Soldaten in vier Tagen
  • 10:30 Uhr: Ukrainer und Russen werfen sich gegenseitig Beschuss und Zerstörung vor
  • 10:19 Uhr: Laut britischen Informationen ist Putins Luftwaffe bald am Ende

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➤ Ukraine enteignet mehrere "strategisch wichtige" Unternehmen für Kriegszwecke

  • 17:56 Uhr

Die Ukraine will nach eigenen Angaben die Kontrolle von mehreren "strategisch wichtigen" Unternehmen übernehmen. Die Vermögenswerte strategisch wichtiger Energie- und Produktionsunternehmen sollten enteignet und in Staatseigentum gebracht werde, sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Oleksij Danilow, am Montag auf einer Pressekonferenz. Damit solle eine ausreichende Versorgung des Militärs zur Abwehr der russischen Invasion gewährleistet werden.

Dabei soll es sich um den Öl- und Gaskonzern Ukrnafta, den Flugzeughersteller Motor Sitsch, den Reaktorhersteller Saporoschtransformator, den Lkw-Hersteller Awtokras, das Ölraffinerieunternehmen Ukrtatnafta, den Transformatorenhersteller ZTR und den Lastkraftwagenproduzenten Kraz handeln.

Ihre Vermögenswerte sollen künftig vom Verteidigungsministerium verwaltet werden, "um den dringenden Bedarf der Streitkräfte zu sichern", sagte Verteidigungsminister Oleksij Resnikow. Dazu gehörten die Bereitstellung von Treibstoff und Schmiermitteln sowie die Reparatur von militärischer Ausrüstung und Waffen.

Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmygal sagte, die Unternehmen stellten "wichtige Produkte für den Bedarf der Verteidigung und der Streitkräfte sowie für den Energiesektor" her. "Diese Unternehmen müssen rund um die Uhr für die Verteidigungsbedürfnisse des Staates arbeiten."

Ob den ursprünglichen Anteilsbesitzern Entschädigungen gezahlt werden, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Nach der Aufhebung des Kriegsrechts könnten die Vermögenswerte Danilow zufolge an ihre Eigentümer zurückgegeben oder ihr Wert erstattet werden.

Seit dem Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist Kiew stark von Waffenlieferungen und finanzieller Unterstützung von westlichen Staaten abhängig. (afp/dpa)

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Die Lage im Überblick:

Seit 24. Februar führt Russland aus der Luft und am Boden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurz zuvor hatte Präsident Wladimir Putin das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiger Staat in Zweifel gezogen und die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine anerkannt.

Die ukrainische Armee wehrt sich seitdem nach Kräften gegen die Invasoren. Auf beiden Seiten gibt es Berichten zufolge Tausende Tote, wie viele Soldaten und Zivilisten bereits starben, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Fakt ist: Die humanitäre Lage in der Ukraine spitzt sich mit jedem Tag zu.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat inzwischen mehr als 14,8 Millionen Grenzübertritte aus der Ukraine registriert (Stand: 1. November). Die Flüchtenden sind vor allem Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht verlassen dürfen. Laut UNHCR sind in dieser Zeit knapp 7,3 Millionen Grenzübertritte zurück in die Ukraine registriert worden (Stand: 1. November).

Die EU und die USA reagierten mit Sanktionen. Ausserdem liefern sie der Ukraine Waffen, auch Deutschland unterstützt das Land mit Waffenlieferungen. Auch Panzer der Klasse Gepard soll die Ukraine aus Deutschland erhalten. (dpa)

Karte zur militärischen Lage in der Ukraine. (Achtung: Diese Infografik wird regelmässig aktualisiert)

Die weiteren Meldungen vom 7. November

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"Schaut, wer hier ist!": Ukraine-Minister Resnikow kann Freude kaum verbergen

  • 16:47 Uhr

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben weitere Luftabwehrsysteme von westlichen Staaten erhalten. Die Luftabwehrsysteme Nasams und Aspide würden die ukrainische Armee "erheblich verstärken und unseren Luftraum sicherer machen", erklärte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow am Montag in Online-Netzwerken.

Zur Stärkung der Luftabwehr schrieb Resnikow am Montag auf Twitter: "Schaut, wer hier ist!". Dazu veröffentlichte der 56-Jährige Bilder, die ihm zufolge bodengestützte Luftverteidigungssysteme des Typs Nasams und Aspide aus US-amerikanischer und italienischer Produktion zeigten. "Wir werden damit weiterhin gegnerische Ziele abschiessen, die uns angreifen", betonte Resnikow. Er bedankte sich bei "unseren Partnern - Norwegen, Spanien und den USA".

Auch andere Länder haben bereits Luftabwehrsysteme an die Ukraine geliefert. Deutschland unterstützt Kiew mit dem Luftabwehrsystem vom Typ Iris-T.

Russland hatte in den vergangenen Wochen seine Raketenangriffe auf die ukrainische Strom- und Wasserinfrastruktur verstärkt. Dabei wurden rund ein Drittel der ukrainischen Stromanlagen zerstört. Die ukrainische Regierung forderte die Bevölkerung auf, möglichst viel Strom zu sparen.

Am Montag erklärten die Behörden in Kiew, dass die Energieversorgung in der Hauptstadt weiterhin "angespannt" sei. Sie riefen die Menschen auf, den Stromverbrauch zu Spitzenzeiten einzuschränken. "Wir bitten alle Bewohnerinnen und Bewohner in der Region, die Beschäftigten im Energiebereich im Kampf an der Energiefront zu unterstützen", hiess es im Onlinedienst Telegram. (afp/dpa/hub)

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Angehörige beklagen Verluste von 300 russischen Soldaten in vier Tagen

  • 14:09 Uhr

Eine Einheit russischer Marineinfanteristen soll binnen vier Tagen 300 Mann bei Kämpfen im Gebiet Donezk verloren haben. Das geht aus einem Beschwerdebrief von Angehörigen der 155. Marineinfanterie-Brigade der russischen Pazifikflotte hervor, über den das unabhängige Portal "The Insider" berichtete. Der Telegram-Kanal "Grey Zone", der Verbindungen zu der Söldnertruppe Wagner haben soll, veröffentlichte das an den Gouverneur des Gebiets Primorje, Oleg Koschemjako, gerichtete Schreiben. Die Soldaten seien tot, verwundet oder würden vermisst, hiess es.

Koschemjako räumte am Montag zwar schwere Kämpfe und Verluste in der 155. Brigade ein. Diese seien aber "bei Weitem nicht so hoch" wie in dem Brief der Soldaten vom Sonntag angegeben, sagte er in einer auf seinem offiziellen Telegram-Kanal veröffentlichten Videobotschaft. Das hätten die Kommandeure an der Front ihm versichert. Die Militärstaatsanwaltschaft sei eingeschaltet worden, um in der Sache zu ermitteln.

Auch nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums erlitt die Einheit keine hohen Verluste. Dank des "kompetenten Handelns" der Kommandeure habe die Einheit nicht mehr als ein Prozent ihres Kampfpersonals verloren, und nicht mehr als sieben Prozent seien verwundet worden, erklärte das Ministerium am Montag. Die 155. Brigade führe seit mehr als zehn Tagen "effektive Angriffshandlungen" gegen ukrainische Streitkräfte und "ausländische Söldner" in Richtung der Stadt Wuhledar aus. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.

Wieder einmal hätten ihre Kommandeure die Einheit "in eine unverständliche Offensive" geworfen, nur damit die Befehlshaber Prämien erhielten oder zum "Helden Russlands" ernannt würden, hiess es in dem Schreiben der Soldaten an den Gouverneur der fernöstlichen Region Primorje. Infolge der "sorgfältig" geplanten Offensive der "grossen Feldherren" bei dem Ort Pawliwka im Gebiet Donezk habe die Einheit rund 300 Mann sowie die Hälfte ihrer Technik verloren. "Und das ist nur unsere Brigade."

Die Soldaten forderten die Entsendung einer unabhängigen Kommission - "nicht aus dem Verteidigungsministerium" -, um die Kommandeure ihrer Einheit zur Rechenschaft zu ziehen. Die Befehlshaber verheimlichten die tatsächlichen Verluste. Sie scherten sich um nichts. "Sie nennen Menschen Fleisch."

Der von den russischen Besatzern als Chef des annektierten Donezker Gebiets eingesetzte Denis Puschilin hatte am vergangenen Mittwoch von Kämpfen um Pawliwka berichtet. Am Sonntag erklärte das russische Verteidigungsministerium, dass bei russischen Angriffen und Artilleriebeschuss in der Gegend von Pawliwka 70 ukrainische Soldaten getötet und ukrainische Kampftechnik zerstört worden sei. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen. (dpa)

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Agentur: TV-Prominente Sobtschak nach Russland zurückgekehrt

  • 11:41 Uhr

Die prominente russische TV-Moderatorin und frühere Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak ist nach Informationen der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti nach Russland zurückgekehrt. Sobtschak sei am Sonntag über die baltische Republik Lettland eingereist, berichtete die Agentur am Montag unter Berufung auf Augenzeugen. Die 40-jährige hatte Russland Ende Oktober in Richtung Litauen verlassen. Staatliche Medien hatten berichtet, dass gegen Sobtschak ermittelt werde.

Die Journalistin ist die Tochter von Anatoli Sobtschak, der in den 1990er-Jahren als Bürgermeister von St. Petersburg politischer Mentor des heutigen Präsidenten Wladimir Putin war. Lange genoss Sobtschak daher in Russland mehr Freiheiten als andere liberale und prowestliche Prominente. Allerdings hatte die Justiz Ende Oktober zwei Vertraute Sobtschaks wegen angeblicher Erpressung festgenommen. Staatliche Medien hatten berichtet, dass die Justiz auch gegen sie vorgehe. (dpa)

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USA rufen Kiew zu Verhandlungsbereitschaft auf

Die USA haben der ukrainischen Regierung geraten, wieder Verhandlungen mit Russland aufzunehmen. Sie warnten vor einer "Ukraine-Müdigkeit" der westlichen Staaten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nur unter bestimmten Bedingungen zu Gesprächen mit Russland bereit.

Ukrainer und Russen werfen sich gegenseitig Beschuss und Zerstörung vor

  • 10:30 Uhr

Ukrainer und Russen haben sich nach neuem gegenseitigen Beschuss Zerstörung von ziviler Infrastruktur vorgeworfen. Am Montagmorgen hätten russische Truppen ein Dorf im Gebiet Saporischschja beschossen, sagte der Vizechef des Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko. 16 Objekte ziviler Infrastruktur seien dabei zerstört worden. Ein Mensch sei gestorben. Im Gebiet Sumy hätten die "russischen Terroristen" Grenzregionen beschossen. Dabei seien ein Mensch getötet und ein weiterer verletzt worden. Auch die Behörden in den von Russland besetzten Gebieten klagten über Beschuss von ukrainischer Seite.

In der von russischen Truppen kontrollierten Grossstadt Donezk wurde nach Angaben der Behörden die Zentrale der Eisenbahnverwaltung getroffen. Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti meldete, dass in dem Gebäude im Bezirk Woroschylivskyj ein Grossbrand ausgebrochen sei. Dies sollten Fotos, die die Stadtverwaltung veröffentlichte, bestätigen. Es gab keine Informationen zu Verletzten. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. (dpa/hau)

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Briten: Russische Luftwaffe kann Verluste nicht wettmachen

  • 10:19 Uhr

Russland könnte seine Lufthoheit über der Ukraine bald verlieren. Britische Geheimdienstexperten schätzen die Zahl der Verluste der russischen Luftwaffe als zu hoch ein. Im täglichen Update des britischen Verteidigungsministeriums hiess es auf Twitter: "Die russischen Flugzeugverluste übersteigen wohl ihre Fähigkeit, neue Flugwerke herzustellen, erheblich." Dies liege, so weiter, auch daran, dass die Ausbildung schlecht sei. Zudem fehle es an erfahrenen Besatzungsmitgliedern. Das werde sich auch in den kommenden Monaten nicht ändern.

Laut ukrainischen Angaben hat Russland 278 Flugzeuge verloren. Dies seien laut britischen Angaben doppelt so viele wie in Afghanistan. "Wir können diese Zahlen nicht verifizieren", so das britische Verteidigungsministerium, "aber das anhaltende Fehlen russischer Lufthoheit wird wahrscheinlich verstärkt durch schlechtes Training, den Verlust erfahrener Crews und erhöhte Risiken durch enge Luftunterstützung in mit engmaschiger Luftabwehr ausgestatteten Zonen." (hau)

Russen setzen Evakuierung fort: Explosionen in der Region Cherson

  • 10:04 Uhr

In der Region um die südukrainische Stadt Cherson ist es erneut zu schweren Kämpfen gekommen. Dort würden die ukrainischen Streitkräfte ihre Truppen konzentrieren, sagte der von Russland eingesetzte Vize-Verwaltungschef Kirill Stremoussow. Die Evakuierung der Region gehe weiter. Vor allem Menschen, die nicht selbst gehen könnten, sollten in Sicherheit gebracht werden. Teils gebe es Stromausfälle. An der Front sei die Lage unverändert, sagte Stremoussow.

Die Ukraine hatte immer wieder angekündigt, Stadt und Gebiet Cherson zu befreien. Die Zeitung "Kyiv Independent" berichtete von Explosionen.

Nach Darstellung des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte wurde in der Ortschaft Kachowka ein Gebäude zerstört, in dem sich rund 200 russische Soldaten aufhielten. Die Folgen dieses Angriffs würden von russischer Seite "sorgfältig verschleiert", so hiess es. Bei Radensk soll eine Kolonne gepanzerter russischer Fahrzeuge zerstört worden sein. (dpa/hau)

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Mit Material von dpa, Reuters und AFP

Die Ticker der vergangenen Tage zum Nachlesen:

Experten: Russische Rekruten bekommen kaum Ausbildung

Das russische Militär ist nach Ansicht britischer Experten durch den Angriffskrieg in der Ukraine mit der Ausbildung neuer Rekruten überfordert.