• 19:19 Uhr: ➤ Ukrainische Polizei: Folterkammern in befreiten Gebieten entdeckt
  • 18:46 Uhr: Putin kündigt weitere Angriffe an und droht Kiew
  • 15:32 Uhr: Generalstaatsanwalt von Luhansk stirbt nach Anschlag - Vize auch tot
  • 13:35 Uhr: Ukraine: Zehn "Folterräume" in zurückeroberten Gebieten in Ukraine entdeckt
  • 10:14 Uhr: Ukraine: Russland hat bisher 54.000 Soldaten im Krieg verloren
  • 08:16 Uhr: Wladimir Klitschko: Deutschland muss für Ukraine rasch mehr tun

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➤ Ukrainische Polizei: Folterkammern in befreiten Gebieten entdeckt

  • 19:19 Uhr

In den kürzlich von russischen Truppen befreiten Gebieten hat die ukrainische Polizei eigenen Angaben zufolge mehrere Folterstätten gefunden. "Nach Balaklija oder Isjum kommend sehen wir eine riesige Zahl von Verbrechen, die an der Zivilbevölkerung verübt wurden", sagte Polizeichef Ihor Klymenko laut einer Mitteilung vom Freitag. Es seien zehn Folterkammern entdeckt worden.

In der Stadt Balaklija seien während der russischen Besatzung bis zu 40 Menschen in der örtlichen Polizeistation festgehalten, erniedrigt und gefoltert worden, sagte Klymenko. "Es gab Folter, wir haben an den Händen der Leute Spuren von nackten Elektrodrähten gesehen, durch die bei Verhören Strom geschickt wurde." Es seien auch Hämmer und Schlingen gefunden worden. Seinen Worten zufolge gab es in Isjum noch sechs weitere Folterorte, die aber komplett zerstört worden seien.

In das Gebiet Charkiw seien nun zusätzliche 1000 Polizisten geschickt worden, die unter anderem an Kontrollpunkten arbeiten oder Ermittlungen durchführen, berichtete Klymenko. Insgesamt seien bereits über 200 Ermittlungsverfahren wegen möglicher russischer Kriegsverbrechen eingeleitet worden. Unter den Opfern seien auch zehn Medizinstudenten aus Sri Lanka. (dpa)

Die Lage im Überblick:

Seit 24. Februar führt Russland aus der Luft und am Boden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurz zuvor hatte Präsident Wladimir Putin das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiger Staat in Zweifel gezogen und die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine anerkannt.

Die ukrainische Armee wehrt sich seitdem nach Kräften gegen die Invasoren. Auf beiden Seiten gibt es Berichten zufolge Tausende Tote, wie viele Soldaten und Zivilisten bereits starben, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. Fakt ist: Die humanitäre Lage in der Ukraine spitzt sich mit jedem Tag zu. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat inzwischen mehr als 12,6 Millionen Grenzübertritte aus der Ukraine registriert (Stand: 13. September). Die Flüchtenden sind vor allem Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht verlassen dürfen.

Die EU und die USA reagierten mit Sanktionen. Ausserdem liefern sie der Ukraine Waffen, auch Deutschland unterstützt das Land mit Waffenlieferungen. Auch Panzer der Klasse Gepard soll die Ukraine aus Deutschland erhalten. Dass die Nato aktiv in den Krieg eingreift, gilt bislang als ausgeschlossen.

Die Meldungen vom 16. September

Putin kündigt weitere Angriffe an und droht Kiew

  • 18:46 Uhr

Ungeachtet der schweren Niederlage seiner Armee im Gebiet Charkiw hat Russlands Präsident Wladimir Putin weitere Angriffe auf ostukrainische Gebiete angekündigt. "Unsere Offensivoperationen im Donbass werden nicht ausgesetzt, sie gehen in geringem Tempo voran", sagte Putin am Freitagabend bei einer Pressekonferenz zum Abschluss eines Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) im zentralasiatischen Usbekistan. "Die russische Armee nimmt immer neue Gebiete ein", behauptete Putin.

Im usbekischen Samarkand äusserte sich Putin nun erstmals selbst zu den Erfolgen des Gegners. "Die Kiewer Führung hat erklärt, dass sie eine aktive Gegenoffensive begonnen hat und durchführt", sagte er. "Nun, schauen wir, wie diese sich entwickeln wird und womit sie endet."

Der Kremlchef warf der Ukraine zudem Anschlagsversuche gegen russische Atomkraftwerke vor - und drohte: "Falls sie letztendlich nicht verstehen, dass solche Methoden inakzeptabel sind, wird es eine Antwort geben." Bisher habe es Gegenschläge als Verwarnung gegeben. Wenn sich die Lage nicht ändere, werde die Antwort "härter" ausfallen.

Darüber hinaus sagte er: "Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass wir nicht mit der gesamten Armee kämpfen. Wir kämpfen nur mit einem Teil der russischen Armee, mit den Vertragssoldaten." (dpa)

Mindestens eine der in Isjum exhumierten Leichen an den Händen gefesselt

  • 16:33 Uhr

Mindestens eine der nahe der ukrainischen Stadt Isjum exhumierten Leichen weist gefesselte Hände auf. Ob es sich um einen Zivilisten oder einen Soldaten handelt, konnte wegen des Zustands der Leiche zunächst nicht festgestellt werden, wie ein AFP-Korrespondent vor Ort am Freitag berichtete. In einem Wald in der Nähe der von ukrainischen Truppen zurückeroberten Stadt im Osten des Landes waren nach Behördenangaben mehr als 440 Gräber entdeckt worden, darunter eines mit 17 Soldaten.

Die ukrainischen Behörden begannen am Freitag mit der Exhumierung der Leichen. Die Gräber seien während der Gefechte um die Einnahme Isjums durch Russland im März und während der russischen Besatzung ausgehoben worden, sagte Oleg Kotenko, der ukrainische Regierungsbeauftragte für die Vermisstensuche. (AFP)

Generalstaatsanwalt von Luhansk stirbt nach Anschlag - Vize auch tot

  • 15:32 Uhr

Im von Russland besetzten ostukrainischen Gebiet Luhansk sind örtlichen Angaben zufolge hochrangige Mitglieder der von Moskau gelenkten Separatisten bei einem Anschlag getötet worden. "Heute starben im Ergebnis eines Terrorakts der Generalstaatsanwalt Sergej Gorenko und seine Stellvertreterin Jekaterina Steglenko", schrieb der Chef der Luhansker Separatisten, Leonid Passetschnik, am Freitag bei Telegram. Örtliche Medien hatten zuvor von einer Explosion im Gebäude der Staatsanwaltschaft berichtet.

Passetschnik machte die Regierung in Kiew für den Anschlag verantwortlich. Der externe Berater des ukrainischen Präsidentenbürochefs, Mychajlo Podoljak, wies hingegen eine Beteiligung zurück. Die "Liquidierung" sei als Auseinandersetzung innerhalb der örtlichen Kriminalität anzusehen, schrieb Podoljak auf Twitter.

Mit russischer Unterstützung hatten Separatisten bereits 2014 Teile von Luhansk sowie des Nachbargebiets Donezk von der Ukraine abgespalten. Anfang dieses Jahres erkannte Russland beide Regionen unter internationalem Protest als unabhängige "Volksrepubliken" an - und marschierte am 24. Februar ins Nachbarland ein.

Einen Anschlag gab es unterdessen offenbar auch in der von Russland besetzten südukrainischen Hafenstadt Berdjansk. Russischen Angaben zufolge wurden dort der Vizechef der Besatzungsverwaltung, Oleg Boiko, und seine Frau Ljudmila ermordet. (dpa)

Ukraine: Zehn "Folterräume" in zurückeroberten Gebieten in Ukraine entdeckt

  • 13:35 Uhr

In von Russland zurückeroberten Gebieten im Nordosten der Ukraine sind nach Angaben der ukrainischen Polizei mindestens "zehn Folterräume" entdeckt worden. "Bis zum heutigen Tag kann ich von mindestens zehn Folterräumen in Orten der Region Charkiw sprechen", sagte der nationale Polizeichef Igor Klymenko am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Allein zwei seien in der kleinen Stadt Balaklija entdeckt worden.

Die Behörden hätten in 204 Fällen Ermittlungen wegen möglicher Kriegsverbrechen der russischen Streitkräfte in der vergangenen Woche eingeleitet, fügte Klymenko hinzu. Der russischen Armee wird seit Monaten vorgeworfen, in den besetzten Gebieten in der Ukraine Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Zuletzt wurden nach ukrainischen Angaben in der Nähe der zurückeroberten Stadt Isjum im Osten des Landes hunderte Gräber gefunden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Donnerstagabend von der Entdeckung eines "Massengrabs" in Isjum, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen. (AFP)

Scholz: Härtere Reaktion auf Annexion der Krim wäre richtig gewesen

  • 12:48 Uhr

Bundeskanzler Olaf Scholz würde im Rückblick anders auf die russische Annexion der Krim 2014 reagieren. "Ich will sehr klar sagen, dass es vermutlich mindestens im Nachhinein völlig richtig gewesen wäre, härter auf die Annexion der Krim zu reagieren", sagte der SPD-Politiker am Freitag auf einer Tagung der Bundeswehr in Berlin. Dann hätte sich die Idee, einen solchen Angriff auf die Ukraine noch einmal zu versuchen, vielleicht nicht so stark im Kopf des russischen Präsidenten Wladimir Putin festgesetzt, sagte Scholz.

Die internationale Gemeinschaft hatte nach der Annexion der Schwarzmeer-Insel Sanktionen 2014 gegen Russland verhängt. Deutschland brach die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu Russland allerdings nicht ab. (dpa)

Lesen Sie auch: Selenskyj bekräftigt Ziel einer Rückeroberung der Krim

Russische Besatzer melden ukrainischen Raketenangriff auf Cherson

  • 12:26 Uhr

In der südukrainischen Grossstadt Cherson ist nach russischen Angaben ein Gebäude der Besatzungsverwaltung mit Raketen angegriffen worden. Russischen Agenturen zufolge schlugen am Freitag fünf ukrainische Raketen in dem Gebäude ein. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet und einer verletzt worden, hiess es. Unabhängig überprüft werden konnte das zunächst nicht.

Aussagen des Vizechefs der Besatzungsverwaltung zufolge wurde dessen Arbeitszimmer zerstört. Seine Kollegin Katerina Gubarewa teilte mit, zum Zeitpunkt des Angriffs habe eine Beratung der Leiter der Stadt- und Gemeindeverwaltungen der russischen Besatzer stattgefunden.

Cherson ist die einzige ukrainische Provinzhauptstadt, die die russischen Truppen seit dem Beginn des Angriffskriegs am 24. Februar erobert haben. Ukrainische Militärs wollen die Stadt am Fluss Dnipro, in der vor dem Krieg rund 300.000 Menschen lebten, noch bis Jahresende zurückerobern. (dpa)

Vermisstenbeauftragter: Grabfunde in Isjum wohl kein neues Butscha

  • 11:06 Uhr

Bei den Leichenfunden in der befreiten ostukrainischen Kleinstadt Isjum handelt es sich Aussagen des ukrainischen Vermisstenbeauftragten zufolge nicht um ein Massengrab, sondern um viele Einzelgräber. "Ich möchte das nicht Butscha nennen - hier wurden die Menschen, sagen wir mal, zivilisierter beigesetzt", sagte Oleh Kotenko dem TV-Sender Nastojaschtschee Wremja in der Nacht zum Freitag.

Ende März waren in dem Kiewer Vorort Butscha nach dem Abzug russischer Truppen Hunderte getötete Zivilisten teils mit Folterspuren gefunden worden. Butscha gilt seitdem als Symbol für schwerste Kriegsverbrechen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der am 24. Februar begann.

Die Menschen in Isjum wiederum seien wohl gestorben, als Russlands Truppen die Stadt im Zuge der Eroberung Ende März heftig beschossen hätten, sagte Kotenko. "Die Mehrzahl starb unter Beschuss, wir haben das den Daten nach bereits verstanden: Die Menschen kamen um, als sie (die Russen) die Stadt mit Artillerie beschossen", sagte Kotenko. Die Bestattungsdienste hätten zum Teil nicht gewusst, wer die vielen toten Menschen seien. Deshalb stünden auf einigen Kreuzen nur Nummern. Derzeit bemühten sich die Behörden, ein Register mit den Fundorten der Leichen zu finden. (dpa)

Ukraine: Russland hat bisher 54.000 Soldaten im Krieg verloren

  • 10:14 Uhr:

Nach ukrainischen Schätzungen haben bisher rund 54.000 russische Soldaten im Krieg gegen die Ukraine ihr Leben gelassen. Zudem soll das russische Militär rund 2.000 Panzer und 1.300 Artillerie-Einheiten eingebüsst haben, so das ukrainische Onlinemedium "The Kyiv Independent" via Twitter.

Das Verteidigungsministerium in London spricht indessen von "immer gravierender" werdenden Auswirkungen durch den Personalmangel im russischen Militär. Es werden "kritische Engpässe" in der Infanterie und bei dem Offiziersnachwuchs vermutet, heisst es in dem täglichen Update zum Ukraine-Krieg am Freitag.

Die Behörde verwies auf ein Video, das den kremlnahen Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin beim Anwerben von Sträflingen in einem Gefängnis zeigen soll. Prigoschin gilt als Financier der russischen Söldnergruppe "Wagner". "In dem Video betont Prigoschin, dass er nur "Kämpfer für Angriffstruppen" suche", so das Ministerium. Diese Kampagne laufe mindestens seit Juli. Gefangenen würden Strafnachlässe und Geld geboten.

Ausserdem würden die russischen Militärakademien die Ausbildungskurse für die Kadetten kürzen und Abschlusstermine vorziehen. "Dies geschieht mit ziemlicher Sicherheit, damit Kadetten eingesetzt werden können, um die Operation in der Ukraine zu unterstützen", hiess es. (ari/dpa)

Wladimir Klitschko: Deutschland muss für Ukraine rasch mehr tun

  • 08:16 Uhr:

Ex-Schwergewichts-Boxweltmeister Wladimir Klitschko hat die Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) eindringlich aufgefordert, bei Waffenlieferungen an die Ukraine rasch mehr zu tun. "Nur mit modernen Waffen, mit moderner Technologie, können wir diesen Krieg stoppen und Russland stoppen", sagte der 46-Jährige am Donnerstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Deswegen sei es notwendig, dass Leopard-2-Kampfpanzer geliefert würden und auch Schützenpanzer vom Typ Marder. "Der Westen, diese freie Welt, bewegt sich viel zu langsam", beklagte Klitschko.

Auf die Frage, ob sich die Bundesregierung stärker für eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU und in der Nato einsetzen solle, sagte Klitschko, Deutschland müsse sich bei vielen Dingen stärker einsetzen. "Deutschland ist die Mitte, der Motor - nicht nur der wirtschaftliche Motor - der Europäischen Union", teils auch der Welt. Die Deutschen müssten den Mut haben, dies zu erkennen. Die EU schaue darauf, wie Deutschland reagiere. "Deshalb ist es ganz wichtig, Farbe zu bekennen", verlangte Klitschko von der Bundesregierung. Deutschland müsse zügiger agieren und dürfe "nicht nur davon reden". (dpa)

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Mit Material von dpa, Reuters und AFP

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