Die Präsidentschaftswahl in den USA rückt immer näher. Doch wie stehen der amtierende Präsident Trump und sein Rivale Biden zu den Kernfragen des Wahlkampfs? Die Unterschiede in den Wahlprogrammen zu Themen wie Corona und Co.

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Am 3. November wählen die USA ihren 46. Präsidenten. Die Kandidaten: Amtsinhaber Donald Trump für die Republikaner und Joe Biden für die Demokratische Partei. Polizeigewalt, Corona, Migration – das sind ihre Wahlprogramme.

Donald Trump vs. Joe Biden: So reagieren die Präsidentschaftskandidaten auf Polizeigewalt in den USA

Donald Trump: Die gewaltsame Tötung des Afro-Amerikaners George Floyd sorgte für gesellschaftliche Unruhen in den USA. Trump unterschrieb daraufhin ein Dekret über eine Polizeireform, die Kritikern nicht weit genug geht. Demnach sollen Polizisten den Würgegriff nur noch anwenden, wenn sie ihr eigenes Leben bedroht fühlen. Aggressives Verhalten von Polizisten soll zudem besser dokumentiert werden.

Joe Biden: Der Kandidat der Demokraten traf sich mit der Familie des getöteten Floyd. Nach den sieben Schüssen in den Rücken des schwarzen Amerikaners Jacob Blake durch einen Polizisten besuchte der 77-Jährige auch den Tatort Kenosha. "Der tiefsitzende Rassismus ist institutionalisiert in den USA, er existiert immer noch, schon seit 400 Jahren", sagte Biden. Er ist als ehemaliger Vize des schwarzen Ex-Präsidenten Barack Obama bei der afro-amerikanischen Bevölkerung beliebt und versprach, die "Ursünde" Amerikas - den Rassismus - anzugehen.

Präsidentschaftswahl in den USA: So unterscheidet sich die Corona-Politik von Donald Trump und Joe Biden

Trump: Ein Interview mit dem Enthüllungsjournalisten Bob Woodward brachte den US-Präsidenten in Erklärungsnot. Daraus geht hervor, dass Trump über die Gefahren durch das Coronavirus schon im Februar unterrichtet war. Der 74-Jährige behauptete daraufhin: "Ich wollte es immer herunterspielen." Angeblich, um keine Panik zu verbreiten. Trump geht das Thema global an, gibt China die Schuld und will pauschal eine Billion Dollar investieren.

Biden: Der Präsidentschaftskandidat befolgt die Corona-Regeln und trägt öffentlich immer Mundschutzmaske. Biden kritisiert die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen wegen Corona und fordert einen Lohnzuschlag von 13 Dollar für Arbeiter, die in ihren Jobs den Gefahren durch Covid-19 besonders ausgesetzt sind. Bei Twitter warf er Trump wegen dessen Coronavirus-Politik "Verrat am amerikanischen Volk auf Leben und Tod" vor.

Donald Trump vs. Joe Biden: Worum es ihnen beim Thema Migration geht

Trump: Er steht für eine restriktive Einwanderungspolitik, versprach den erzkonservativen Wählern eine Mauer an der Grenze zu Mexiko – und lässt diese in Abschnitten bauen. Fertiggestellte Sperranlagen, zum Beispiel in Arizona, wirken wuchtig. "Das ist wirklich narrensicher. Das ist solider Stahl und Beton innerhalb des Stahls. Wir haben also sehr festen Beton innerhalb des Stahls. Das ist, was Sie wollten. Das ist, was wir gemacht haben", sagte der US-Präsident bei einem Medientermin an der Mauer.

Biden: Ein emotionaler Wahl-Spot auf Twitter lässt seinen Ansatz erahnen. Amerika sei "eine Idee", die den "meisten verzweifelten Menschen auf der Erde Hoffnung" gebe, sagt Biden in dem Video-Einspieler: "Ganz gleich, ob es sich um Einwanderer aus früheren Generationen handelt oder um solche, die heute kommen und ein besseres Leben für ihre Familien aufbauen wollen." Biden zeigt sich auffällig häufig neben gesellschaftlichen Vertretern mit Migrationshintergrund. Ihre Wählerstimmen will er gewinnen, daran gibt es keinen Zweifel.

US-Wahl: Die Gesundheitspolitik von Donald Trump und von Joe Biden

Trump: Der Republikaner hat die allgemeine Krankenversicherung seines Vorgängers, "Obamacare", Stück für Stück abgebaut und stattdessen den Wettbewerb auf dem privaten Versicherungsmarkt gefördert. Die Folge: Viele Amerikaner verloren in der Corona-Krise nicht nur ihre Jobs, sondern auch ihre Krankenversicherungen. Das Gesundheitssystem wirkt unter ihm überfordert. "Ganzen Krankenhaussystemen im Nordosten der USA mangelt es an Masken, Desinfektionsmitteln, Kitteln, Hygienetüchern", erklärte die US-Notärztin Megan Ranney im Interview t-online.de zur Corona-Pandemie.

Biden: Eine rein staatliche Krankenversicherung, die viele Demokraten wollen, taucht in seinem Wahlprogramm nicht auf. Aber: Biden schwebt eine Mischung vor. So will er private Krankenversicherungen um eine staatliche Variante erweitern. Als Obama den Care Act am 23. März 2010 unterschrieb, stand Biden neben ihm. Jetzt will er von "Obamacare" retten, was noch davon übrig ist.

US-Präsidentschaftswahl: Riesige Unterschiede in der Wirtschafts- und Sozialpolitik

Trump: Der Republikaner versprach den Amerikanern Millionen neue Jobs. Laut Augsburger Allgemeinen war die Quote an neuen Jobs unter Vorgänger Obama aber höher. Trump setzt trotzdem weiter auf Strafzölle gegen die Europäische Union (EU) und China.

Biden: Der Demokrat will den Mindestlohn auf 15 Dollar verdoppeln. Und Biden möchte bei einem Wahlsieg die Bürger und Unternehmen höher besteuern. Laut Welt geht die Tax-Foundation von fast vier Billionen Dollar mehr in zehn Jahren aus. "Vereinfacht gesagt, steht Joe Biden wirtschaftspolitisch vor allem für vier Dinge: höhere Steuern, weitere Regulierung, Ausweitung des staatlichen Gesundheitswesens und Massnahmen gegen den Klimawandel", erklärte der Ökonom Patrick Franke der Zeitung die Welt.

Wahl zum US-Präsidenten: So denken Donald Trump und Joe Biden über Klimaschutz

Trump: Klimaschutz spielt in Trumps Wahlprogramm eine ziemlich untergeordnete Rolle. Mehr noch: Er verneint einen durch menschliches Handeln hervorgerufenen Klimawandel.

Biden: Der Herausforderer, der in Umfragen zwischenzeitlich klar vorne lag, möchte 1,5 Billionen Dollar investieren, um die USA bis 2050 klimaneutral zu machen. Zudem spricht er sich für eine Rückkehr ins Pariser Klimaabkommen aus, das Trump 2019 aufkündigte.

Verwendete Quellen:

  • Augsburger Allgemeine: US-Wahl 2020: Das sind die Wahlprogramme von Trump und Biden
  • F.A.Z.: „Der tiefsitzende Rassismus ist institutionalisiert in Amerika“
  • F.A.Z.: "Trump lobt die Mauer zu Mexiko"
  • Tagesschau: „Ich wollte es immer herunterspielen“
  • t-online.de: „Ich fürchte, es müssen noch mehr sterben, bis wir lernen“
  • Twitter: Account von Joe Biden
  • Welt: "3,8 Billionen Dollar mehr Steuern? Was Biden mit dem Geld vorhat"
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