• Die Formel 1 wird am 8. Mai 2022 zum ersten Mal ein Rennen in Miami austragen.
  • Die Königsklasse feiert sich rund um die Strecke am Stadion von NFL-Team Miami Dolphins selbst.
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum aussergewöhnlichen Grand Prix.

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Die Sprüche liessen nicht lange auf sich warten. Durchaus zurecht, muss man dazu sagen. Denn die Beach-Sektion mit Palmen und Strand sowie einem imitierten Yacht-Hafen inklusive Fake-Wasser wirkt dann sogar für US-Verhältnisse etwas seltsam. Doch die Macher des Formel-1-Rennens in Miami putzen ihren GP heraus und übertreiben es an der einen oder anderen Stelle etwas. Deshalb sieht das aufgemalte Wasser tatsächlich wie bei "Super Mario 64" aus, wie ein Fan auf Twitter anmerkte.

Doch das ist in gewisser Weise ein wichtiger Part für die Zukunft: Im Big Business Formel 1 dürfen Glanz und Glamour sowie ein bisschen "Bling Bling" nicht fehlen, vor allem nicht in den USA, wo den Möglichkeiten bekanntlich keine Grenzen gesetzt sind. Für Traditionalisten mag das Rennen rund um das Hard Rock Stadium der Miami Dolphins ein Verrat an den Grundsätzen der Formel 1 sein, für Besitzer Liberty Media ist es ein Prestigeobjekt. Wir beantworten alle wichtigen Fragen zum Rennen.

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Was zeichnet die Strecke aus?

Das Miami International Autodrome ist eine 5,412 Kilometer lange temporäre Rennstrecke rund um das Hard Rock Stadium, der Heimat des NFL-Teams Miami Dolphins. Sie umfasst 19 Kurven, zwölf Links- und sieben Rechtskurven, darunter sind viele langsame und auch viele sehr schnelle Kurven. In der Spitze sollen die Autos bis zu 324 km/h erreichen, die Durchschnittsgeschwindigkeit soll rund 220 km/h betragen.

Das Drumherum spielt eine zentrale Rolle

Wie bei Stadtkursen üblich, dürfte der Einsatz eines Safety Cars sehr wahrscheinlich sein. Denn die Strecke ist im Vergleich zu normalen, permanenten Rennstrecken an einigen Stellen sehr eng. Dort ist es weitaus schwieriger, Autos oder Trümmerteile zu entfernen.

Es wird an so einem Rennwochenende aber nicht nur gefahren, weshalb das Drumherum mindestens genauso wichtig ist. Neben der erwähnten Marina gibt es zum Beispiel noch eine Reihe von Konzerten von Musikstars wie Post Malone, Kygo und The Chainsmokers. Die Promi-Liste soll eine ähnlich illustre sein wie beim Super Bowl. Sehen und gesehen werden ist das Motto.

Wie sieht es mit Überholen aus?

Monaco ist als Stadtkurs-Klassiker dafür bekannt, dass die Pole Position die halbe Miete ist, weil quasi nicht überholt werden kann. In Miami sieht das laut Simulator aber anders aus.

"Ich war überrascht, welch gute Überholmöglichkeiten sich ergeben. Da ist offensichtlich sehr gründlich nachgedacht worden. Das sollte gutes, altes Rennfahren werden", sagt Alfa-Romeo-Pilot Valtteri Bottas. AlphaTauri-Fahrer Pierre Gasly: "Ich mag das Layout. Es bietet überraschend viele Highspeed-Passagen, atypische Kurven, lang gezogene Bögen und zwei hervorragende Überholmöglichkeiten."

Technische Bereiche und drei DRS-Zonen: Was sind die Schlüsselstellen?

Insgesamt gibt es auf der Rennstrecke drei lange Geraden mit DRS-Zonen, die jeweils in langsame Kurven münden, wodurch sich wiederum gute Überholmöglichkeiten ergeben sollten. Kurve 11 und Kurve 17 werden wahrscheinlich die Schlüsselstellen sein, auf die man achten muss. Der Bereich der Kurven 13 bis 16 ist zudem sehr technisch und nicht weit von der Mautautobahn "Florida's Turnpike" entfernt.

Was sagen die Fahrer sonst?

"Das ist schon eine Herausforderung. Es gibt viele Strecken, die wir mittlerweile sehr gut kennen. Die ich im Kopf quasi auswendig fahren kann", sagte McLaren-Mann Daniel Ricciardo. Zur Vorbereitung blieb den Piloten nur der Simulator und da das Rennen zusätzlich auch noch mitten in der Stadt ausgetragen wird, "wird es der Wahnsinn werden", so Ricciardo.

Auch bei Lewis Hamilton ist die Vorfreude gross. "Das ist ein riesiges Ereignis für uns", sagte der siebenmalige Weltmeister. "Ich habe nie verstanden, warum die Leute sich hier nicht für die Formel 1 interessiert haben. Es ist einfach toll zu sehen, dass wir das geknackt haben und es eine wachsende Liebe in den Staaten gibt", sagt Hamilton. Auch Haas-Pilot Mick Schumacher freut sich: "Ich finde es grossartig, dass wir in gewisser Weise immer amerikanischer werden, denn die Fans sind super, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort bin."

Warum gibt es überhaupt ein zweites US-Rennen?

Weil die Formel 1 in den USA boomt wie nie und die Macher von Liberty Media dies in ihrer Heimat maximal ausnutzen wollen. Miami wurde mit einem Zehnjahres-Vertrag ausgestattet, seit 2012 macht die Formel 1 zudem in Austin Station. 2023 kommt sogar noch ein dritter WM-Lauf in den Staaten hinzu, dann fährt die Königsklasse auch in Las Vegas.

Hype in den USA

Der Grund für den Hype ist vor allem die Netflix-Doku "Drive to Survive", die in den USA ein grosser Erfolg ist. "Die USA sind ein wichtiger Wachstumsmarkt für uns", erklärt Formel-1-Boss Stefano Domenicali: "Wir wollen den amerikanischen Markt zum bedeutendsten Markt der Königsklasse machen. Wir werden zwar nicht vergessen, dass Europa unser Geburtsort ist, aber die Formel 1 ist heute ein globaler Sport."

Wie gross ist das Interesse tatsächlich?

"Ich habe noch nie bei einem Grand Prix das Ausmass an Sponsorenengagement, Aktivitäten, Hospitality-Anfragen und Anfragen von Prominenten gesehen", sagte McLaren-Boss Zak Brown: "Für mich fühlt es sich sehr nach dem Super Bowl an, der das grösste Event des Jahres ist."

In nur 40 Minuten waren die Tickets für den Grand Prix ausverkauft, die günstigsten Karten haben über 600 Dollar gekostet, die teuersten Karten gab es für 2.000 Dollar.

Wann wird gefahren?

Vor Ort am frühen beziehungsweise späten Nachmittag, was aufgrund der Zeitverschiebung dazu führt, dass es bei uns Abend ist, wenn Training, Qualifying und Rennen ausgetragen werden. Konkret steigt das Qualifying ab 22 Uhr MESZ, das Rennen ab 21.30 Uhr MESZ.

Formel 1 live im TV: Wer überträgt in Deutschland?

Wie üblich berichtet der Pay-TV-Sender Sky in Deutschland exklusiv von der Formel 1. Zwar zeigt auch der Privatsender RTL 2022 vier Rennen live, der Miami-GP gehört aber nicht dazu.

Wie sieht das Kräfteverhältnis aus?

Red Bull Racing und Ferrari befinden sich mehr oder weniger auf Augenhöhe, zuletzt in Imola siegte Weltmeister Max Verstappen, die Gesamtwertung führt weiterhin Ferrari-Star Charles Leclerc an.

Für Verstappen ist Miami aus sportlicher Sicht "ein grosses Fragezeichen. Das wird sicher ein Experiment für einige Leute. Hoffentlich sehen wir dort gut aus, aber wissen tun wir es jetzt noch nicht. Es könnte auch ganz anders ausgehen."

Verwendete Quellen:

  • Pressekonferenzen
  • TV-Übertragung
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