• Audi und Porsche arbeiten an einem Einstieg in die Formel 1 für die Saison 2026.
  • VW-Chef Herbert Diess kündigte an, man wolle auch deutsche Fahrer in die Cockpits setzen.
  • Wir haben uns einige mögliche Kandidaten angeschaut.
Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzung des Autors einfliesst. Hier finden Sie Informationen über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Unverhofft kommt in der Formel 1 oft: Mit dem möglichen Einstieg von VW in die Königsklasse würden für deutsche Fahrer Türen aufgehen. "Ich gehe davon aus, dass wir versuchen werden, in unseren zwei Teams sicher auch deutsche Fahrer zu beschäftigen", kündigte VW-Chef Herbert Diess zuletzt im Rahmen der Veranstaltung "Dialog mit Diess" an.

Wenn Audi und Porsche in der Startaufstellung stehen – welche deutschen Fahrer kommen dann in Frage? Wir machen den Kandidaten-Check.

Sebastian Vettel

Es wird enorm viel über Sebastian Vettels Zukunft spekuliert, denn der Deutsche fährt mit einem chancenlosen Aston Martin vor allem um die goldene Ananas. Sein Vertrag mit Aston Martin läuft nach dieser Saison aus, ausserdem kümmert sich der viermalige Weltmeister intensiv um gesellschaftliche Themen abseits der Rennstrecke wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Hat er bald keine Lust mehr auf den Königsklassen-Zirkus?

"Ich habe noch keine Entscheidung über meine Zukunft getroffen, aber ich wurde verwöhnt, weil ich einst an der Spitze gefahren bin und weiss, dass sich das grossartig anfühlt", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Ausserhalb der Top Ten zu landen sei nicht das, wofür er da sei, sagte Vettel: "Ich will gewinnen."

Nicht auszuschliessen, dass die im Moment kolportierte Audi-Übernahme von Aston Martin etwas ist, an dem sich Vettel noch einmal hochziehen kann. Denn es wäre dann irgendwo auch sein Baby. Ein Problem dabei: Er ist mit bald 35 nicht mehr der Jüngste.

Nico Hülkenberg

Auch Nico Hülkenberg ist mit 34 Jahren nicht mehr der junge Hüpfer, er hat zuletzt als Corona-Ersatz von Vettel aber bewiesen, dass er sogar ohne grosse Vorbereitung schnell sein kann. Er hat mit Porsche 2015 den Langstreckenklassiker in Le Mans gewonnen, aktuell ist er zudem Ersatzfahrer bei Aston Martin. Hülkenberg kann beim Aufbau eines Projekts mit seiner Erfahrung und Expertise helfen. Und dann am Ende auch im Cockpit sitzen.

Hülkenberg ist generell sehr realistisch, was weitere Chancen in der Königsklasse angeht, nachdem er Vettel in den ersten beiden Rennen vertrat. "Natürlich bin ich mir bewusst, dass es schwierig wird, noch einmal einen Stammfahrerplatz zu bekommen. Aber wenn sich eine Gelegenheit ergibt, ruft mich an!", sagte er. Vielleicht ist der VW-Einstieg so eine Gelegenheit?

Mick Schumacher

Wie sagt man heutzutage im Business-Sprech so schaurig schön? Mick Schumacher wäre bei einem Einstieg von Audi und Porsche ein "No-Brainer". Ein klarer Fall also. Denn Schumacher wäre für ein deutsches Formel-1-Projekt DAS Zugpferd. Die Zeit bis zum Einstieg spielt ihm in die Karten, denn Schumacher, der 2022 seine zweite Saison in der Formel 1 bei Haas fährt, wäre zum Zeitpunkt des Einstiegs 27 Jahre alt und dann auch dementsprechend erfahren.

Zwei Fragezeichen gibt es allerdings: Hat Schumacher die Qualität? Er gerät aktuell nach seinem Crash in Miami, wo er sichere Punkte wegwarf, etwas unter Druck. In den kommenden Monaten muss er sich mindestens bei Haas gegen den Teamkollegen Kevin Magnussen durchsetzen und endlich Punkte einfahren. Ausserdem ist Schumacher Ferrari-Junior. Auch da muss man sehen, ob der Weg überhaupt weg von der Scuderia führt.

David Schumacher

Für die deutschen Formel-1-Fans wäre das eine Traum-Konstellation: ein Schumacher-Doppel bei einem Team. Denn auch David Schumacher, Sohn von Ex-Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher, träumt davon, in die Fussstapfen seines Papas zu treten.

Micks Cousin musste vor der Saison den Aufstieg in die Formel 2 zurückstellen, es fehlten die Sponsoren und das Geld, um das teure Cockpit in der Nachwuchsklasse zu finanzieren. David geht daher in dieser Saison in der DTM an den Start, um sich für weitere Aufgaben zu empfehlen. Sein Auftakt-Wochenende in Portimao zuletzt verlief ordentlich.

Die Formel 1 ist vorerst weit weg, Schumacher möchte sich "erst einmal auf 2022 konzentrieren", wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagte. "Ich denke an das Hier und Jetzt. Was danach kommt, ist erst einmal egal", sagte er. Er hat allerdings auch noch jede Menge Zeit, denn er wäre 2026 gerade einmal 24 Jahre alt.

Pascal Wehrlein

Als aktueller Porsche-Mann liegt es auf der Hand, dass er nicht nur die erste, sondern auch eine logische Wahl wäre. Wehrlein war bereits 2016 und 2017 in der Formel 1 unterwegs, damals ging er für die Hinterbänkler Manor und Sauber an den Start und war dementsprechend wenig erfolgreich. Er galt immer als riesiges Talent, ihm fehlte allerdings an der einen oder anderen Stelle auch das Glück, mal zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Seit 2018/19 ist Wehrlein in der Formel E am Start, seit 2020 für Porsche. Er fuhr für die Marke zuletzt den ersten Sieg in der Elektro-Rennserie ein, er kann in dieser Saison durchaus auf den WM-Titel hoffen. 2026 wäre er mit 31 Jahren in einem guten Alter, um noch einmal das Abenteuer Formel 1 anzugehen.

Andre Lotterer

Und der Teamkollege? Andre Lotterer hat auch schon Formel-1-Erfahrung, fuhr 2014 im Rahmen einer ebenso überraschenden wie spektakulären Aktion ein Rennen für Caterham, schied nach zwei Runden aber aus.

Lotterer ist ein Tausendsassa, Le-Mans-Sieger, Langstrecken-Weltmeister, ein Routinier, wie er im Buche steht. Fährt in der Formel E seit 2017 und seit 2019 für Porsche. Der einzige Haken ist dann auch das Ausschlusskriterium: Er wäre 2026 bereits 44 Jahre alt. Wohl daher eher einer für eine andere Rolle im Formel-1-Projekt.

Sophia Flörsch

Eine Option wäre theoretisch auch Sophia Flörsch, die im Moment in der European Le Mans Series unterwegs ist und 2022 in den Formelsport zurückkehren möchte. Denn sie träumt weiterhin von der Formel 1.

"Ich bin ja erst 21 Jahre alt und im Motorsport ändert sich alles wahnsinnig schnell. In vier bis fünf Jahren redet ihr dann mit einer Formel-1-Fahrerin", sagte Flörsch kürzlich in einem Xing-Interview. Auf ihr Lieblingsteam angesprochen, schwärmte sie von "Ferrari, denn für dieses Team sind schon Rennlegenden wie Michael Schumacher gefahren und Ayrton Senna träumte davon. Das wäre ein Traum". Sicher ist: Bei Audi und Porsche würde sie definitiv auch nicht "Nein" sagen.

Maximilian Günther

Maximilian Günther hatte auch den grossen Traum von der Formel 1, als er 2018 für Arden in der Formel 2 fuhr. Damals feierte er einen Sieg und einen Podestplatz, mehr als Gesamtplatz 14 war für ihn aber nicht drin. Auf das Saisonfinale verzichtete er damals, weil er für Dragon in die Formel E einstieg. Seitdem träumt der 24-Jährige dort vom Titel. Vor der aktuellen Saison wechselte er von Aussteiger BMW zu Nissan. Smart, schnell und somit auch ein Kandidat.

Mehr Formel-1-Themen finden Sie hier

Verwendete Quellen:

  • Xing.com: Flörsch: Sophia Flörsch: „In vier Jahren sprecht ihr mit einer Formel-1-Fahrerin!“
  • waz-online.de: "Dialog mit Diess" - Das Video zur Veranstaltung

"Ich bin ein Heuchler": Sebastian Vettel spricht offen über inneren Konflikt

Formel-1-Profi Sebastian Vettel empfindet einen Konflikt zwischen seinem Beruf und seinem Engagement für den Umweltschutz. "Ein Auto zu fahren, ist meine Leidenschaft, und jedes Mal, wenn ich in ein Auto steige, liebe ich es", sagte Vettel am Donnerstagabend in der Talksendung "Question Time" beim britischen Sender BBC. "Wenn ich aus dem Auto aussteige, denke ich natürlich auch: Ist das etwas, was wir machen sollten - um die Welt reisen und Ressourcen verschwenden?" Fotocredit: picture alliance/Anadolu Agency