• Der 1. FC Köln sichert sich über die Relegation den Klassenerhalt und beschert Trainer Friedhelm Funkel den perfekten Abschied.
  • Funkel lobt nach dem 5:1 im Rückspiel die Mentalität seiner Spieler.
  • 2.334 Zuschauer sorgten im Holstein-Stadion für eine tolle Atmosphäre.

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Ein schöneres Ende seiner Trainerlaufbahn hätte sich Friedhelm Funkel nicht wünschen können. Er lächelte in sich hinein, als seine Spieler den Klassenerhalt feierten. Nachdem der 1. FC Köln das Relegations-Hinspiel gegen Holstein Kiel noch mit 0:1 verloren hatte, folgte im Rückspiel ein spektakuläres 5:1.

Der 67-Jährige war Mitte April aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um den damals auf einem direkten Abstiegsplatz befindlichen Verein in der Liga zu halten - mit Erfolg.

Dafür bekam er von seinem Flügelspieler Marius Wolf eine Bierdusche verpasst. "Das war sehr nass, und es riecht nicht schön. Ich stinke richtig", sagte Funkel, der dies allerdings gerne in Kauf nahm.

Funkel bedankt sich für das Abschiedsgeschenk

"Das war der Abschluss, den ich mir wirklich gewünscht hatte. Dass die Mannschaft mir dieses Abschiedsgeschenk gemacht hat, werde ich ihr nie vergessen", sagte Funkel und fügte hinzu: "Wir sind verdient in der Liga geblieben."

Bereits vor dem Spiel war rund um das Stadion zu spüren, was für eine brisante Partie in Kiel stattfinden würde. 2.334 Zuschauer hatten Zutritt in das Holstein-Stadion. Schätzungsweise genauso viele Fans versammelten sich vor dem Stadion, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Darunter befanden sich auch etwa 250 Kölner, die die fünfstündige Anfahrt auf sich genommen hatten. Ein Grossaufgebot an Polizisten trennte die beiden Fanlager, die aufgrund der jeweiligen Trikots klar zu unterscheiden waren. Die Atmosphäre erinnerte an eine Zeit, als es Corona noch nicht gab.

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Funkel: "Einfach toll, wieder Zuschauer im Stadion zu haben"

Auch im Stadion herrschte eine ausgelassene Stimmung. Der Stadionsprecher verlas die Vornamen der Kieler Spieler, die Fans riefen voller Enthusiasmus die Nachnamen. "Es war einfach toll, wieder Zuschauer im Stadion zu haben", freute sich Funkel. Auch auf dem Spielfeld ging es ordentlich ab.

Innerhalb von gut fünf Minuten fielen drei Tore. Jonas Hector traf für Köln, Jae-sung Lee für Kiel, dann Sebastian Andersson für Köln. In der 13. Minute erhöhte Andersson auf 3:1. Als Rafael Czichos in der 39. Minute zum 4:1 traf, glich das einer Vorentscheidung.

Die wenigen Kölner Offiziellen, die sich im Publikum befanden, bejubelten die Tore zum Klassenerhalt. Und zwar so euphorisch, dass sich ein entnervter Ahmet Arslan, der den Kielern aufgrund eines Kreuzbandrisses fehlte und auf der Tribüne sass, sogar verbal mit einem Mitarbeiter der Kölner Pressestelle anlegte.

Den Kölnern war das egal: Überglücklich umarmte Geschäftsführer Horst Heldt bereits zur Halbzeit seinen Torjäger Andersson, den er für kolportierte sechs Millionen Euro vom 1.FC Union Berlin geholt hatte.

Mit seinem Verletzungspech und lediglich drei Saisontoren wurde er den Anforderungen lange nicht gerecht, bescherte nun aber seinem Verein den Klassenerhalt. "Leider konnte er in dieser Saison oft nicht spielen. Ansonsten wären wir vermutlich gar nicht erst in diese Situation geraten", glaubt Funkel.

In der zweiten Halbzeit sorgte Ellyes Skhiri mit dem 5:1 für die endgültige Entscheidung.

Funkel lobt die "Mentalität dieser Spieler"

"Wir freuen uns total, dass wir dieses Spiel in einer Art und Weise gewonnen haben, die niemand vermutet hat", lobt Funkel. "Alle haben darüber gesprochen, dass Köln absteigt. Ich wusste, dass es anders ist. Ich kenne die Mentalität dieser Spieler."

War es nun wirklich das letzte Spiel in der Trainerkarriere von Funkel? Der Übungsleiter lässt keine Zweifel daran: "Diese Wochen haben viel Kraft gekostet, die ich gerne investiert habe. Aber jetzt gehe ich in der Tat wieder zurück in meinen Ruhestand." Dennoch ist es sein grosser Wunsch, dass kommende Saison Spiele vor Zuschauern wieder die Regel sein werden.

"Das haben wir uns alle verdient. Heute waren es nur knapp 3.000, aber es hat schon wieder viel mehr Spass gemacht. Ich hoffe, dass bei immer mehr Geimpften und sinkenden Inzidenzen immer mehr Menschen in das Stadion dürfen. Wenn in Köln 25.000 Zuschauer reindürfen, wäre das auch schon toll. Und ich hoffe, dass ich dann eine Karte bekomme."

Nach seiner erfolgreichen Rettungsmission dürfte er in Köln jedenfalls ein gerngesehener Gast sein.