• Volle Bundesliga-Stadien mitten in der Coronakrise? Das passt nicht.
  • Über Zuschauerausschlüsse oder gar Geisterspiele berät die Politik am Donnerstag.
  • Doch schon jetzt ist klar: Beim Topspiel zwischen dem BVB und dem FC Bayern werden keine oder kaum Fans im Stadion sein.

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50.000 Zuschauer hatten am Samstag das Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach im Rhein-Energie-Stadion zum Unmut vieler Deutscher verfolgt. Die Fans im Stadion feierten weitestgehend ohne Maske und Abstand den 4:1-Sieg des Effzehs, während in Teilen Deutschlands die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stossen und Patienten ausgeflogen werden müssen.

"Das sind Dinge, die nicht zusammenpassen. Und an solche Sachen werden wir auch rangehen", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst nach der Kritik-Welle an Bundesliga und Corona-Massnahmen am Montag im ARD-Mittagsmagazin. Auch die Bundesregierung äusserte Unverständnis: In der jetzigen Phase der Corona-Pandemie sei jeder Kontakt ein Ansteckungsrisiko, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Deshalb sei eine Zusammenkunft in der Grössenordnung von Köln "ganz schwer zu verstehen".

Doch was bedeutet das konkret für die Bundesliga-Partien bis zur Winterpause Ende Dezember? Insbesondere für das Top-Duell am 14. Spieltag zwischen dem BVB und FC Bayern? Wie viele Fans dürfen den "deutschen Clasico" am kommenden Samstag hautnah im Stadion erleben?

BVB storniert Tickets für Topspiel gegen den FC Bayern

Der Signal-Iduna-Park in Dortmund hätte aufgrund der bestehenden Corona-Massnahmen ohnehin nicht voll ausgelastet sein dürfen, doch am Mittwoch folgte - zumindest für die Fans - die Hiobsbotschaft: Der BVB hat alle 67.000 Tickets für die Partie am Samstagabend (18:30 Uhr, LIVE bei uns im Ticker) storniert. "Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen COVID-19-Infektionslage in Deutschland wird Borussia Dortmund den Ticketvorverkauf für das Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag gegen den FC Bayern München stornieren", heisst es in einer Mitteilung des Vereins.

"Aktuell ist mit einer pandemiebedingten Reduzierung der Kapazitäten durch die Landesregierung innerhalb der kommenden Tage zu rechnen", teilt der BVB weiter mit. "Sobald die politische Entscheidung über zulässige künftige Stadion-Auslastungen in Nordrhein-Westfalen getroffen worden ist und uns in dieser Sache gesicherte Erkenntnisse vorliegen, werden wir über den neuen Vorverkauf informieren."

Wie viele Fans das Duell zwischen dem Bundesliga-Spitzenreiter aus München und dem Tabellenzweiten aus Dortmund im Stadion sehen werden, ist - Stand Mittwoch - also unklar. Auch ein Geisterspiel ist möglich. Ticketkäufern werde immerhin das Geld zurückerstattet, so der BVB.

Wataru Endo, Benno Schmitz, Marvin Schwäbe, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Bundesliga, 34. Spieltag
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Bayerns Ministerpräsident Söder fördert Geisterspiele für alle

Laut Medienberichten plant NRW eine Auslastungs-Obergrenze von einem Drittel und eine Deckelung bei maximal 25.000 Zuschauern. Genauere Informationen sollen allerdings am Donnerstag im Anschluss an die Ministerpräsidentenkonferenz folgen, wenn die Länderchefs über das weitere Vorgehen in der Coronakrise beraten.

So viel ist bislang klar: In Bayern, wo Anfang des Monats noch 75.000 Fans in der voll besetzten Münchner Arena waren, ist aktuell nur noch eine Auslastung von 25 Prozent erlaubt. Und selbst das ist Ministerpräsident Markus Söder noch zu viel: Er fordert Geisterspiele - in allen Bundesländern bis zum Jahresende.

"Wenn Weihnachtsmärkte zu sind, ist es nicht stimmig, volle Stadien zu haben", sagte der CSU-Politiker am Dienstag bei einem Statement. Fraglich ist aber, ob da andere Bundesländer mitziehen, bei denen die Inzidenzen weitaus niedriger als in Bayern sind. "Wir versuchen, das noch mal deutschlandweit umzusetzen, wir würden aber in Bayern da an der Stelle auch einen Alleingang machen", erklärte Söder weiter.

Widersprüchliche Signale

Im ebenfalls stark von der Pandemie betroffenen Sachsen gibt es bereits Profisport ohne Publikum, Baden-Württemberg hat einen solchen Schritt angekündigt. Und auch in Niedersachsen kann sich Innenminister Boris Pistorius Geisterspiele vorstellen. "Die Verordnung wird ab nächster Woche dann im Zweifel eben auch vorsehen, auf eine Kapazitätsgrenze von 25 Prozent herunterzugehen oder sogar zu Geisterspielen", sagte Pistorius.

Die bisherigen Unterschiede zwischen Geisterspielen in Sachsen und Vollauslastung in anderen Bundesländern lässt merkwürdige Situationen entstehen. Der faire Wettbewerb wird angetastet, wenn manche Vereine vor leeren und andere Klubs vor vollen Rängen spielen. Zudem werden widersprüchliche Signale an die Bevölkerung gesendet: In Sachsen herrscht Ausnahmezustand, in Nordrhein-Westfalen ist die Welt noch in Ordnung. (msc)

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Verwendete Quellen:

  • Deutsche Presse-Agentur
  • bvb.de: BVB wird Ticketvorverkauf für Bayern-Spiel stornieren