Nach vielen Jahren beim 1. FC Köln wechselte Ally Gudorf (22) vor der aktuellen Spielzeit zum SC Freiburg und spielte sich gleich in die Stammelf. Im Gespräch spricht Gudorf über die kurze Eingewöhnungszeit, die bisherige Saison des SC mit wechselhaften Ergebnissen, über ein Jahr in den USA, das sehr geprägt hat - und räumt ausserdem mit einem Missverständnis über den eigenen Geburtsort auf.

Ein Interview

Ally Gudorf, die erste Saison mit dem SC Freiburg neigt sich dem Ende zu. Wie haben Sie sich im neuen Umfeld eingelebt?

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Ally Gudorf: Echt gut! Ich wurde direkt super aufgenommen und habe mich sofort wohl gefühlt. Ich brauchte gar nicht viel Eingewöhnungszeit. Die Mädels hier haben mich super aufgenommen und ich glaube, deswegen ist es mir gar nicht so schwergefallen, mich hier zu Hause zu fühlen.

Sie waren vorher lange beim FC Köln und an vielen Stellen steht, Sie seien in Köln geboren. Aber das stimmt gar nicht, oder?

Ja (lacht), ich sage oft nichts dagegen, wenn das irgendwo steht oder verbessere es nicht, weil ich schon in Köln zu Hause bin. Aber ich bin in Salzgitter geboren, in Niedersachsen und bin dann im Alter von zwei Wochen nach Köln gegangen.

Vermissen Sie die Stadt Köln manchmal?

Ja, auf jeden Fall! Die Stadt fehlt mir schon, auch die Menschen. Ich fühle mich hier super wohl und es ist wunderschön hier. Freiburg ist echt eine schöne Stadt, aber im Gegensatz zu Köln ist natürlich anders, einfach viel kleiner. In Köln gibt es schon viele Möglichkeiten. Natürlich ist auch meine Familie da und Freunde, das vermisst man schon ab und zu. Aber ich bin glücklich hier.

Auf und Ab mit dem SC Freiburg

Wenn wir auf den SC Freiburg schauen: Wie denken Sie über die bisherige Saison?

Es war ein Auf und Ab, würde ich sagen. Eher Ab als Auf, im Endeffekt. Wir haben uns mehr erhofft von der Saison und hoffen natürlich, dass wir jetzt in den nächsten drei Spielen auch noch ordentlich Punkte mitnehmen können, damit wir am Ende gut dastehen. Wir haben in den vermeintlich "leichten" Spielen viele Punkte liegen lassen. Dann waren andererseits aber auch immer wieder richtig gute Spiele gegen gute Gegner dabei. Deswegen war es eine Berg- und Talfahrt.

Was denken Sie, warum es ausgerechnet gegen die vermeintlich leichten Gegner nicht so gut gelaufen ist?

Schwierig zu sagen. Es ist natürlich immer schwer gegen so kämpferisch starke Mannschaften wie zum Beispiel Duisburg, die hinten zustellen oder einfach extrem aggressiv in den Zweikämpfen sind. Du musst das Energielevel in solchen Spielen hochhalten, musst auch in die Zweikämpfe gehen, wie sie es machen und einfach alles geben. Wenn du das nicht schaffst, ist es auch für eine Mannschaft, die mehr über das Spielerische kommt, schwierig. Und ich glaube, das haben wir nicht so gut hinbekommen die Saison.

Jetzt ist es so, dass Freiburgs Trainerin Theresa Merk nach der Saison in Mutterschutz gehen wird und vorübergehend durch Nico Schneck ersetzt wird. Wie denkt das Team darüber?

Als Spielerin hat man keinen Einfluss drauf, wer Trainer ist oder solche Dinge. Wir wissen auch gar nicht so genau wie es mit Theresa weitergeht nach der Geburt. Da drücken wir alle erstmal einfach nur die Daumen, dass alles gut wird. Wir sind gespannt, wie Nico ist. Die meisten von uns Spielerinnen kennen ihn noch nicht so genau. Deswegen kann ich da noch nicht so viel zu sagen. Ich kenne ihn noch nicht und bin einfach gespannt, wie es dann losgeht in die Saison.

Lieblingsposition rechte Abwehrseite

Sie werden auf dem rechten Flügel in den letzten Jahren mal offensiver, mal defensiver eingesetzt. Haben Sie denn eine Lieblingsposition?

Meine Lieblingsposition ist hinten rechts. Da habe ich jetzt auch die letzten Spiele wieder mehr gespielt. In der Hinrunde war es eher wieder vorne. Das kommt immer so ein bisschen drauf an, was die Trainer möchten, auf das jeweilige Spiel, den Gegner und alles Mögliche. Aber hinten rechts fühle ich mich schon am besten und auch am wichtigsten für eine Mannschaft. Da kann ich ihnen am meisten geben.

Was verändert sich für Sie taktisch, je nachdem, ob Sie weiter hinten oder weiter vorne eingesetzt werden? Und ist das etwas, worüber man viel nachdenkt, wenn es einen solchen Positionswechsel gibt?

Mittlerweile muss ich nicht mehr so viel darüber nachdenken, was sich taktisch ändert, weil man das so von Spiel zu Spiel immer mehr an die Hand bekommt. Auch wenn es jetzt eine neue Mannschaft ist. Man weiss dann schon, was man auf den jeweiligen Positionen machen muss. Aber natürlich bin ich hinten viel defensiver und muss mehr in die Zweikämpfe, das mag ich auch gerne. Ich bin gerne ein bisschen giftig in den Zweikämpfen, das macht mir auch Spass.

Und würden Sie sagen, dass Ihnen das für das eigene Spiel geholfen hat, eine gewisse Variabilität zu haben?

Es ist wichtig, dass man als Spielerin auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist, weil man das Beste für die Mannschaft geben will. Und ich denke schon, dass es mir auch persönlich weitergeholfen hat, weil vorne einfach noch mal andere Qualitäten gefragt sind als hinten. Also kann ich bei beidem schauen, dass ich mich verbessere.

Wenn wir dann mal ein ganzes Stück zurückschauen: Erinnern Sie sich noch, wie Sie ursprünglich mal zum Fussball gekommen sind?

Ich habe schon als ich drei war, immer in der Küche gekickt. Mein Papa hat immer Fussball gespielt und ich wollte immer mitspielen. Mit fünf bin ich direkt in einen Verein und seitdem spiele ich Fussball.

Also kommen Sie quasi aus einer typischen Fussballfamilie?

Familie nicht so richtig. Eigentlich nur mein Papa. Meine Schwester und meine Mutter hatten erst mit Fussball nicht so viel am Hut. Mittlerweile schon. Sie gucken alle meine Spiele und sind die grössten Supporter, die man sich vorstellen kann. Aber eigentlich kommt es von Papas Seite.

In der Jugend beim 1. FC Köln

Wie war es dann für Sie, in der Jugend den Wechsel zum 1. FC Köln zu machen?

Ich bin schon mit zehn Jahren dorthin gewechselt. Und man ist Fan. Ich bin da gross geworden, aber erst etwas später habe ich so richtig verstanden: "Oh, krass, ich spiel wirklich beim 1. FC Köln und bin wirklich gut in dem, was ich tue". Das realisiert man noch gar nicht so, wenn man ein bisschen jünger ist.

Was oder wer würden Sie sagen, hat Sie während der Zeit beim FC am meisten geprägt?

Auf jeden Fall meine Trainerinnen in der U11, U13 und U15. Die Trainerinnen haben mir extrem viel mitgegeben und da bin ich auch wirklich dankbar für. Ich habe auch zu allen noch Kontakt und bin einfach froh, dass sie mir auch meine Freiheiten gelassen haben und meine Stärken gesehen haben. In der U17 war ich dann eben die ganze Zeit verletzt. Dann im Frauenbereich natürlich Willi Breuer, der mich hochgeholt hat und Sascha Glass letztes Jahr.

Wie würden Sie die Bedingungen zuletzt in Köln und jetzt beim SC Freiburg miteinander vergleichen?

Also man muss sagen, dass sich letztes Jahr in Köln die Bedingungen auch schon verbessert haben, im Vergleich zu den Jahren davor. Es gibt jedes Jahr eine Entwicklung, auch wenn es vielleicht nur kleine Fortschritte sind. Aber für uns ist das sehr wichtig. Freiburg ist natürlich von der Infrastruktur und den Möglichkeiten noch mal einen Schritt weiter. Da ist viel Wertschätzung, die man entgegengebracht bekommt und das fühlt sich als Spielerin schön an und macht es auch leichter, den Alltag zu gestalten. Wenn man Dinge abgenommen bekommt oder mehr Physios hat oder mal in die Sauna oder ins Eisbad gehen kann.

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Ein prägendes Jahr in den USA

Sie waren im Jahr 2019 in den USA fürs Studium, aber Sie haben auch am College Fussball gespielt für die UFC Knights von der University of Central Florida in Orlando. Wie ist das zustande gekommen?

Ich war schon immer grosser USA-Fan, wir haben auch viel Familie drüben und waren schon öfter da. Ich wollte nach dem Abitur auf jeden Fall in die USA. Viele haben damals gesagt: "Ach wie, du gehst jetzt?" Wir waren nämlich gerade mit dem FC aufgestiegen und ich hätte eigentlich mit gerade 18 Jahren in der 1. Bundesliga spielen können. Das hat einige gewundert. Aber es war eben immer mein Traum und ich bin irgendwie immer meinen eigenen Weg gegangen, der sich für mich richtig angefühlt hat. Und ich würde es auch immer wieder so machen. Ich musste dann nach einem Jahr zurück, wegen der Covid-19-Pandemie, sonst wäre ich auch noch länger geblieben. Deswegen konnte ich mein Studium auch nicht abschliessen. Aber das Jahr würde ich auf jeden Fall immer wieder wiederholen. Es hat mir extrem viel gegeben, auch persönlich.

Wie haben Sie in dieser Zeit den Fussball in den USA im Vergleich zu dem in Deutschland wahrgenommen?

Also, wenn wir noch mal auf die Wertschätzung zu sprechen kommen, das ist da einfach extrem crazy, wie die Athleten behandelt werden. Wir haben dreimal am Tag Essen bekommen, wurden von der Uni freigestellt, wir sind zu jedem Spiel geflogen. Das ist extrem, wenn man das mal mit Deutschland vergleicht. Naja, und der Fussball ist viel mehr auf das Athletische bezogen, also viel mehr Kraft, Läufe und alles in die Richtung, dafür aber nicht so taktisch. Aber ich glaube, das tat mir auch ganz gut. Ich bin natürlich auch eher so ein Spielertyp, der über das Athletische kommt, aber ich habe auch den Input von Deutschland mit der Taktik gehabt, von klein auf. Und ich glaube, deswegen war das schon noch mal ein gutes Jahr für meine Entwicklung.

Verfolgen Sie dann gerade eigentlich die US-Liga?

Es geht, so ein bisschen. Auch, weil Mull, also Marie Müller, jetzt im Winter rübergegangen ist und generell mehr Deutsche drüben spielen. Da schaue ich schon immer mal, wie sie alle gerade so gespielt haben. Gestern habe ich mir auch wieder die Ergebnisse angeguckt. Ich bin ein bisschen Orlando-Pride-Fan, weil ich selbst in Orlando war.

Denken Sie, dass es etwas gibt, dass man sich in Deutschland beim Thema Fussball von den USA abgucken könnte?

Auf jeden Fall! Also Fussball weiss ich jetzt nicht so spezifisch. Sie spielen einen anderen Fussball und haben ein anderes Konzept als wir. Weil in Deutschland mehr auf das Taktische geschaut wird und dort eben mehr auf das Athletische. Das ist automatisch ein anderer Fussball, den man dann spielt. Ich glaube, da wird man auch eigentlich nichts dran ändern können. Es ist ja beides guter Fussball. Aber natürlich kann man in Deutschland von den Bedingungen noch Schritte nach vorne machen. Der Stellenwert dort ist einfach ganz anders. Frauenfussball ist extrem gross und ich denke, hier dieses Level zu erreichen dauert noch eine Weile.

Saisonendspurt mit dem SC Freiburg

Kommen wir zurück zum SC Freiburg. Wie ist es denn für Sie im Dreisamstadion aufzulaufen?

Also ich muss zugeben, bevor ich nach Freiburg gegangen bin, habe ich gedacht, weil ich natürlich die Fankultur in Köln gewohnt bin, dass Freiburg eher ein ruhigerer Verein ist. Und eher so ein bisschen weniger Fans da sind. In Köln sind zum Beispiel Lieder ja auch ganz gross. Und dann wurde ich direkt bei meinem ersten Spiel vom Gegenteil überzeugt! (Lacht) Bei der Saisoneröffnung gegen München waren direkt über 13.000 Zuschauer hier und die Ultras sind wirklich extrem laut. Man hätte es mit dem Rekordspiel vergleichen können, das wir letztes Jahr im Rhein-Energie-Stadion hatten von der Stimmung her. Es war sehr laut und da dachte ich mir so: "Okay, hier kann man also richtig Spass haben!" Der Rasen ist echt top, es sind immer viele Fans hier und das ist einfach schön, dass man die Wertschätzung von den Fans spürt. Und auch in Freiburg merkt man, dass der Frauenfussball präsent ist und Leute sich dafür interessieren. Das ist einfach schön!

Als nächstes geht es für Freiburg gegen die SGS Essen. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Ein relativ ausgeglichenes Spiel. Ich glaube, dass Essen auf jeden Fall gewinnen will. Wir auf jeden Fall auch. Im Hinspiel haben wir eine gute Leistung gezeigt und auch gewonnen. Das wollen wir wieder auf den Platz bringen. Wir wollen der Liga unbedingt in den letzten Spielen der Saison zeigen, dass wir noch da sind und guten Fussball spielen, dass wir immer gewinnen können. Das ist ein bisschen verloren gegangen und ist für uns selbst extrem wichtig. Dafür müssen wir in den Zweikämpfen da sein und mehr Mut haben, einfach auch mal die Abschlüsse zu suchen. Dann kann das gut für uns ausgehen.

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