• Nach drei Derby-Pleiten in dieser Saison mussten die Profis von Hertha BSC am Samstag nach Aufforderungen der Ultras ihre Trikots niederlegen.
  • Das sorgte für Aufruhr.
  • Die Ultras verfolgen ein Ziel.

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Es war eine der prägenden Szenen des 29. Spieltags, die jedoch weit über das rein Sportliche hinausging und für zahlreiche Reaktionen gesorgt hat: Die Ultras von Hertha BSC forderten die Spieler der Berliner nach der 1:4-Klatsche gegen Stadtkonkurrent Union Berlin auf, ihre Trikots auszuziehen und niederzulegen. Und die Spieler taten es. Hauptsache einen Konflikt vermieden, gaben die Spieler anschliessend zu.

"Ein Akt der Anmassung", kommentierte "kicker"-Reporter Steffen Rohr. Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic sprach davon, dass eine Linie überschritten worden sei. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Stefan Effenberg konnte das "überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn ich früher mein Trikot getragen habe, dann habe ich das mit Stolz getan. Und ich hätte mein Trikot auch bestimmt nicht abgelegt."

Geteilte Meinung über Ultra-Aktion bei Hertha BSC

Hertha-Trainer Felix Magath konnte den Fan-Ärger hingegen verstehen. Doch nahm er seine Mannschaft auch in Schutz und übte Kritik an den Anhängern: "Es wird der Situation nicht gerecht, es ist ja nicht so, dass die Spieler nicht wollen."

Mara Pfeiffer, Journalistin, Autorin und Gründungsmitglied des Podcasts "FRÜF - Frauen reden über Fussball", sprach sich pro Fans aus, wie sie bei "Sport 1" sagte: Die Fans hätten zwei Jahre lang "auf diesen sozialen Raum, das Stadion, verzichtet, mussten viel abgeben. Den Leuten bedeutet das unheimlich viel, das hat einen ganz zentralen Wert. Und wenn man das Gefühl hat, dass die Spieler auf dem Platz nicht die Haltung zeigen, die sie im Abstiegskampf erwarten - dann zu sagen 'zieh dieses Trikot aus', finde ich nicht so verkehrt."

Herthas Linus Gechter zog nach dem Spiel vor den Fans der Ostkurve sein Shirt aus und ging mit gesenktem Kopf in Richtung Kabine.

Sich von seinem Trikot freimachen zu müssen, ist für einen Spieler wohl die Höchststrafe. Nach drei Derby-Pleiten in drei Aufeinandertreffen mit Union in 2021/22, Tabellenplatz 17 und dem sich anbahnenden Abstieg soll die Trikot-Aktion bei den Spielern Signalwirkung zeigen, erhoffen sich die Ultras: Ihr seid es derzeit nicht würdig, das Trikot von Hertha BSC zu tragen. Jetzt ist - mehr denn je - Einsatz gefordert, verdient es euch, die Farben des Vereins zu repräsentieren, den wir Woche für Woche anfeuern.

"Maxi Mittelstädt war vorne und hat gesagt: 'Trikots ausziehen'. Es wurde wohl gefordert aus Respekt", ordnete Marcel Lotka das Geschehen nach der Partie gegenüber "Sky" ein. "Es war einfach zu wenig. Das müssen wir alles analysieren. Wir haben uns viel vorgenommen", sagte Lotka weiter.

"So etwas darf uns nicht noch mal passieren. Es wird immer enger. Wir haben immer weniger Spiele. Wir müssen unsere Punkte holen. Egal wie."

Mittelstädt selbst äusserte sich auch zu den kuriosen Minuten nach Abpfiff. "Ich weiss nicht genau, was dahintersteckt, aber ich wollte einen Konflikt vermeiden. Die Fans haben gefordert, dass wir die Trikots dort niederlegen", heisst es in verschiedenen Medienberichten. "Nach dem Spiel ist natürlich klar, dass die Fans sauer sind. Deswegen habe ich es auch gemacht."

Ultras kassieren Trikots ein

Es war nicht das erste Mal, dass Ultras von Spielern verlangten, ihre Trikots niederzulegen. 2016 etwa wurden die Profis von Hannover 96 von den Anhängern nach einer Niederlage in Köln dazu aufgefordert. Der Klub versuchte anschliessend zu beschwichtigen, die Spieler hätten ihre Trikots gar nicht abgeben müssen, vielmehr hätten die Ultras die Jerseys zurückgeworfen.

2014 mussten die Profis des 1. FC Nürnberg die Schmach über sich ergehen lassen: Nach einer Pleite gegen den Karlsruher SC wurden die Spieler nicht mehr als würdig erachtet, das "Club"-Trikot zu tragen. Ein Szenario, das in Südamerika und Italien, wo die Ultra-Bewegung ihre Wurzeln hat, früher nicht unüblich war, wie "nordbayern.de" 2014 in Berufung auf Anhänger aus der Szene schrieb.

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