Wenn die Nati am Samstag ins Turnier einsteigt, fiebert die ganze Schweiz mit. Oder doch nicht so ganz? Was heimische Promis ihrer Nationalmannschaft zutrauen.

"Soll ich ehrlich sein? Seit 1974 habe ich mich nie auf eine Endrunde weniger gefreut." Autor und Kabarettist Bänz Friedli scheint das EM-Fieber noch nicht gepackt zu haben. "Und auch um mich herum will niemand besonders in EM-Stimmung kommen...", sagt er.

Der 55-Jährige kann sich mehr für das Frauenturnier an Olympia erwärmen als für kickende Männerbeine. Und wenn es um die Chancen der Eidgenossen geht, hält es der Berner mit seinem neuen Theaterstück "Ke Witz!".

"Switzerland: zero points", lautet sein Urteil. "Ich schliesse den schlimmsten Fall mit drei Niederlagen in den Gruppenspielen nicht aus."

Friedlis Favorit auf den Titel ist Deutschland. "Aber auch die Ösis wären nicht schlecht". Immerhin ist da, mit Marcel Koller, ein Schweizer auf der Kommandobrücke.

Kein Vertrauen in Petkovic

Das fussballerische Potenzial bringen Stephan Lichtsteiner, Valon Behrami , Xherdan Shaqiri & Co. zwar mit, die Begeisterung muss sich das Team von Cheftrainer Vladimir Petkovic offenbar aber noch erarbeiten.

Für dessen Vorvorgänger "Köbi" Kuhn (72) fehlt ein wenig die Sympathie zum Team. In einem Interview sprach Kuhn sogar davon, dass unter Otmar Hitzfeld (67) die Chancen grösser gewesen wären.

"Dennoch wäre es schön, wenn sich diese Mannschaft an der EM durchsetzen könnte." Die Zweifel bleiben.

So tippt Otmar Hitzfeld

Apropos Hitzfeld. Der langjährige Nati-Coach und Champions-League-Gewinner mit Dortmund und Bayern glaubt, dass viel vom Auftaktspiel gegen Albanien abhängt.

"Gewinnen sie das, starten sie durch und sind nicht mehr aufzuhalten", sagt Hitzfeld. Sogar bis zum EM-Titel, wie Griechenland anno 2004?

SP-Politiker Cédric Wermuth kann so viel Optimismus nichts abgewinnen. "Drei Spiele, mehr wird es für die Schweiz nicht geben", lautet sein klares Statement.

Doch für den 29-Jährigen ist das kein Wermutstropfen. Denn als schweizerisch-italienischer Doppelbürger hat er mit der "Squadra Azzura" ein weiteres Eisen im Feuer. Deshalb will der Aargauer mit Italien auf den EM-Titel anstossen.

Wirz: "Final wäre ein Hit"

Sopranistin Maya Wirz würde hingegen am liebsten Arien auf die Schweizer Nati singen. "Der Final, das wäre ein Hit", sagt die 54-Jährige, die 2011 als Siegerin aus der Show "Das grösste Schweizer Talent" hervorging und als singende Bus-Chauffeuse auch Fussball-Fans unterhält.

Realistisch ist für die Baslerin allerdings der Einzug in den Achtelfinal. "Und Europameister werden wieder mal die Deutschen", klingt es mit einem leichten Seufzer durch.

Biellmann: "Nati wird nicht ausrutschen"

Das glaubt auch Denise Biellmann (53). Wenigstens ist die frühere Eiskunstlauf-Königin überzeugt, dass die Nati auf dem Fussballfeld nicht ausrutscht.

Die Europa- und Weltmeisterin aus dem Jahre 1981 glaubt, dass der Toe-Loop von Xhaka, Inler & Co. zumindest in den Viertelfinal führt. Dafür drückt die Zürcherin auch beide Daumen.

Zwischen Aufnahmen für das Album "Krok'n'roll ist Krokus-Bassist Chris von Rohr ganz bei der EM. "Ich bin fussballsüchtig", gesteht der Hard-Rocker, Buchautor und Fernsehmoderator aus Solothurn ein.

Krokus-Tipp: Die üblichen Verdächtigen

Mit viel Glück sei für die Schweiz der Viertelfinal möglich, "obwohl ich kein Fan vom Trainer bin. Bringt’s mir lieber den Trapp (Anm.: Giovanni Trappatoni)", lautet der Appell des 64-Jährigen.

Als Europameister kommen für ihn die üblichen Verdächtigen in Frage. Oder Kroatien. Oder Belgien.

Eine etwas andere Sicht auf das Grossereignis hat Drehbuchautorin und Regisseurin Güzin Kar (45). "Fussball ist ein bisschen wie Männerperiode. Da muss man vor allem nachsichtig sein mit den Jungs im nahen Umfeld."

Die in Zürich lebende Max-Ophüls-Preisträgerin zeigt sich fantechnisch flexibel und fiebert mit der schöneren und unterhaltsameren Mannschaft mit. Und auch ihr EM-Tipp ist aussergewöhnlich. "Australien siegt. Wenn die schon beim ESC mitmachen, können die auch Fussball-Europameister werden."