Mit Mühe und Not hat sich Weltmeister Deutschland gegen die Fussball-Nobodys aus Georgien zur EM gequält. Das Team von Joachim Löw gewann durch ein spätes Tor von Max Kruse (79. Minute) mit 2:1 (0:0) und schaffte damit am Sonntag als Sieger (22 Punkte) der Gruppe D den Sprung in die Endrunde im kommenden Sommer in Frankreich. Die deutsche Nationalmannschaft ist damit zum zwölften Mal nacheinander seit 1972 bei einer Europameisterschaft dabei. Die Reaktionen:

Morgenpost.de: Dem Spiel der deutschen Elf ist die Dringlichkeit abhanden gekommen. Sie muss vor dem Tor wieder so konzentriert spielen wie in Brasilien. Dafür braucht es aber keinen Mario Gomez und schon gar keinen Alexander Meier. Es braucht gemeinsame Trainingseinheiten wie bei einer direkten Turniervorbereitung. (...) Löw hat noch eine Menge Arbeit vor sich, damit ihm in Frankreich gelingt, was vor ihm nur zwei Trainern gelungen ist: Nach dem WM- auch den EM-Titel zu gewinnen. Das schafften nur Helmut Schön mit Deutschland (1972 und '74) und der Spanier Vicente del Bosque (2010 und '12). Gelingt ihm diese Kunststück, spricht auch niemand mehr über die holprige EM-Qualifikation 2014/15.

FR Online: Aktive deutsche Top-Fussballspieler sind es selten gewohnt, im Zwist um die Teilnahme an einer EM oder WM in Drucksituationen zu geraten. Druck ausserhalb der Endrunden hat es zuletzt im Herbst 2009 auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Südafrika gegeben, die Deutschen hielten ihm beim 1:0-Sieg auf Kunstrasen in Moskau gegen Russland mit einigem Glück und Mithilfe des Schiedsrichters stand. Exakt sechs Jahre später stellte sich am Sonntagabend in Leipzig auf Naturrasen Fussball-Zwerg Georgien in den Weg. Und, ja, der Druck war den deutschen Spielern deutlich anzumerken, sehr deutlich sogar.

Welt Online: Die deutsche Mannschaft offenbart ein Sturmproblem: (...) Gefällig kombinierte sich Löws Mannschaft immer wieder durch die engen georgischen Abwehrreihen, war um Direktspiel bemüht und profitierte bei ihren Angriffen immer wieder von den zündenden Ideen Jerome Boatengs im Spielaufbau. Die Möglichkeiten jedoch wurden teilweise stümperhaft vergeben. "Ich will, dass wir mit jeder Torchance umgehen, als sei es die letzte", hatte Löw vor der Partie bereits eine Vorahnung beschlichen. Nicht ausgeschlossen, dass es durchaus der Herangehensweise der deutschen Spieler entsprach. Allein, sie können es (momentan) nicht besser, wie sich bereits in Irland gezeigt hatte, als 16 Schüsse keinen Treffer hervorgebracht hatten. "Wir haben es erneut unnötig spannend gemacht", fand Mats Hummels. Kritischer formuliert: Deutschland hat ein Sturmproblem. Wenn Müller mal nicht trifft, offenbaren Reus, Schürrle, Özil, Götze und Co. Schwächen beim Abschluss. Ein schmutziges Tor oder einen irgendwie über die Linie gewurschtelten Ball sieht das Spiel der technisch Hochveranlagten nicht vor. Lieber noch ein Querpass, lieber noch ein Aussenrist-Zuspiel.

Sueddeutsche.de: Eine Weile stand Löws Elf ja unter dem Anfangsverdacht, ein Schönwetter-Team zu sein, das zusammenzuckt, wenn der Gegner ein böses Gesicht schneidet oder ein Schotte zur Grätsche ansetzt. Aber in den Champions-League- und WM-Arenen hat diese Generation inzwischen eine Wehrhaftigkeit ausgebildet, die das Beste aus beiden Welten mischt. Die bittere Sentenz des Engländers Gary Lineker ("Und am Ende gewinnen immer die Deutschen") bestätigt die DFB-Elf inzwischen in einer völlig neuen De-luxe-Version. Sie gewinnen nicht mehr, weil sie das Glück auf ihre Seite rumpeln. Sie gewinnen jetzt, weil sie sich ihrer Kunst so sicher sind, dass sie im Spiel von keinem Rückschlag zu kränken sind. Sie gewinnen, weil sie einfach so lange weiter spielen, bis sie die Lösung gefunden haben.

Südwest Presse: Sind Sie heute schon beglückwünscht worden, weil Sie die Fahrt zur Arbeit ohne Kratzer am Auto unfallfrei absolviert haben oder weil Ihnen das Mittagessen nicht angebrannt ist? Sicherlich nicht! Denn all das scheinen Selbstverständlichkeiten zu sein. Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft hingegen durfte sich gestern nach beglückwünschen lassen. Trotz enormer Kratzer am Lack qualifizierte sie sich gerade noch so für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Grund zu überschäumender Freude besteht nach der gestrigen Zitterpartie aber nicht. Für einen amtierenden Weltmeister sollte das Erreichen der EM-Endrunde selbstverständlich sein.

FAZ.net: Man kann es sich leicht machen oder umständlich. Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft hält es zurzeit bevorzugt mit letzterer Variante. Sicher, am Ende stand die erfüllte Pflicht am Sonntagabend: das Ticket für die Europameisterschaft im nächsten Jahr in Frankreich ist gelöst. Doch die Art und Weise, wie das geschah beim 2:1-Sieg gegen Georgien, der zugleich den Gruppensieg bedeutete, war kein Ruhmesblatt für Joachim Löw und sein Team.

(ada/dpa)