• Nach einer langen Bundesliga-Saison und der Europameisterschaft nimmt Dani Olmo mit Spanien auch noch an Olympia teil.
  • Der Profi wird auf mehr als 60 Pflichtspiele innerhalb eines Jahres kommen.
  • Für eine solche Marathonsaison braucht es passendes Regenerationsmanagement, sagt ein Experte.
Eine Analyse
von Constantin Eckner

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Dani Olmos Saison kommt einem Marathon gleich. Der 23 Jahre alte Offensivspieler hat seit September 59 Pflichtspiele für RB Leipzig und die spanische Nationalmannschaft bestritten. Nun werden voraussichtlich noch ein paar weitere bei den Olympischen Spielen hinzukommen. Wirkliche Pflichtspielpausen hatte Olmo nur kurz nach Weihnachten sowie nach dem Ende der Bundesliga-Saison.

Dass gerade Spitzenspieler im modernen Fussball einen sehr eng getakteten Kalender haben, ist gemeinhin bekannt. Die absolute Anzahl an Spielen steigt aufgrund der Ausdehnung der Wettbewerbe immer weiter an. Doch Olmo ist gewiss ein Extrembeispiel. Zumal es bei ihm direkt nach dem Ende der Olympischen Spiele mit der neuen Bundesliga-Saison weitergehen könnte.

Pausen richtig nutzen

Allerdings heisst das nicht automatisch, dass Olmo oder andere Kicker in einer ähnlichen Situation ständig im roten Bereich spielen. "Diese absolute Überforderung muss keine absolute Überforderung sein", sagt Steffen Tepel im Gespräch mit unserer Redaktion. Tepel ist ein bekannter Neuroathletiktrainer, der auch mit einigen Fussballern zusammenarbeitet.

Tepels Devise lautet: Wer die Pausen richtig nutzt, der kann auch mit einem solch engen Spielplan entsprechend umgehen. Das heisst konkret, dass Profis in den kurzen Unterbrechungen zwischen den Wettbewerben am besten komplett abschalten – kein Fussball, keine Medientermine, pure Regeneration. Die mentalen Ressourcen seien ebenso wichtig wie die physischen.

Vollprofi oder Lifestyle-Profi?

Hinzu kommt, dass Fussballer mit mehreren Pflichtspielen pro Woche während der Saison nicht unbedingt intensives Training benötigen. "Ich muss Wettkampf auch als Training sehen", sagt Tepel. Dazwischen brauche es keine harten Laufeinheiten, allenfalls ein paar Übungen im Kraftraum für kleine Korrekturen.

Zudem müsse jeder Profi die Regenerationszeit effektiv mit Sauna und Kältetraining nutzen und seine Ernährung ganz genau an die Anforderungen des Körpers anpassen. "Der Spieler muss sich fragen: Bin ich ein Fussballprofi oder ein Lifestyle-Profi?", meint Tepel. Mal kurz während der Spielpausen um die halbe Welt zu reisen oder dergleichen kann der Regeneration erheblich schaden.

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Den Körper verstehen

Ohnehin sind die Reisestrapazen ein nicht zu unterschätzender Faktor für Spitzenspieler, die etwa während der EM 2021 von einem Land ins nächste geflogen worden sind. "Reisen an sich ist ein Stressor, wird aber als Freizeit gesehen", kommentiert Tepel. In diesem Punkt seien die US-amerikanischen Sportligen, etwa die NFL und NBA, weiter. Dort fliegen die Profis ständig quer über den gesamten Kontinent.

Für Olmo beginnt nun, nachdem er mit Spanien am 6. Juli im EM-Halbfinale ausgeschieden ist, kommenden Donnerstag das Fussballturnier bei Olympia in Tokio. Sollte der Dauerbrenner die richtige Regeneration betreiben und auch mal einen Gang zurückschalten sobald er merkt, dass er sich dem roten Bereich nähert, dann kann Olmo auch die nächsten Wochen bewältigen.

"Die meisten Spitzenspieler haben ein äusserst gutes Wahrnehmungsgefühl", sagt Tepel. Den eigenen Körper zu verstehen und damit umzugehen, da trenne sich die Spreu vom Weizen.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Steffen Tepel
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