• Christoph Kramer sieht nicht ein, dass die Spieler "die Suppe auslöffeln" sollen, die ihnen die Fifa und die Nationalverbände einbrocken.
  • Der ZDF-Experte diskutiert mit Moderator Jochen Breyer leidenschaftlich das "One Love"-Binden-Thema.
  • Auch Michael Ballack hat bei MagentaTV für das Verhalten der Fifa keinerlei Verständnis.

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Das Thema "One Love"-Binde und das seitens der Fifa ausgesprochene Verbot des Tragens dieses Zeichens für Diversität und Vielfalt beherrschte am zweiten Spieltag der WM in Katar auch die Übertragung des ZDF.

Dort diskutierte Experte Christoph Kramer leidenschaftlich mit Moderator Jochen Breyer, Autor der sehenswerten Dokumentation "Geheimsache Katar". Breyer vertrat die Ansicht, seitens der Nationalverbände, namentlich auch des DFB, sei mit dem Verzicht auf das Tragen der Binde eine grosse Chance vergeben worden, der Fifa entgegenzutreten, Veränderungen zu bewirken. Auf Twitter schrieb Breyer: "Ein Zeichen, das man nur dann setzt, wenn man dadurch keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat, ist kein Zeichen."

Die Fifa droht den Kapitänen der WM-Teilnehmer, die die "One Love"-Binde tragen, mit einer Verwarnung schon im Kabinengang. Darüber hinaus könnte es zu Punktabzügen für die ganze Mannschaft kommen.

Christoph Kramer: "Die Fifa ist unzurechnungsfähig"

"Die Fifa ist momentan wirklich unzurechnungsfähig. Wenn diese WM eines gezeigt hat, dann, dass es die Politik des längeren Hebels gibt. Die Fifa spielt ihre Macht aus", kritisierte Kramer in seiner Rolle als WM-Beobachter für das ZDF.

Der 31-Jährige redete sich am Montag im Anschluss an das 6:2 von England gegen den Iran schon fast in Rage. "Die Fifa darf bestimmen, und du bist machtlos", sagte Kramer: "Sie setzen ein ganz schlechtes Zeichen an die Welt. Die Fifa hat total verloren."

Christoph Kramer: Ist immer leicht, aus dem Studio heraus zu argumentieren

Besonderes Unverständnis äusserte der Weltmeister von 2014 für den Fakt, dass die Spieler büssen sollen, wenn sie ein Zeichen für Vielfalt setzen wollen. "Diese WM ist eine Farce, und das weiss jeder", sagte Kramer: "Dass die Spieler die Suppe auslöffeln sollen, das sehe ich nicht." Auch, an Breyer gewandt, sei es immer leicht, "aus dem Studio heraus" zu argumentieren und von den Spielern Protest zu fordern. Kramer setzte nach, auf deren Rücken dürfe der Konflikt nicht ausgetragen werden.

ZDF-Moderator Jochen Breyer äusserte sich während der WM-Sendung mehrfach kritisch gegenüber Fifa und DFB. Auf Twitter legte er nach: "Ein Zeichen, das man nur dann setzt, wenn man dadurch keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat, ist kein Zeichen."

Andererseits liefere Breyer ein "Totschlagargument", als der Moderator auf den Protest der Spieler des Iran vor dem Anpfiff der Begegnung gegen England hinwies. Diese, so Breyer, riskierten möglicherweise sogar Gefängnisstrafen. Sie hatten ihre Hymne nicht mitgesungen, um gegen das gewaltsame Vorgehen des heimischen Regimes gegen Widerstand im Iran zu protestieren. Dagegen, so Kramer, sei argumentativ nichts mehr zu sagen.

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MagentaTV: Auch Michael Ballack attackiert die Fifa

Der 46 Jahre alte Ex-Nationalspieler Ballack vertrat bei Magenta TV ähnliche Standpunkte wie Kramer im ZDF. "Die Fifa hat total versagt, also in Gänze. Sie fährt hier einen Kurs, der ist absolut nicht nachvollziehbar und auch inhaltlich nicht zu vertreten", sagte Ballack.

DAZN-Experte Michael Ballack im Einsatz beim Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Pilsen
Deutschlands ehemaliger Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack hat seinen Weg zum TV-Expertentum schon vor gut zehn Jahren gefunden - allerdings nicht in Deutschland. Zwischen 2012 und 2016 war er Experte für den US-Sportsender ESPN, für den er bei der Euromeisterschaft 2012 und der Weltmeisterschaft 2014 zum Einsatz kam. Während der Europameisterschaft 2021 trat er erstmals als Experte auf MagentaTV in Erscheinung. Seit 2022 ist er ausserdem Experte bei DAZN.

Der Fussball-Weltverband Fifa im Rahmen seines Verbots des Tragens der "One Love"-Kapitänsbinde auf mit den von allen Teilnehmern anerkannten WM-Regularien hingewiesen. (dpa/hau)

WM 2022 - England - Iran

Deutliches Zeichen: Irans Fussballer singen Hymne nicht mit

Das iranische Nationalteam in Katar schweigt während der Nationalhymne demonstrativ. Es ist eine starke Geste, die den Fussballern Ärger einbringen dürfte. Im Iran gehen Sicherheitskräfte Augenzeugen zufolge unterdessen zunehmend brutal gegen Demonstranten vor. (Teaserbild: Mike Egerton/PA Wire/dpa)