2010 wurde Alex Frei ähnlich arg ausgepfiffen wie Haris Seferovic am Montagabend. In einem Interview erzählt er, wie es ihm damals ging - und wie er die Seferovic-Pfiffe erlebt hat.

Nach dem Pfeifkonzert gegen Haris Seferovic hat sich Nati-Rekordtorschütze Alex Frei zu Wort gemeldet.

"Als ich in der 85. Minute die Szene sah, habe ich voller Unverständnis den Fernseher ausgeschaltet. Es ist eine bodenlose Frechheit", wetterte er in einem Interview mit "Blick.ch".

Die Schweiz habe nichts aus ihrer Vergangenheit gelernt, sagte Frei. "Man muss sich das mal vorstellen: Die Nati qualifiziert sich für eine WM und einer der Spieler weint. Das ist ein Wahnsinn."

Es sei eine dramatische Situation. "Da erreichst du die WM in Russland und einige Idioten nehmen der Mannschaft die Freude weg. Denn so etwas beeinflusst das Team ganz sicher", glaubt Frei. "Nach so einem Vorfall kannst du nicht unbeschwert feiern."

Pfiffe wecken bei Alex Frei Erinnerungen

Bei ihm selbst kämen Erinnerungen hoch, gab Frei zu. 2010 war der damalige Nati-Spieler in St. Gallen beim 0:0 gegen Australien wegen eines verschossenen Penaltys und auch in Basel beim 4:1 gegen Wales ausgepfiffen worden.

"In Basel habe ich mich zurückgezogen. Ich sass da und habe geweint. Und ich werde in meinem Leben nie vergessen, was dann passiert ist", erzählte Frei von dem emotionalen Moment. Viele Spieler seien gekommen und hätte ihn getröstet.

Einer habe ihn aber speziell gerührt. "Stephan Lichtsteiner, zu dem ich keinen besonders engen Draht hatte, kam zu mir und hat mich getröstet. Eine menschliche Geste, die ich ihm nie vergessen werde und für die ich ewig dankbar bin."

Frei kündigte nach den Pfiffen seinen Rücktritt an - auf Monate später. Heute würde er anders reagieren: "Ich würde machen, was der Trainer will. Findet mich der Trainer gut genug und bietet mich auf, komme ich. Wenn nicht, bleibe ich zuhause. Heute würde ich die Pfiffe als Ansporn nehmen."

Marco Streller mit emotionalen Worten

Auch Ex-Kicker Marco Streller äusserte sich zu den Pfiffen. Er war 2008 beim 3:0 gegen Liechtenstein von den Fans ausgepfiffen worden. "Niemand, der nicht schon in dieser Situation war, kann sich vorstellen, wie sich das anfühlt", zitiert ihn der "Blick".

"Du kämpfst, reibst dich auf und machst alles für die Mannschaft. Dann qualifizierst du dich für die WM und wirst als Dank ausgepfiffen. Es ist sehr traurig, aber Haris hat den Rückhalt des Trainers und der Mannschaft. Das spürt man und das wird ihm helfen." (ank)