• Die NFL kommt nach München: Am Sonntag (15:30 Uhr, live auf ProSieben) findet erstmals ein reguläres Saisonspiel der nordamerikanischen Profiliga in Deutschland statt.
  • Tom Brady trifft mit den Tampa Bay Buccaneers auf die Seattle Seahawks.
  • Der ehemalige NFL-Profi Sebastian Vollmer, der mit Brady zusammengespielt hat, spricht im Exklusiv-Interview über dieses besondere Event.
Ein Interview

Herr Vollmer, warum kommt die NFL nach Deutschland?

Sebastian Vollmer: American Football ist in Nordamerika der populärste Sport und hat mehr als 200 Millionen Fans. Daher ist es der nächste Schritt, ins Ausland zu gehen und sich weiter zu internationalisieren; weitere Spiele in Deutschland sollen in den nächsten Jahren folgen. Das machen andere Ligen wie die Bundesliga auch. Es geht darum, die Marke bekannter zu machen.

Die NFL hat in Deutschland eine grosse Fangemeinde. Das beste Beispiel dafür: Für das Spiel in München hätten mehr als drei Millionen Tickets verkauft werden können. Laut dem Kartenanbieter Ticketmaster waren dies die zweitmeisten Anfragen, die es jemals für ein Event gegeben hat. Noch mehr Anfragen gab es lediglich für den Super Bowl, das Finale der NFL.

Welche Teams treffen mit den Tampa Bay Buccaneers und den Seattle Seahawks aufeinander?

Beide Teams kämpfen darum, sich für die Playoffs zu qualifizieren. Da eine Saison lediglich 17 Saisonspiele beinhaltet, ist jedes Spiel entscheidend. Daher werden beide Teams auch in München in Bestbesetzung antreten.

Tampa Bay gewann in der vorletzten Saison den Super Bowl. Quarterback Tom Brady gewann die Meisterschaft schon sieben Mal und ist der erfolgreichste Football-Spieler aller Zeiten. In den vergangenen Wochen lief es zwar nicht so gut für Tampa Bay. Sie haben drei Spiele in Serie verloren, ehe sie am vergangenen Sonntag wieder gewinnen konnten. Aber sie haben eine gute Mannschaft. Und Tom Brady hat noch nie im Ausland verloren. Daher ist mit einer starken Leistung von ihm zu rechnen.

Ihr ehemaliger Mitspieler Tom Brady steht gerade in den Schlagzeilen, weil er sich von seiner Ehefrau, dem brasilianischen Top-Model Gisele Bündchen, getrennt hat. Sie haben gerade erwähnt, dass es auch sportlich bei Tampa Bay schwierig läuft. Durchlebt er gerade die schwierigste Phase seiner Karriere?

Es gehört dazu, dass man in diesem Sport auch einmal verliert. Nach der vergangenen Saison hatte er eigentlich schon seinen Rücktritt erklärt, hat sich dann aber entschieden, doch weiterzuspielen. Wenn die Saison dann nicht so richtig läuft, können natürlich Zweifel aufkommen, ob das der richtige Schritt war. Aber noch ist nichts verloren, Tampa Bay kann noch immer die Playoffs erreichen.

Ich denke, dass er sich voll auf das konzentriert, was er gerade macht. Wenn er auf dem Footballfeld steht, ist er voll fokussiert. Und wenn er zu Hause ist, liegt sein Fokus darauf. Sportlich sehe ich das nicht so dramatisch. Aber privat ist das sicherlich eine der schwierigsten Phasen für ihn.

Was sollte der Zuschauer über die Seattle Seahawks wissen?

Die Seattle Seahawks haben im Februar 2014 den Super Bowl geholt und dadurch viele Fans gewonnen, auch in Deutschland. Heute ist das eine völlig andere Mannschaft. Vor der Saison hat man ihnen nicht viel zugetraut, aber sie spielen nun überraschend gut.

Ihr Quarterback Geno Smith hat mit Russell Wilson einen grossen Namen abgelöst. Das ist nicht einfach. Aber er funktioniert gut und ist auch kein Neuling mehr, er kennt sich in der Liga aus. Ich denke, er ist ein hervorragender Quarterback für dieses Team. Ausserdem ist die Defense der Seahawks stark.

Wie erklären Sie sich, dass die NFL in Deutschland so populär geworden ist?

Ein wichtiger Schritt war der Weg ins Free-TV. Dadurch hat sich eine Community gebildet, die diesen Sport einfach abfeiert. Die NFL hat viele Fans eingefangen, die sich mit anderen Sportarten nicht identifizieren konnten. Football zeichnet sich durch das Gemeinschaftsgefühl und das Entertainment aus.

Das wird auch am Sonntag in München so sein. Es geht nicht nur um den Sport, sondern auch um das Drumherum. Die NFL hat einen hohen Entertainment-Faktor mit der Halftime-Show, den Musik-Acts oder den Partys rund um das Stadion. Die Menschen können sich in München auf einen schönen Sonntag freuen.

Das Faszinierende ist, dass der Football in Deutschland so eine grosse Begeisterung ausgelöst hat, obwohl er für das deutsche Publikum lediglich im Fernsehen stattfand. Die grosse Hoffnung ist, dass es durch die Spiele in Deutschland einen weiteren Schub geben wird.

Auch ein deutscher Superstar würde vermutlich helfen, um noch populärer zu werden. Sie haben schon vorgelegt, indem Sie zweimal den Super Bowl gewannen. Werden wir eines Tages einen Dirk Nowitzki im Football haben, der aus Deutschland kommt und zu den Top-Stars der NFL aufsteigt?

Das ist sehr schwierig, weil die Jugendlichen in Deutschland später mit dem American Football anfangen als in den USA. Grundsätzlich hat die NFL ein grosses Interesse daran, Footballspieler in Deutschland auszubilden.

Wir haben in diesem Jahr mehr als 120 Schulen dazu gebracht, Flag Football anzubieten. Das ist eine kontaktlose Variante des Footballs. Hoffentlich werden dadurch noch mehr Kinder an unseren Sport herangeführt. Der Basketball hat das in Deutschland sehr gut gemacht. Dadurch sind Spieler wie Nowitzki oder Dennis Schröder entstanden. Die NFL arbeitet daran, dass das im Football auch gelingt.

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Zur Person: Sebastian Vollmer (Jahrgang 1984) spielte von 2009 bis 2016 als Offensive Tackle für die New England Patriots in der NFL und gewann zwei Mal den Super Bowl. Heute ist er für die NFL als Botschafter tätig und hat ausserdem mit "German Champion: Die Geschichte meiner NFL-Karriere" sowie "What it takes" zwei Bücher herausgebracht.

Das Spiel zwischen den Buccaneers und den Seahawks findet am Sonntag, 13. November, um 15:30 Uhr in der Münchener Allianz Arena statt und ist live auf Pro Sieben zu sehen.

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