Prinz Harry und seine Frau Meghan sorgen für eine Zäsur in der britischen Monarchie: Das Paar will sich aus grossen Teilen der royalen Pflichten zurückziehen und finanziell unabhängig werden. Royal-Experten sehen den Schritt kritisch als "aussergewöhnlich und nicht durchdacht", Markenexperten trauen dem Paar hingegen ganz grosse Erfolge zu.

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Sie wollen keine "Vollzeit-Royals" mehr sein: Prinz Harry und seine Frau Meghan haben mit ihrer Ankündigung am Mittwochabend für eine Sensation gesorgt. Das Paar will künftig finanziell unabhängig sein, verzichtet dafür sogar auf das königliche Einkommen. Ausserdem möchte es weniger royale Pflichten wahrnehmen und mehr Zeit in Nordamerika verbringen.

Der Plan war anscheinend nicht mit allen anderen Royals abgesprochen und soll zu Enttäuschung und Verärgerung geführt haben. Selbst die Queen und Prinz Charles seien nicht vorab über den Schritt informiert worden, berichtet die Zeitung "The Telegraph". Auch Royal-Experten zeigten sich entsetzt. Buchautorin Penny Junor nannte das Vorhaben des Paares "aussergewöhnlich und nicht durchdacht". Doch Medienexperten prophezeien dem Paar mit diesem Schritt vor allem finanziell eine rosige Zukunft – und ziehen schon den Vergleich zu Barack und Michelle Obama. Ein Überblick.

Warum wollen Prinz Harry und Meghan finanziell unabhängig werden?

Das machen Harry und Meghan auf ihrer neuen Webseite klar: Bislang bezieht das royale Paar Geld aus dem "Sovereign Grant". Das mache es derzeit unmöglich, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Deswegen will das Paar auf diese Bezugsquelle künftig verzichten und sich so neue Verdienstmöglichkeiten erschliessen.

Was ist der "Sovereign Grant"?

Dieses "Königsgehalt" wird vom britischen Staat direkt an die Queen für die Wahrnehmung der öffentlichen Pflichten des Staatsoberhauptes gezahlt. Für den Staat – und damit den Steuerzahler – ist das aber ein Gewinn, denn das Geld wird zuvor durch die "Crown Estates" – die Königsgüter – erwirtschaftet. Dabei handelt es sich um eine milliardenschwere Immobilienholding, welche neben Wäldern und Feldern auch teure Häuser in London verwaltet und grosse Teile der Einkaufsmeile Regent Street sowie die Pferderennbahn Ascot besitzt. Auch die Einkünfte aus der wirtschaftlichen Ausbeutung der Zwölf-Meilen-Zone vor den Küsten fliesst an die Holding, beispielsweise durch Lizenzen von Offshore-Windparks. Der Gewinn (2019 rund 344 Millionen Pfund, etwa 400 Millionen Euro) wird an die britische Regierung überwiesen. Ein Viertel dieses Geldes erhält die Queen dann als "Gehalt".

Wir zeigen Ihnen hier, wie Sie den „Meghan-Look“ nachstylen können, auch wenn Sie kein königliches Budget zur Verfügung haben.

Wie finanzieren sich Harry und Meghan derzeit?

Die genaue Höhe ihrer Bezüge ist unbekannt. Allerdings geben Harry und Meghan an, dass ihre Einkünfte aus dem "Sovereign Grant" nur 5 Prozent ihrer Gesamtausgaben decke. Der Rest des Geldes, mit welchem Büros, Angestellte und Reisen bezahlt würden, stamme von Prinz Charles, Harrys Vater. Laut einem Bericht der "Daily Mail" überweist Charles rund 5,8 Millionen Euro jährlich an seine beiden Söhne Harry und William. Harry soll dabei etwas weniger als die Hälfte des Geldes erhalten. Ob es dieses Geld künftig weiter beziehen wird, liess das Paar offen.

Hinzu kommen die Privatvermögen des royalen Paares. Bei Harry soll sich dieses auf etwa 35 Millionen Euro belaufen. Der Grossteil stammt dabei aus dem Erbe seiner Mutter Prinzessin Diana. Ein kleinerer Teil wurde Harry von seiner Urgrossmutter Elizabeth Bowes-Lyon (auch "Queen Mum" genannt) vermacht.

Meghan soll über ein Vermögen von rund 4,7 Millionen Euro verfügen. So war die ehemalige Schauspielerin in mehreren Filmen und in der US-Serie "Suits" zu sehen. Allein hier lag ihr Gehalt bei über 40.000 Euro pro Folge.

Und wie sieht die finanzielle Zukunft aus?

Hier hat das Paar die ersten Schritte bereits eingeleitet und sich die Namensrechte an der Marke "Sussex" gesichert. Zudem könnte Meghan ihren Lifestyle-Blog "The Tig" wieder reaktivieren. Diesen musste sie stilllegen, als die Beziehung mit Harry bekannt wurde. Doch das wäre nur ein Tropfen auf dem heissen Stein.

Experten gehen laut "Daily Mail" davon aus, dass das royale Paar den gleichen Weg wie Barack und Michelle Obama einschlagen und mit Reden, Büchern und TV-Deals Millionen umsetzen könnte. Die Beziehungen sind bereits vorhanden: Harry ist gut mit den Obamas befreundet, Meghan lud Hillary Clinton schon im Geheimen nach Frogmore Cottage ein. Zudem hat sie noch zahlreiche Freunde in der amerikanischen TV-Welt.

Um welche Summen es dabei geht, zeigen die Obamas: 2017 schlossen sie einen Buch-Deal mit dem Verlag Penguin Random House über 65 Millionen US-Dollar ab. Und auch als Redner lässt sich viel Geld verdienen. So verlangt Barack Obama rund 400.000 US-Dollar pro Auftritt, seine Frau Michelle immerhin noch 200.000 Dollar. Zudem besitzen die Obamas eine eigene Produktionsfirma, die für die Streaming-Plattform Netflix Flime und Dokumentationen produzieren soll. Auch wenn über die Höhe des Deals nichts bekannt ist: In vergleichbaren Fällen wurden Summen zwischen 150 und 300 Millionen US-Dollar gezahlt.

Birgt das Vorhaben von Harry und Meghan auch Risiken?

Definitiv. Der Lebensstandard von Meghan und Harry ist hoch, die Ausgaben dafür ebenfalls. Das royale Paar hat viele Angestellte, angefangen beim Privatsekretär über die Nanny für Sohn Archie bis hin zum Housekeeper für Frogmore Castle. Hinzu kommen Unterhaltskosten für Immobilien, die Reisen des Paares und Sicherheitspersonal. Ein teilweiser Umzug nach Nordamerika dürfte diese Kosten in Zukunft sogar noch anwachsen lassen. Und ein finanzieller Erfolg ist nicht garantiert, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt: So versuchte sich Prinz Edward einst als TV-Produzent und scheiterte. Zudem dürfte das Vorhaben des Sussex-Paares auch innerhalb der royalen Familien weiter für Zündstoff sorgen.

Verwendete Quellen:

  • Material der Deutschen Presseagentur (dpa)
  • dailymail.co.uk: Harry and Meghan set to make MILLIONS: Couple complain that their Royal roles mean they can't make their own money
  • sueddeutsche.de: Königliches Gehalt
Teaserbild: © imago images/i Images