Tag 12 im Kasalla-Impfzentrum Köln-Hürth, wo inzwischen zwölf weniger oder noch weniger prominente Kandidaten ihre Bewerbungsunterlagen für das "normale" Dschungelcamp abgegeben haben. Einer von ihnen wird am Freitag das Goldene Ticket erhalten und im Januar 2022 in Australien dabei sein. Also, jedenfalls wenn Jens Spahn wieder mehr wie Helmut Schmidt während der Jahrhundertflut 1962 agiert und weniger wie Andi Scheuer bei der Maut. Andernfalls wird der einzige echte Busch, den wir bis 2025 zu sehen bekommen, wohl die Frisur von Sam Dylan bleiben.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
von Marie von den Benken
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Trotzdem möchte natürlich jeder Dschungel-Aspirant das Ticket. Dafür werden sogar funktionierende Taktiken von Mitbewerben schonungsloser kopiert als Spiele bei "Late Night Berlin" von Jimmy Fallons "Tonight Show".

Den Konrad Kujau des Tages gibt Xenia Prinzessin von Sachsen. Nachdem Djamila Rowe gestern mit ihrem Ostalgie-Seelenstriptease die Emotions-Taste der Zuschauer gefunden hat und im Voting von Platz 3 auf Platz 1 hochkatapultierte, setzt heute auch das blaublütige Nikotin-Wrack Xenia auf die Mitleids-Karte. Denn auch ihre Kindheit war von Dingen überschattet, die man niemandem wünschen würde.

Mehr Infos zum Dschungelcamp 2021 finden Sie hier

Ein fünf mal sechs Zentimeter grosser lebensbedrohlicher Knochentumor konnte ihr erst mit 21 Jahren operativ entfernt werden. Bis dahin "hätte jeder Sturz mich töten können. Ich war immer das Mädchen mit dem Tumor und sah aus, als hätte ich ein Horn". Für Kinder und Jugendliche ein Trauma auf mehreren Ebenen.

Ihre Erkenntnis aus dieser Zeit lautet: "Einer der Urängste der Menschen ist der Tod". Stimmt. Ist aber auch nicht verwunderlich. Immerhin ist dann in den meisten Fällen das Leben vorbei.

Das beinahe philosophische Fazit, das Xenia von Kant Wittgenstein Hegel zieht, ist: "Wenn man die Angst vor dem Tod ablegt, ist man frei". Klingt zwar ein bisschen wie aus einer Attila-Hildmann-Telegram-Gruppe, hat aber viel Wahrheit in sich. Stichwort Wahrheit: Kennen Sie dieses Mädchen, das bei "The Ring" plötzlich aus dem Fernseher kommt?

Nach eingehender Analyse der Tiny-House-Bilder bin ich inzwischen sicher, Inspiration für den Look dieses Mädchens war Djamila Rowe, bevor sie sich morgens gekämmt hat.

Djamila Rowe fordert Désirée Nick zum Boxkampf heraus

Damit Filip nicht am Ende auch noch Anekdoten aus seiner Kindheit erzählen muss, bietet er Djamila ein professionelles Boxtraining an. Das macht Sinn, denn Djamila bezeichnet sich ja selber als "die Mutter aller Luder". Und wo gibt es die meisten Luder? Genau! Beim Boxen. Die so genannten Boxenluder.

Promiboxen-Legende Pavlović und Sparringspartnerin Rowe zeigen sich motiviert, auch wenn der Handlungsradius natürlich beschränkt ist. Und damit sind nicht geistige Fähigkeiten gemeint. Das Tiny House ist mit 18 Quadratmetern kleiner als ein handelsüblicher Boxring.

Also tänzeln sie ein wenig vor dem Küchentresen rum, Filip Pavlovic lässt ein paar Box-Buzzwords fallen und entlässt Djamila dann mit ihrem neuen Kampfnamen "Djamila Rowe-Klitschko" in ihre neue Boxkarriere.

Rowe hat Blut geleckt und fordert direkt Désirée Nick zu einem Boxkampf heraus. Als Rache "für alle Mobbing-Opfer". Dieser Fight würde in die Annalen der Boxgeschichte eingehen und in einem Atemzug mit den grössten Boxkämpfen Weltgeschichte genannt werden:

  • Muhammad Ali gegen George Foreman
  • Evander Holyfield gegen Mike Tyson
  • Lennox Lewis gegen Vitali Klitschko
  • Sido gegen "BILD"-Handyreporterinnen

Dschungelcamp: "Das Grosse Nichtpromi-Boxen"

Was wäre das für ein Hype: "Das Grosse Nichtpromi-Boxen" um den Promi-Botoxen-Titel bei der Weltmeisterschaft im Intellektuellen Fliegengewicht. Einschaltquoten wie zu besten "Wetten Dass"-Zeiten und die Garantie, dass während des Kampfes keine Ohren abgebissen werden. Dazu wären die beteiligten Lippen gar nicht fähig. Und Augenauskratzen ist mit Boxhandschuhen ebenfalls recht schwierig.

Noch sitzt Djamila aber im Casting für IBES 2022 fest. Um sich die Zeit zu vertreiben, erläutert sie Nesthäkchen Filip nochmal ihren Promistatus "Botschafts-Luder". Punch-Legende Filip hat sich beim Promiboxen gegen Paul Janke womöglich die eine oder andere Gehirnzelle wegprügeln lassen. Er stellt sich jedenfalls etwas umständlich an, was das Nachvollziehen von Djamilas Vita angeht. Aber das liegt nicht am Botschafts-Luder, das ist bei Rechenaufgaben ab 5 plus 7 bei Filip genauso.

In ihrer Verzweiflung versucht Djamila es sogar mit sprachhistorischen Begriffserläuterungen und erklärt: "Luder ist ein Köder bei der Jagd". Das sollte Filip verstehen. Luder, Köder, klar. So wirkt auch die Teppich-Luder-Story von Janina Youssefian gleich viel logischer: Luxus-Möbelhäuser drapieren nackte Models auf ihrer hochpreisigen Auslegeware und hoffen auf zahlungskräftige Beischlaf-Prominenz mit dem Begattungs-Drang eines Dieter Bohlen.

Tiere in Boxen zählen, ohne sie zu sehen

Wir Teppich-Experten aus der "von den Benken"-Dynastie kennen die goldene Regel der Flokati-Branche: Wenn Du auf ihm Sex hattest, musst du ihn auch kaufen. Quasi der Kopulations-Passus der Teppichhändler. Soweit, so klar, Filip?

Wohl eher nicht, aber egal, denn RTL ruft zur Prüfung. Kaum in der Spiel-Arena angekommen, hat Grumpy-Princess Xenia schon wieder etwas zu meckern. Dieses Mal geht es nicht um zu Zigaretten, sondern um Hygiene: "Ich habe seit zwei Tage dieselbe Unterwäsche an, ekelhaft." Das ist aus zwei Gründen interessant. Zum einen tragen die meisten Kandidatinnen bei Formaten wie IBES ja zumeist gar keine Unterwäsche (Punkt an Xenia), zum anderen bedeutet es natürlich, dass sie mindestens bis zwei zählen kann.

Viel weiter allerdings – das zeigt sich recht schnell im Verlauf der anstehenden Prüfung – wohl nicht. Das Qualifikations-Trio muss Tiere in Boxen zählen, ohne sie zu sehen.

Und, tja: Als einzige liegt Xenia kein Mal richtig. Dabei hatte sie gar nicht die erwarteten Vogelspinnen, Kongo-Wasserkobras, Taranteln oder Skorpione in der Box.

Xenia von Sachsen will ihre Hände ungern in die Box stecken.

Vom Botschafts-Luder zum Kanzler-Luder?

Die drei Zähl-Versager und Hochleistungs-Sprachakrobaten gehen beim Ertasten so behutsam vor, dass den Tieren in den Boxen mehr Zärtlichkeiten zuteilwerden als Djamila Rowe in den letzten Jahren. Die hatte ja zuletzt einen Einblick in ihr Sexsleben gegeben, das etwa so existent ist, wie die Chancen von Olaf Scholz, Kanzler zu werden.

Ich finde übrigens, ich habe ebenfalls einen Platz im nächsten Dschungelcamp verdient. Das muss man erstmal schaffen: Olaf Scholz und Erotik im selben Satz unterzubringen. Überhaupt passen Djamila und Scholz ganz gut zusammen: Sie hatte "seit 11 Jahren keinen Sex" und er seit 11 Jahren keine gute Idee. Ob sich da was anbahnen könnte? Was für ein Karrieresprung. Vom Botschafts-Luder zum Kanzler-Luder.

Beim Blind-Zählen der Tiere zeigt dann ausgerechnet Xenia am wenigsten Talent, obwohl sich ausschliesslich völlig ungefährliche Kröten und Ratten in ihrer Box befinden. Anders als zum Beispiel Zigaretten haben Kröten noch nie für ein signifikantes Ansteigen der Mortalitätsrate gesorgt. Disclaimer: Alleine in Deutschland sterben jedes Jahr fast 130.000 Menschen an den Folgen von Tabakkonsum. Über die Anzahl der nach Krötenbissen Dahingeschiedenen lassen sich beim Bundesgesundheitsministerium keine belastbaren Zahlen finden.

Historisch betrachtet ist die Teilnahme an einer Dschungel-Prüfung ohnehin mit insgesamt überschaubaren Risiken verbunden. Statistisch liegt der Prozentsatz von Prominenten, die sich während eines Dschungelcamps tödliche Verletzungen zugezogen haben, bei 0,00 Prozent.

Ähnlich sieht die Quote übrigens bei den zahlreichen Nicht-Promis aus, die schon bei IBES dabei waren. Liebe Grüsse an dieser Stelle an Toni Trips, Domenico de Cicco, Sandra Steffl, Marco Angelini, Silvia Gonzales und Marlene Tackenberg. Oder können Sie sich an irgendeinen dieser Namen erinnern? Falls ja, schlafen Sie entweder in Dschungelcamp-Bettwäsche, oder sind Daniel Hartwich. Oder wenn es ganz schlecht läuft: Beides.

Der Xavier Naidoo der Testgruppe 4

Statistiken hin oder her – Xenia bleibt skeptisch. Covidioten würden sie wahrscheinlich "Dschungelprüfungs-Kritikerin" nennen, aber die zweifeln ja vermutlich auch die knapp 130.000 Tote durch Tabakkonsum an: "Sind die wirklich DURCH Tabak gestorben, oder MIT Tabak?" Egal, Xenia von Sachsen, der Xavier Naidoo der Testgruppe 4, agiert während der Prüfung jedenfalls so zaghaft, als würden Kröten bei Berührung Scooter-Songs singen.

Ja, ja, die Angst vor der gefährlichen Killer-Kröte. Obwohl: Mit der Taktik hätte Xenia sich auch verzählt, wären in ihrer Box statt Ratten Tennisbälle gewesen. Der interessanteste Moment ihrer Prüfungsleistung bleibt daher ihr Zwischenbericht nach minutenlanger Tast-Verweigerung: "Mich hat irgendwas berührt mit Haaren". Das sollte für eine junge Frau doch eine gute Nachricht sein. Detlef D. Soost ist es dann nämlich schon mal nicht.

Auch Djamila fasst nicht alles gerne an und beschreibt die Schlangen in ihrer Box mit: "Irgendwas mit glatter Haut". Auch hier greift das bewährte Ausschlussverfahren. Glatte Haut, damit fallen zum Beispiel Bea Fiedler, Sky duMont oder Kader Loth weg. Diese Liste könnte jetzt tagelang weitergeführt werden, dafür ist aber keine Zeit. Entsprechend schlecht liefern Xenia, Djamila und Filip bei dieser Prüfung ab.

Die Letzte Prüfung vor dem Halbfinale

Die drei geraten in Hektik, verzählen sich, rechnen dann falsch und erspielen keinen einzigen Stern. Man nennt sie schon die Helena Fürsts der Dschungelshow. Filip hat dann aber zumindest eine plausible Erklärung für das Totalversagen: "Wie soll man Schlangen zählen?" Und da keimt dann kurz die sich frisch bei mir erneuerte Yotta-Phobie auf. Nach drei Tagen, in denen Djamila und Filip über monströse Geschlechtsorgane philosophiert haben, bekommt der Satz "Bei mir sind drei Schlangen drin" nämlich eine völlig neue Bedeutung.

Alles in allem ist diese letzte Prüfung vor dem Halbfinale so langweilig, wenn es die Corona-Regeln nicht geben würde, hätte ich David Ortega angerufen und mit ihm ein paar Eichen angebetet. Daniel und Sonja dagegen finden, die Prüfung wäre ziemlich einfach gewesen. Man muss ja nur 10 Krebse zählen. Was sie bei diesem vorschnellen Urteil nicht bedenken: Bis 10 zählen – da fängt das Problem ja schon an. Ausserdem zählt Xenia ja eigentlich ohnehin nichts, ausser Zigaretten.

Das Ausharren beim Zähl-Fiasko lohnt sich aber trotzdem, denn vom Mathe-Nachhilfeunterricht geht es nahtlos weiter in die Entscheidung, wer im Halbfinale dabei sein wird. In den Abschluss-Statements zeigt sich Xenia enttäuscht, dass es in den Prüfungen keine ekeligen Dinge zu verspeisen galt und bilanziert: "Ich bin etwas traurig, weil ich hatte mich auf einen Penis gefreut".

In panischer Angst, im Falle eines Halbfinal-Einzugs würde sie deshalb womöglich Mike Heiter zum Beischlaf zwingen, schmeissen die entsetzten Zuschauer die Zahlenprinzessin raus. Morgen startet dann also das Halbfinale ohne sie, dafür aber mit Djamila, Filip, Zoe, Christina, Sam, Lars, Lydia und besagtem Mike. Und wissen Sie, was das Grandioseste dabei ist: Ich werde auch wieder da sein. Also nicht da, sondern hier. Bis morgen!

"Dschungelshow": Warum dürfen die Kandidaten keine eigene Kleidung tragen?

Die Kandidaten dürfen im Dschungelcamp nicht ihre eigene Kleidung tragen. Hose, Pullover, Schuhe und sogar die Socken bekommen sie gestellt. Dr. Bob erklärt, warum das so ist. © RTL Television