Reality-Sternchen wie Sarah Knappik und Wendler-Ex Claudia Norberg suchen in "Match! Promis auf Datingkurs" die grosse Liebe - mit ganz normalen Menschen. Dummerweise wollen auch die vor allem ins Fernsehen.

Eine Kritik
von Felix Reek

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Es muss ein schreckliches Schicksal sein, prominent zu sein. Jeden Tag scharen sich die Menschen um einen. Nur wenn sich die Tür zu Hause öffnet, ist da niemand.

Dieser Eindruck lässt sich zumindest in der neuen RTL-2-Show "Match! Promis auf Datingkurs" gewinnen, die montags um 20:15 Uhr zu sehen ist. Wobei der Begriff "Promis" natürlich heutzutage dehnbar ist.

Wer sich von den Boulevardmedien und den üblichen Reality-TV-Sendungen fernhält, wird von den vier Teilnehmern der Show möglicherweise noch nie gehört haben.

Reality-Stars wie Sarah Knappik(2.v.r.) und Wendler-Ex Claudia Norberg (l.) suchen in "Match! Promis auf Datingkurs" die grosse Liebe - mit ganz normalen Menschen.

Sebastian Fobe nahm an diversen "Bachelor"-Formaten teil, Marcellino Kremers flirtete auf "Love Island", Claudia Norberg war 29 Jahre mit Michael Wendler verheiratet und Sarah Knappik begann ihre Medien-Karriere bei "Germany’s Next Topmodel" und führte sie später im Dschungelcamp weiter.

Oder um es in ihren eigenen Worten zu sagen: Für Deutschland sei sie heute "so etwas wie die deutsche Angelina Jolie". Nur eben ohne Schauspieltalent. Und Brad Pitt. Zumindest letzteres will "Match! Promis auf Datingkurs" jetzt ändern.

"Match! Promis auf Datingkurs": Show-Format aus Grossbritannien

Das Format stammt aus Grossbritannien, wo es seit acht Staffeln mit ähnlich unbekannten "Stars" unter dem Titel "Celebs Go Dating" durchaus erfolgreich läuft. Das Prinzip ist simpel: Eine Partnerschaftsvermittlung, bei der nicht ganz klar ist, ob sie nun real existiert oder nicht, hat potenzielle Singles gecastet und soll das Verhalten der Prominenten beobachten. Nach jedem Date gibt es eine Manöverkritik.

Der Unterschied zu anderen Formaten dieser Art ist: Die potenziellen Partner sind "Normalos", die die Stars sonst vielleicht so nie kennenlernen würden, weil sie auf der Strasse natürlich nicht mehr angesprochen werden. Warum das so ist, beweisen sie in "Match! Promis auf Datingkurs" gleich selbst.

Die Dating-Coaches sind genauso anspruchslos

Sebastian Fobe beispielsweise stürmt die Single-Party, mit der die Show beginnt, mit den Worten "Girls, girls, girls" und schafft es nicht, seine Aufmerksamkeit länger als fünf Minuten einer Frau zu widmen.

Glücklicherweise sind die Dating-Coaches Matthew und Dora genauso anspruchslos: "Wow! Beide Fitnesstrainer? Ein Match made in heaven!" Kein Wunder, dass Partnervermittlungen so ein gutes Geschäft sind.

Noch ungeschickter stellt sich Claudia Norberg an. Einem Mann erklärt sie als erstes, dass sie eigentlich in Florida lebt. Dem nächsten, dass man ja mal zusammen in Urlaub fahren könnte. Zu ihrer Verteidigung: Wer 29 Jahre mit dem Wendler verbracht hat, muss sich erstmal wieder daran gewöhnen, dass das Gegenüber nicht die ganze Zeit von sich selbst spricht.

Sebastian Fobe wird gleich zweimal abserviert

Höhepunkt dieser mittelpeinlichen Massen-Balz ist die maximal peinliche Vergabe der ersten Dates. Vor versammelter Belegschaft müssen die Promis verkünden, wen sie näher kennenlernen wollen. Was an sich schlimm genug wäre, wenn Sebastian Fobe nicht gleich zweimal abserviert würde. Zuerst von Fitnesstrainerin Sina, dem "Match made in heaven", die ihn "nett" findet, aber nicht mehr, dann von Ines, die nicht "die zweite Wahl sein will".

Eine andere Kandidatin, die etwas zu begeistert brüllt: "Ich würde gern mit dir aufs Date gehen!" und schon zuvor nach seinem Sexleben fragte, ignoriert Fobe lieber. "Wir werden da morgen eine Lösung finden", versprechen die Coaches und meinen: In ihrer Kartei wird sich schon jemand finden, der geringere Ansprüche hat. Es gibt schliesslich genug Menschen, die ins Fernsehen wollen.

Kremers-Date findet: Spanien ist ein "08/50 Land"

Denn natürlich geht es "Match! Promis auf Datingkurs" vor allem darum. Die Reality-Stars leben von ihrer Medienpräsenz, die Normalos wollen genau da hin. Wer käme schliesslich sonst auf die Idee, einen C-Promi kennenlernen zu wollen? Während eine Kamera dabei ist? Am deutlichsten zeigt sich das bei den anschliessenden Dates.

Marcellino Kremers trifft sich mit Tülay und kann sich nicht einmal mehr an den richtigen Namen erinnern. Der Funke mag nicht so richtig überspringen. Und das, obwohl Tülay "ganz viel nachdenkt". Zum Beispiel darüber, dass Spanien "so ein 08/50 Land ist".

Sarah Knappik: Als parke ein Porsche auf einem Behindertenparkplatz

Noch schlimmer läuft es bei Sarah Knappik. Manuel, der beim Ordnungsamt arbeitet und Strafzettel verteilt, kommt kaum zu Wort. Als es dann doch soweit ist, wünscht er sich schnell, er hätte weiter den Mund gehalten. Es ist als parke ein Porsche auf einem Behindertenparkplatz. Und er hat seinen kleinen Computer nicht dabei.

Ob er ein Problem damit hätte, in der Öffentlichkeit zu stehen, fragt ihn Knappik. Manuel zeigt sich ein wenig zu begeistert. Ein roter Teppich wäre doch mal nett! Offenbar nicht die Antwort, die Knappik hören will. Sie wird zunehmend misstrauischer. Ob er schon mal im Fernsehen war, fragt sie. Nur einmal, bei "Take Me Out" - ausgerechnet einer anderen Dating-Show.

Evelyn Burdecki wäre auch schön gewesen

Und ob er sich denn jemanden vorgestellt habe, der ihn hier erwartet? "Evelyn Burdecki", sagt er dann auch noch, während Sarah Knappik schon im Aufreg-Modus anbietet, sie gleich anzurufen. Womit das Date gelaufen ist.

Doch keine Sorge: Die beiden Dating-Coaches werden da sicher "eine Lösung finden". Wenn nicht bei "Match! Promis auf Datingkurs", dann sicher in einer anderen Show.

Direkt nach dem Ende der ersten vier Folgen startet zum Beispiel bereits das nächste Single-Format: "Naked Attraction". Da kann sich nun wirklich keiner mehr verstellen. Dort sind alle Teilnehmer von Anfang an nackt.