So nah sind Freud und Leid mitunter beieinander. Ich wache am Sonntag in einem Luxushotel in Paris auf. Der siebte Morgen in Folge, an dem ein opulentes Frühstück, gefolgt von einem Tag auf der Pariser Fashion Week mit fantastischer Mode und dem Glamour der Schönen und Reichen auf mich wartet. Plötzlich sitzt man neben Kate Moss in der Front Row oder mit rKendall Jenne beim Dinner.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
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Und am Abend dann: philosophisches Plauderstündchen mit Mario Baslers On-Off-Liebelei Doris im "Sommerhaus der Stars", der Kate Moss von Bocholt. Das ist ein bisschen wie drei Jahre lang jeden Tag mit Ryan Gosling verbringen, flirten, lachen, die Liebe des Lebens – und zur Hochzeit steht dann plötzlich Markus Söder mit dir vor dem Altar. In seiner "Top Gun"-Jacke.

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Der Abend, der mich zurück in meine normale Welt abseits von Gigi Hadid, Kaia Gerber oder Alicia Vikander katapultiert, startet mit einem frustrierten Patrick Romer. Ich habe es von einer GNTM-Kolumne bis an die Front Row nach Paris geschafft, Romer dagegen von "Bauer sucht Frau" bis ins Sommerhaus. Es wächst zusammen, was zusammengehört. Romer jedenfalls nervt, dass die "Originalen Kandidaten" ihn "im Stich lassen", denn "Der Opa sitzt nur noch mit der Heizdecke rum".

Mit Opa ist Mario Basler gemeint, mit Heizdecke aber nicht Doris, sondern sein malträtierter Rücken. Durch den über nunmehr ein paar Jahrzehnte konsequent durchgehaltenen durchschnittlichen Konsum von 34 Schachteln härtester Glimmstängel pro Tag gleichen Baslers Laktatwerte inzwischen denen eines fünf Tonnen schweren adipösen Blauwals mit Asthma. Im Sommerhaus macht sich das insbesondere über seinen Rücken bemerkbar, der offenbar mehr Schmerzen verursacht als eine mittelalterliche Streckbank und das narkosefreie, rhythmische Einhämmern von 200 rostigen Nägeln direkt in sein Schienbein.

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"Sommerhaus der Stars": Mario Basler hat Rücken

Patrick, der Wissenschaftler unter den Sommerhäuslern, geht mit grosser Angst in den neuen Tag. Die ist aber immerhin – da unterscheidet er sich vom Grossteil der Telegram-Studierten aus der Querdenker-Szene – empirisch lückenlos unterfüttert: "Wenn Mario geht, kommt doch direkt wieder so ein Islander-Paar nach. Die sind halt sehr günstig!" Günstig ist übrigens ein Synonym für billig, aber das ist sicher Zufall und Vanessa Mariposa, die ihren Einzug am Vortag mit einem Schäferstündchen im Duschtrakt gefeiert hatte, war auch nie bei "Love Island".

Bei der als Vanessa Hofinger geborenen Österreicherin hatte es zum Karrierestart nur für "Ex on the Beach" gereicht. Aber auch Sommerhaus-Maskottchen Cosimo Citiolo ist für das "Bauer hat Frau gefunden"-Pärchen kein Trost. Oder wie Patricks Herzdame Antonia sagt: "Cosimo ist nicht unser Niveau." Das sind sie, die Traum-Momente im Trash-TV: Die Freundin von einem, der mal bei "Bauer sucht Frau" mitgemacht hat, ordnet zur Primetime das Niveau von DSDS-Drop-outs ein. Früher hat man sich einfach mal die Haare geflochten, wenn einem langweilig war, oder Japanisch gelernt. Heute guckt man halt "Sommerhaus der Stars" und freut sich, dass man nicht der Dümmste im ganzen Land ist.

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Das Beten an die Götter des Trash-TV (Julian F.M. Stöckel, Thorsten Legat und Sarah Knappik) bleibt aber erfolglos. Mario Basler muss sich verletzt auswechseln lassen und räumt seinen Platz freiwillig. Der erste Aderlass des Sonntags also schon lange vor der Nominierung. Dieser Schock führt zu unerwarteten atmosphärischen Änderungen im Sommerhaus. Selbst bei Stephen und Katharina Dürr zeigt sich unmittelbar nach Baslers Abgang spontaner Phantomschmerz: "Die anderen sind eine Islander-Gang, die wählen sich nicht und wir müssen uns mit denen auch nicht den ganzen Tag über Nippel-Piercings und Pimmel-Tattoos unterhalten."

Auch Ur-Kandidat Patrick konstatiert: "Wir hatten nie ein Problem mit den Dürrs. Wir werden immer wärmer mit denen. Sie sind ja mittlerweile nicht mehr der Feind, sondern der Freund." Seine Antonia sitzt staunend daneben und kann die einsteinesque Weisheit ihres Patricks kaum glauben. Mit grossen, euphorischen Augen fasst sie zusammen: "Der Patrick sagt immer, der Feind deines Feindes ist dein Freund, ja und genauso ist es ja jetzt irgendwie geworden."

All Night Low

Cosimo sitzt derweil gut gelaunt im Garten und spielt seine grössten Talente aus. Er kann ganz gut singen, aber beschissen englisch. Seine Version von Lionel Richies "All Night Long" klingt daher ein wenig wie ein Kinderlied über einen Aal namens Neidlonk. Noch schmerzhafter wirkt sich dieser Trend bei Marco Cerullo aus. Cerullo kann noch schlechter englisch, dafür aber wenigstens überhaupt nicht singen. Bei ihm dürfen sich die seit Alexander Klaws Auftritt als singender Jesus von RTL nicht unbedingt gesangskulinarisch verwöhnten Zuschauer für den Ohrwurm "Ott Nylons" bedanken. Vermutlich der Name eines finnischen Fetisch-Clubs. Ob Cerullo-Freundin Christina Grass weiss, in welchen Etablissements ihr Lover sich schon so alles umgeschaut hat?

"All Night Long" auf der Toilette hätte Stephen Dürr vor dem ersten Spiel geholfen. Kot Red beim Ex-Schauspieler: "Ich habe nicht zu Ende gekackt!" Auf dem Feld der Albträume zwingt ihn dann ein kurzer Heulkrampf in die Knie. In seinem hautengen gelben Borat-Anzug scheint in ihm die Angst zu reifen, eine ungeplante Darmentleerung könnte ein äusserst unattraktives Bild für die Ewigkeit abgeben. Zumal der Fahrrad-Parcours nichts für schwache Körper ist. Christina leidet besonders: "Jetzt habe ich auch blaue Flecken an der Muschi." Vor meinem inneren Ohr höre ich Weltklassesänger Marco bereits "Deine blauen Flecken an der Muschi machen mich so sentimental" singen, aber leider reagiert der "Ex on the Beach"-Diplomrealitystar statt mit aufbauenden Gesangseinlagen nur mit Unverständnis.

Noch härter trifft es Stephen. Seine Angst, es könne impulshaft ein Brei aus verdauten Leckereien der vergangenen Tage langsam sein Bein hinab gleiten macht ihn intellektuell handlungsunfähig. Es gelingt ihm nicht mal, die Vokabel "Chlamydien" zu buchstabieren. Und das, obwohl er, wie Gattin Katharina aus dem Nähkästchen der Geschlechtskrankheiten plaudert "es alle zwei Wochen hat". Ein in Hamburg durchaus verbreitetes Krankheitsbild, das formalmedizinisch "Chlamydia trachomatis michael ammerensis" genannt wird.

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Sex and the Duschwanne

Stichwort Geschlechtskrankheiten: Die bereits vor der Nominierung gesicherten Vanessa und Diogo Sangre flexen derweil bei Patrick und Antonia, die nach Baslers Abgang nun ein Einzelzimmer haben, damit, dass sie schon ordentlich Sex im Haus hatten. Diogo verrät sogar den Titel seiner Memoiren: "Ich mach's auch vor der Kamera". Patrick findet "Vögeln vor der Kamera ist primitive Sendezeit". Duschkopulations-Expertin Vanessa sieht das Thema entspannter: "Jeder von uns geht auf Toilette, jeder von uns hat Sex."

Man merkt, sie hat keinen Twitter-Account. Viel Zeit für weiteren Dr.-Sommer-Team-Sextalk bleibt aber nicht, denn RTL verrät den Sieger des ersten Spiels: Christina und Marco. Sie sind nun geschützt, müssen aber einem anderen bereits geschützten Team ihren Schutz wegnehmen. Team Cerullo entscheidet sich für Team "Bauer sucht Frau". Da ist die Stimmung bei Antonia und Patrick natürlich direkt auf dem Niveau von BVB-Fans nach dem Spiel in Köln.

Das zweite Spiel der achten Episode trägt den Namen "Dünnbrettbohrer". Nomenklatorisch betrachtet ein Heimspiel für Cosimo. Erneut ein Stresstest für die wenigen noch Rausschmiss-bedrohten Paare. Patrick etwa hadert mit den Anweisungen seiner Antonia: "Ich brauche Zahlen, ich habe ein Massband im Auge!" Sollte man bei Gelegenheit mal von einem Ophthalmologen überprüfen lassen. Und Cosimo, falls Du hier mitliest: Ophthalmologen sind Fachärzte für Augenheilkunde. Bitte nicht drüber singen.

Chef-Feminist Patrick fasst das Spiel wie folgt zusammen: "Eine Frau hätte das mit dem Bohren nicht geschafft." Da ist er wieder, der traditionelle Bohrstolz echter Männer. Mit dieser symphytischen Einstellung gewinnt Team Bauer das Spiel und kann nicht mehr nominiert werden. Patrick ist von seiner eigenen Genialität so berauscht, dass er sich am liebsten selbst anbohren würde: "Wenn es einen zweiten wie mich gibt, werde ich schwul." Ich übrigens auch.

Am Ende stehen für eine Nominierung nur noch Cosimo und Nathalie sowie Familie Dürr zur Wahl. Das Endergebnis lautet 4:1 für Stephen und Katharina. Alle Stimmen der anderen, nur die eigene geht nicht an Familie Dürr. Das kennen sie schon aus der Folge, in der sie sich letztlich noch in einer Exit-Challenge gegen Kader Loth retten konnten. Und auch diese Woche gewährt RTL den Dürrs erneut eine zweite Chance: Exit-Challenge gegen Cosmio und Nathalie. Die Dürrs haben inzwischen mehr Exits hinter sich als Grossbritannien.

Für Cosimo ein Supergau: "Ich schwöre auf meine Mutter, das macht niemand mit mir." Er bricht im Haus emotional zusammen: "Ich gehe, ich will auch keine Gage, ich will nicht mehr vor der Kamera reden." Da hört man die Champagnerkorken bei RTL quasi bis nach Paris knallen: Ein Cliffhanger, den sich Hollywood nicht besser ausdenken hätte können: Geht Cosimo wirklich, ohne seine Exit-Challenge-Chance wenigstens zu probieren? Mehr dazu genau hier am Donnerstag! Bis dann!

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