• Frauen spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Klimakrise.
  • In der Klimapolitik sind Frauen dennoch unterrepräsentiert.
  • Auf der COP27 fordern Aktivistinnen Klima- und Geschlechtergerechtigkeit.

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Mädchen und Frauen sind stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen als Männer. Gleichzeitig sind sie in der internationalen Klimapolitik und -debatte nach wie vor unterrepräsentiert. Darauf will der Gender-Tag, der am Montag auf der Weltklimakonferenz COP27 stattfindet, aufmerksam machen.

Das Problem der fehlenden Perspektive von Frauen zeigt sich bereits deutlich auf der COP27 selbst. So posierten die Vertreter und Vertreterinnen der teilnehmenden Staaten zu Beginn der Konferenz auf einem Foto: Zu sehen sind 110 Männer und 7 Frauen. Der amerikanische Klimawissenschaftler Ben Ho kommentierte das Foto auf der Plattform Twitter mit den Worten: "An diesem Punkt sollten wir vielleicht die Frauen um Hilfe bitten."

African Feminist Taskforce fordert Klimagerechtigkeit

Mehr Repräsentation, mehr Gehör – das fordern auch 150 afrikanische Aktivistinnen der sogenannten African Feminist Taskforce. Auch Afrika ist stark von Folgen des Klimawandels betroffen. Die Auswirkungen der Klimakrise auf Frauen verschärfen die vielerorts bestehenden geschlechtsspezifischen Bedingungen, heisst es in einem Bericht von UN Women. Dazu gehörten demnach grössere Einkommensunterschiede und finanzielle Unsicherheit.

Die Aktivistinnen der African Feminist Taskforce haben im Vorfeld der COP27 eine Reihe kollektiver Forderungen formuliert, die die Führungsrolle von Frauen und Jugendlichen in Klimaprozessen, Landrechten, Intersektionalität sowie Klimafinanzierung betreffen.

Am Gender-Tag soll vor allem eines deutlich gemacht werden: Geschlechtergerechtigkeit hängt eng mit Klimagerechtigkeit zusammen. Gerade Extremwetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen treffen laut UN Women Menschen in Armut am härtesten. 70 Prozent der Menschen, die weltweit unter der Armutsgrenze leben, sind Frauen.

Naturkatastrophen treffen Frauen stärker

"Sie haben meist weniger Ersparnisse und finanzielle Sicherheiten, die eine Krise oder Katastrophe abfedern könnten", sagt Bettina Jahn von UN Women Deutschland. Frauen, insbesondere Indigene, leben meist in höherer Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen. Werden diese Ressourcen durch die Folgen des Klimawandels knapper, zum Beispiel durch Dürren oder Überschwemmungen, schwindet die Lebensgrundlage dieser Frauen.

Auch Naturkatastrophen und ihre Folgen treffen Menschen unterschiedlich stark, betont Jahn, je nachdem, wie gut sie auf eine Katastrophe vorbereitet waren, wie schnell sie gewarnt wurden, wie gut sie flüchten oder sich von den Folgen erholen konnten. "Und leider stehen da Frauen im Vergleich deutlich schlechter da", sagt Jahn. So sollen beim Tsunami 2004 in Sri Lanka 70 Prozent der Todesopfer Frauen gewesen sein.

Viele Frauen konnten im Gegensatz zu Männern nicht schwimmen. Die traditionelle lange Kleidung erschwerte die Flucht. Während Männer zum Zeitpunkt der Katastrophe grossteils arbeiten waren, hielten sich Frauen vermehrt zu Hause auf, wurden zu spät gewarnt. Bei ihrer Flucht waren sie für Kinder und ältere Familienmitglieder verantwortlich und damit viel langsamer.

Sexualisierte und häusliche Gewalt gegen Frauen steigt an

Nach Naturkatastrophen steigt ausserdem die sexualisierte und häusliche Gewalt gegen Frauen deutlich an. Auf der Flucht sind sie einem hohen Risiko oder der Zwangsprostitution ausgesetzt. Schätzungen der UN zufolge sind 80 Prozent der durch den Klimawandel vertriebenen Menschen Frauen.

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Beschäftigungssektor für Frauen in Ländern mit niedrigem und niedrigem bis mittlerem Einkommen, heisst es in einem Paper der COP27. In Zeiten von Dürre und unregelmässigen Regenfällen arbeiten Frauen als Landarbeiterinnen und Hauptbeschafferinnen demnach härter, um das Einkommen und die Ressourcen für ihre Familien zu sichern. Dies erhöht den Druck auf Mädchen, die oft die Schule verlassen müssen, um ihren Müttern bei der Bewältigung der erhöhten Belastung zu helfen.

Zudem ist es meist die Aufgabe der Frauen, weite Wege zum Wasserholen zurückzulegen oder Holz zu sammeln. Die Dürre erschwert ihre Arbeit, sie müssen weitere Wege zurücklegen und die Töchter der Familie zu Hause bleiben, um zu helfen. Das hat wiederum langfristige Folgen, weil die Mädchen den Anschluss in der Schule verlieren. Aufgrund der längeren Wege häufen sich zudem die sexuellen Übergriffe auf Frauen, besonders in Regionen, in denen bewaffnete Banden marodieren, heisst es in einer aktuellen Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN), einer internationalen Nichtregierungsorganisation.

Hohe Gesundheitsrisiken für Mädchen und Frauen

Frauen haben auch stärkere hygienische Bedürfnisse, allein aufgrund der Menstruation und des Stillens. Eine Analyse von 130 Studien aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Frauen und Mädchen überproportional hohen Gesundheitsrisiken durch die Folgen des Klimawandels ausgesetzt sind. Salzigeres Trinkwasser kann aufgrund des steigenden Meeresspiegels zu Frühgeburten sowie zum Tod von Müttern und Neugeborenen führen. In Katastrophenlagen ist der Zugang zu gynäkologischer Versorgung und Geburtshilfe zudem oft eingeschränkt.

Doch Frauen sind eben nicht nur Opfer der Klimakrise, und auch darauf soll am Gender-Tag der COP27 aufmerksam gemacht werden. Denn: Frauen spielen eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der Klimakrise. Dazu zählt etwa ihre unverzichtbare Rolle bei der Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität und dem Beitrag zur Ernährungssicherheit.

Mehr Frauen gleich bessere Ergebnisse

Programme zur Waldbewirtschaftung in Nepal und Indien zeigen bessere Ergebnisse, sobald mehr Frauen in den Komitees vertreten waren und effektivere Massnahmen beschlossen hatten, heisst es in einem Bericht der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN). Dasselbe sei bei Präventionsprogrammen bei Dürren in Kenia und Äthiopien der Fall gewesen.

Eine Untersuchung der Verbindungen zwischen dem Gleichstellungsstatus und der Grösse des ökologischen Fussabdrucks in mehr als hundert Ländern zeigt zudem: je geschlechtergerechter eine Gesellschaft, desto kleiner der CO2-Fussabdruck pro Person. Verbesserungen in der Gleichstellung der Geschlechter könnten also entscheidend zur Bekämpfung der Klimakrise beitragen.

"Es ist Zeit für ein neues Klima-Narrativ für junge Frauen in Afrika. Ein Narrativ, das über die Zuschreibung von Opferrolle und Verwundbarkeit hinausgeht und uns als Schlüsselakteure mit dem Wissen und der Handlungsfähigkeit positioniert, die für sinnvolle Klimagerechtigkeit und -massnahmen erforderlich sind", sagt auch Jennifer Uchendo aus Nigeria, ebenfalls Mitglied der African Feminist Taskforce.

Daher sei es auch entscheidend, Frauen zu stärken, wie es die African Feminist Taskforce fordert, sei es durch Bildung oder Vertretung in Regierungen, damit sich Gesellschaften schneller und besser an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen können.

Verwendete Quellen:

  • Webseite des Global Green Growth Institute
  • carbonbrief.org: Mapped: How climate change disproprtionately affects women's health
  • dgvn.de: Klimagerechtigkeit und Geschlecht: Warum Frauen besonders anfällig für Klimawandel und Naturkatastrophen sind
  • bpb.de: Geschlechtergerechtigkeit und Klimapolitik
Dieser Beitrag stammt vom Journalismusportal RiffReporter. Auf riffreporter.de berichten rund 100 unabhängige JournalistInnen gemeinsam zu Aktuellem und Hintergründen. Die RiffReporter wurden für ihr Angebot mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
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