Pit Gottschalk

Sportjournalist, Kolumnist

Pit Gottschalk ist eines der bekanntesten und profiliertesten Gesichter im deutschen Sportjournalismus. Der 51-Jährige arbeitete bis Jahresende 2018 als Chefredakteur Sport bei der Funke Mediengruppe in Essen. Zuvor hatte Gottschalk unter anderem an der Erfolgsgeschichte der "Sport Bild", Europas grösster Sportzeitschrift, mitgeschrieben. Deren Chefredakteur war der mehrfach ausgezeichnete Journalist zwischen 2003 und 2008.

Insgesamt verbrachte Gottschalk, der bis 1992 bei Mitteldeutsche Zeitung/Mitteldeutscher Express volontiert hatte, insgesamt 21 Jahre im Hause Axel Springer, unter anderem bei "Welt/WamS" und "Sport Bild". Im Frühjahr 2019 legte Gottschalk in seinem Buch "Kabinengeflüster" bisher unerzählte Geschichten aus seinen Jahren im Journalismus vor.

Artikel von Pit Gottschalk

Irgendwann streikt sogar die Website der europäischen Fussballunion Uefa. Wenn man Genaueres wissen will, wie am Freitag die Play-Off-Auslosung zur EM 2020 funktioniert, führt der passende Link zu den "European Qualifier Play-Off Draw" geradewegs ins Nirwana.

Als ich gestern Abend den Welt-Artikel zum England-Gastspiel im Kosovo las, wurde mir ganz anders. Die Zuschauer im Stadion erhoben sich und sangen gemeinsam mit ihren Gästen lautstark die englische Nationalhymne, sie applaudierten und gaben Grossbritannien zu verstehen: Wir danken euch für eure Unterstützung im Bürgerkrieg damals.

An guten Ausreden mangelt es nie. November-Wetter und Anstosszeiten, Gegner und Eintrittspreise: Man kann jeden Punkt einzeln oder gebündelt anführen, um den schleppenden Ticket-Vorverkauf vor den beiden Länderspielen am Samstag gegen Weissrussland und am Dienstag gegen Nordirland zu erklären.

Wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen Weissrussland und Nordirland ihre letzten Punkte zur EM-Qualifikation einsammeln möchte, sind die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw auch ein bisschen Schaufensterpuppen für den DFB-Ausrüster.

Inzwischen macht Uli Hoeness kein Geheimnis mehr daraus. Als die Spieler beim FC Bayern ihren Unmut über Niko Kovac nicht mehr verbergen konnten, habe man in der Vereinsführung reagieren müssen, sagte der Präsident am Samstag. Der Trainer flog raus.

0:4 im Topsiel beim FC Bayern - Borussia Dortmund hat wieder einmal Angsthasenfussball abgeliefert, meint unser Kolumnist.

Wenn die Ereignisse in den letzten Tagen vor einem Spiel immer zum Ergebnis dazugezählt werden müssten, dann ginge Borussia Dortmund heute Abend mit einer 2:0-Führung ins Treffen der Giganten. Der BVB hat nämlich in der Allianz-Arena das Momentum auf seiner Seite.

Es ist unbestritten: Clemens Tönnies hat im Sommer eine rassistische Äusserung zu Afrika getätigt und sein FC Schalke 04 eine selten dämliche Reaktion gezeigt. Es gab wochenlang Kritik, heftig und berechtigt - doch irgendwann muss auch mal gut sein!

Der Aufritt der Bayern gestern Abend in der Champions League war wirklich sehr beeindruckend: Besser konnte die Mannschaft nicht zeigen, dass sie einen neuen Trainer braucht. Also einen noch neueren als den neuen Interimscoach Hansi Flick.

Machen wir uns nichts vor: Das ist die beste Fussballsaison seit Jahren. Die Bayern sind nicht mehr das langweilige Mass der Dinge, der Dauermeister feuert sogar als erster Klub der Saison den Trainer. Und ausgerechnet jetzt, genau im richtigen Moment, ist der BVB wieder da!

Oliver Kahn übernimmt als neuer Vorstand beim FC Bayern im Januar ein Chaos an der Säbener Strasse. Das haben die vergangenen Tage beim Bundesliga-Vierten sehr deutlich gezeigt, und daran wird auch die Verpflichtung eines neuen Trainers und Kovačs Nachfolger nichts ändern.

Heute Abend, so gegen halb neun, wird Christian Streich endgültig wissen, aus welchem Holz seine Spieler geschnitzt sind. 

Trainer Lucien Favre sollte sich nicht mit den üblichen Ausreden aus der Verantwortung stehlen.

Seit gestern ist es offiziell: Die neue Klub-WM wird 2021 in China ausgetragen. Nicht nur der neu strukturierte Wettbewerb mit nunmehr 24 Mannschaften ist umstritten, auch der Austragungsort sorgt für heftige Kritik - Fifa-Boss Gianni Infantino will davon allerdings nichts wissen.

Das 0:2 bei Inter Mailand zeigt, dass Borussia Dortmund keinen Ersatz für Mittelstürmer Paco Alcacer besitzt. Es wurde versäumt, Mario Mandzukic zu holen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Spieler bei Borussia Dortmund über die Stränge schlagen. Früher Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembele, jetzt eben Jadon Sancho. Er kam zu spät zum Training und zahlt dafür eine horrende Geldstrafe. Angeblich einhundert Riesen.

Andreas Brehme (58) spielte von 1988 bis 1992 bei Inter Mailand, wurde dort sogar Italiens Fussballer des Jahres. Am Mittwochabend spielt sein alter Klub gegen Borussia Dortmund in der Champions League.

Der Kreuzbandriss von Niklas Süle ist nicht nur eine Hiobsbotschaft für den FC Bayern, sondern auch für die Nationalmannschaft.

Natürlich stimmt vieles von dem, was Mesut Özil in seiner Abrechnung mit dem deutschen Fussball zum Besten gibt. Die DFB-Führung um den damaligen Präsidenten Reinhard Grindel und die Mitspieler in der Nationalmannschaft hätten ihn eindrucksvoller unterstützen können, als der Weltmeister von 2014 wegen seines gemeinsamen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan im WM-Sommer 2018 angefeindet wurde.

Auf dem DFB-Bundestag Ende September hat der Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff eine wegweisende Rede zur Zukunft des deutschen Fussballs gehalten. Sein Vortrag, durchsetzt mit frischen, weil aufrüttelnden Ideen, ging bei den Feierlichkeiten um den neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller komplett unter. Nun wagte Bierhoff einen weiteren Versuch im Kicker.

Nationalspieler Ilkay Gündogan erlebte im Internet Beschimpfungen, als er übers Wochenende einem Instagram-Foto seines früheren Mitspielers Cenk Tosun ein Like gab.

Welche Legende gehört in die Ruhmeshalle des deutschen Fussballs? Schon bei der Gründungself voriges Jahr schlugen die Emotionen hoch: Wolfgang Overath nicht in der Hall of Fame im Deutschen Fussballmuseum in Dortmund - wie kann das sein? Nun wählte die Sportjournalisten-Jury fünf neue Ikonen. Mindestens zwei Namen sind sehr überraschend.

Zu lange haben sich die Deutschen mit dem Gedanken gequält, ob Thomas Müller und Mats Hummels eine Nachspielzeit in der Nationalmannschaft vergönnt sein sollte. Seit Mittwoch weiss man: Man sollte keine Sekunde mehr darauf verschwenden. Es lohnt sich nicht.

Mit Bastian Schweinsteiger beendet eine Legende ihre Karriere, der vermutlich letzte Volksheld des deutschen Fussballs. Wie "Schweini" wurde, was er ist? Nicht nur durch sportliche Erfolge, sondern vor allem durch seine geradlinige Art und seine Boxer-Mentalität. 

Das grosse Glück von Borussia Dortmund besteht darin, dass der Rückstand auf Bayern München lediglich zwei Punkte beträgt. Der Verlust von sechs Punkten aus drei Bundesliga-Spielen, die jeweils 2:2 endeten, ist noch immer reparabel. Zur Tabellenführung fehlen vier Zähler. Nur eines ist klar: Der BVB muss dringend etwas ändern. So kann es nicht weitergehen.