• Haas fährt in Saudi-Arabien zum zweiten Mal in die Punkte und bestätigt damit, dass man ein gutes Auto hat.
  • Kevin Magnussen lässt sogar Lewis Hamilton im Mercedes hinter sich.
  • Mick Schumacher freut sich trotz seines Horror-Crashs auf das nächste Rennen, wo es endlich Punkte geben soll.

Mehr Formel-1-Themen finden Sie hier

Das grösste Lob kam vom siebenmaligen Weltmeister höchstpersönlich. Lewis Hamilton konnte "am Ende mit der Power des Haas nicht mithalten", sagte der Brite, der beim zweiten Saisonrennen der Formel 1 in Saudi-Arabien nur Zehnter wurde: "Was auch immer sie für eine Leistung haben, sie sind am Ende weggezogen."

Dass Hamilton mal so etwas sagen würde, hätte vor einigen Wochen wohl kaum jemand für möglich gehalten. Doch der Brite musste zugeben: Er hatte gegen den Haas von Kevin Magnussen keine Chance. Und das unter gleichen Bedingungen.

Haas-Fahrer Magnussen holt erneut Punkte

Magnussen wurde Neunter und fuhr zum zweiten Mal in Folge Punkte für die Mannschaft ein, die im Vorjahr noch als Hinterbänkler der Königsklasse regelmässig Negativ-Schlagzeilen schrieb. Mercedes ohne Chance gegen Haas – was man 2021 noch für einen schlechten Scherz gehalten hätte, ist 2022 ein Beweis dafür, dass der US-Rennstall tatsächlich ein starkes Rennauto hat.

Oder anders gesagt: Es ist keine Sensation mehr, sondern eine Momentaufnahme. Die neue Realität in der neuen Formel 1. Haas ist mittendrin, statt nur dabei.

Formel 1, Regeln, Änderungen, Rennwagen, 2022
Die neuen Formel-1-Rennwagen zur Saison 2022 unterscheiden sich aufgrund des Reglements in wesentlichen Punkten von den Vorjahresmodellen.

Kevin Magnussen: "Phänomenal zu fahren"

"Wir waren schneller als Hamilton, das war ziemlich überraschend und gut", freute sich Magnussen: "Das Auto war wieder einmal phänomenal zu fahren, eine echte Freude." Haas ordnet sich nach zwei Rennen im vorderen Mittelfeld ein.

Heisst konkret: Das Potenzial für eine Platzierung hinter Red Bull Racing und Ferrari im Kampf mit Mercedes, Alpine, Alfa Romeo und AlphaTauri ist theoretisch da. Mit ein bisschen Rennglück vielleicht sogar mal ein Podium. Das Werkzeug dafür, also das Auto, hat Haas.

Auch Ferrari hilft

Zwei Punkte sorgen für die neue Stärke. Zum einen die Tatsache, dass Haas die vergangene Saison mehr oder weniger abgeschenkt hat, um das neue Auto frühzeitig zu entwickeln, was dann auch gut gelungen ist. Zweifelllos geholfen hat auch die enge Zusammenarbeit mit Ferrari, vor allem bei der Antriebseinheit.

Haas erhält als Kundenteam der "Roten" die Motoren – die aktuell zum Besten gehören, was die Formel 1 zu bieten hat. Nicht umsonst wird der Haas auch "weisser Ferrari" genannt.

An ihm hat auch Mick Schumacher eine Menge Spass, auch wenn er in Bahrain im Schatten seines Teamkollegen stand, nur Elfter wurde und in Saudi-Arabien nach einem Horror-Crash im Qualifying nur zuschauen konnte. "Ich fühle mich gut - hier stehen zu können, ohne Schmerzen zu haben, zeigt, wie sicher diese Autos sind", sagte Schumacher nach dem erneuten Haas-Husarenritt.

Mick Schumacher freut sich über die Pace

Schumacher konnte nachvollziehen, dass Haas auf seinen Start verzichtete, obwohl er trotz des heftigen Unfalls fit war. Der Rennstall wollte beim Wiederaufbau des Autos, das durch den Crash zerstört wurde, in der Hektik eines Rennwochenendes kein Risiko eingehen.

"Der Erhalt des Autos ist wichtig, wenn wir in Melbourne Rennen fahren wollen", sagte Schumacher: "Aber wir haben die Pace und das ist alles, was zählt. Das Ziel ist immer noch Q3 und Punkte, also müssen wir das jetzt einfach bis Australien verschieben."

Mit den Ergebnissen wachsen aber auch die Ambitionen, denn "natürlich wollten wir mehr Punkte haben", sagte Teamchef Günther Steiner nach Magnussens zwei Zählern in Saudi-Arabien, "aber wir sind zufrieden mit dem, was wir haben. Solange wir Punkte holen, sind wir glücklich". Die Stimmung sei gut und man könne es kaum erwarten, "nach Melbourne zu kommen und hoffentlich mit beiden Autos weitere Punkte zu holen".

Eine kleine Botschaft für Schumacher, bei dem weiterhin die "Null" steht. Der 23-Jährige weiss selbst, dass die Zeit reif ist für Punkte, wenn er die Möglichkeiten dazu hat. "Ich werde Leistung zeigen müssen", sagte er im Vorfeld des Rennwochenendes. Das gilt inzwischen noch mehr, denn jetzt, wo Magnussen zweimal gezeigt hat, was geht, dürfte der Druck auf Schumacher noch einmal anwachsen.

Crash ein Ergebnis des Drucks

Seine aussichtsreiche, aber auch brisante Situation in seinem zweiten Formel-1-Jahr wird flankiert von dem Unfall und den Begleiterscheinungen, denn viele Abflüge sollte sich Schumacher nicht mehr leisten, alleine schon aus finanziellen Gründen. Denn bei aller Euphorie bei Haas: In Zeiten der Budgetobergrenze sind die Teams zum Sparen verdammt. Nicht zu vergessen, dass es vor der Saison im Zuge des Ukraine-Krieges zur Trennung vom russischen Sponsor Uralkali kam.

Der Crash sei "ein Ergebnis des Drucks, der sich aufbaut", sagte Ex-Formel-1-Fahrer Christian Danner im "AvD Motor & Sport Magazin" auf Sport1: "Denn er hat mit Kevin Magnussen einen Teamkollegen, der ihm ordentlich zeigt, wie hoch die Latte liegt. Das Tolle ist, dass er die Herausforderung annimmt."

Lesen Sie auch:

So ein Crash mit über 200 km/h ist allerdings nicht ohne. "Solche Unfälle werfen einen unglaublich zurück", sagte Danner. Das nächste Rennen, um so schnell wie möglich wieder ins Auto zu steigen, sei immer eine Chance zu zeigen, was man draufhabe, so Danner, "und so kann er den Crash so schnell wie möglich hinter sich lassen". Um für Haas auch endlich mal positive Schlagzeilen zu schreiben.

Verwendete Quellen:

  • AvD Motor & Sport Magazin auf Sport1
  • Pressekonferenzen, TV-Übertragung
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "Einblick" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen. Unsere Berichterstattung findet in Übereinstimmung mit den JTI-Standards der Journalism Trust Initiative statt.

Die Regeländerungen für 2022 geben den Formel-1-Rennern ein ganz neues Gesicht

Die Teams der Formel 1 sind selten in eine so ungewisse Zukunft gestartet wie 2022. Schon die Vorsaison standin manchem Motorhome, in den Werkstätten und Designstudios ganz im Zeichen der neuen Regeln. Sie greifen 2022. Und deshalb sehen die neuen Boliden so aus. © ProSiebenSat.1